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Vicrzehnhundert und fünfzig Jahre sind verflossen, seit die Westgothen(unter Wallia) zuerst in Spanien erschienen (418), und gerade vicrzehnhundert,daß sie, unter ihrem tapferen König Eurich, die Römer aus demselben gänzlich vertrieben(468). Fünzig Jahre weniger, daß Justin 4, den Thron von Konstantinopel besteigend,im Orient eine neue Kaiser-Dynastie begründete (518); und gerade dreizehn Jahr-hunderte, daß Alboin, König der Langobarden, in Italien einrückte und dort die Grün-dung des longobardischen Reiches begann (458).
1150 Jahre sind es her, daß Winfried oder Bonifazius, der Apostel der Deutschendurch englische und irländische Missionarien unter fränkischem Schutz das Christenthumin Deutschland ausbreitete, und Prinz Pelayo zu Gijon das erste kleine christliche Reichin Spanien , Asturien geheißen, stiftete (718). Eilf Säkula verrannen im Zeiten-strome, seit Pipin's des Kurzen großer Sohn Karl der Große den Thron des
Frankenreichs bestieg, und eine neue Aera in der Weltgeschichte vorbereitete
(768); und gerade ein Jahrtausend, daß von den seefahrenden Normannen
die Faröer- und die Shctlands-Jnseln entdeckt und im oströmischen Reiche durchBasilius I. ein neues Kaisergeschlecht, das „makedonische", zum Throne gelagte (868),den es, allerdings mit einigen Unterbrechungen, bis zum Jahre 1056 inne hielt.
Achthundertfünfzig Jahre sind es her, daß der Normanne Kanuth der Große dieThrone von England und Dänemark vereinigte und daß zu Jerusalem durch Hugo vonPajcns, der später so mächtige Tcmpelhcrrn-Orden gestiftet wurde.
Am 30. Mai 1168, also vor sieben hundert Jahren, siegten bei Legnano dieverbündeten oberitalienischen Städte über den deutschen Kaiser Friedrich Barbarossa , undvor sechshundert Jahren legte eben dieses Kaisers Urenkel (Konradin von Schwaben)zu Neapel sein Haupt auf den Henkerblock (am 29. Oktober 1268), nachdem er zuvor(am 23. August) gegen den Usurpator Karl v. Aujou, Bruder König Ludwigs lX. (desHeiligen), der vorn Papst Klemens IV. die Belehuung mit Sizilien und Neapel erhaltenhatte, die Schlacht von Tagliacozzo verloren hatte. Bon diesem blutigen, historisch hoch-wichtigen Tage datirt der Untergang des ruhmreichen Hauses der Hohenstausen,die Zerstückelung der beiden Herzogthümer Franken und Schwaben und der Anfang derLandeshoheit der deutschen Reichsstünde, der Landstände und des Faustrcchts. Ein hal-bes Jahrtausend verrann, seit Hongwu, ein Chinese von geringer Herkunft, dermongolischen Zwingherrfchaft über China ein Ende machte und, den Thron besteigend,die Myng-Dynastie begründete (1368). Vierhund ertfünfzig Jahre sind es her,daß das für das abendländische Kirchenregiment so wichtige Konzilium zu Kostniz geschloffenwurde, und daß die ersten Zigeuner in Europa erschienen (1418); vierhunderst Jahreaber, seit Mathias Corvinus den Thron Ungarns bestieg, die Portugiesen die Küste vonOber-Guinea in Afrika entdeckten.
'Gerade dreihundertfünfzig Jahre sind seit dem Auftreten Ulrich Zwingli's inZürich und dem Reichstage zu Augsburg verflossen (1518); dreihundert aber seit derHinrichtung der edlen niederländischen Grafen von Egmont und Hoorn und dem Todedes Don Carlos von Spanien (1568). Ein Vicrteljahrtausend verrann, seit zu Breslau der Dichter der zweiten „schlesischen" Dichtcrschulc, Christian Hofmann von Hofmannswaldau ,geboren ward; seit der Kurfürst Johann Sigismund von Brandenburg , nach dem Todedes Herzogs Albrecht Friedrich , den erblichen Besitz des Hcrzogthums Preußen für sichund seine Nachkommen von der Krone Polens erhielt und damit die Herrschaft der bran-denburgischcn Hohmzollern Mx Ostpreußen begründete und so die Errichtung des König-reichs Preußen vorbereitete; sowie daß zu Prag jener entsetzliche Krieg seinen Anfangnahm, welcher durch dreißig Jahre hindurch alle Gauen Deutschlands mit Blut und Ver-heerung erfüllte und die Zerrissenheit des großen Vaterlandes permanent machte (1618).Zweihundert Jahre sind es her, daß Portugal von Spanien als unabhängig aner-kannt, zu Aachen zwischen Frankreich (Ludwig XIV.) und den Niederlanden Frieden ge-