Ausgabe 
28 (9.2.1868) 6
 
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Nr. 6 .

9. Februar 1868.

Sag nur, warum du in manchem FalleSo ganz untröstlich bist?"

Die Menschen bemühen sich alleUmzuthun, was gethan ist.

Göth e

Rache und Liebe.

(Fortsetzung.)

X.

Noch einmal wollte Herr Beauprs versuchen, das Herz der Creolin zu erweichen.Er ging abermals in denWeißen Hirsch" und schrieb ein Paar Zeilen, worin er drin-gend um eine Unterredung bat.Ich will warten, gnädige Frau," schrieb er,so langees Ihnen gefällt, aber ich gehe nicht, bis ich Sie gesprochen habe." Luch willigteein. Wiewohl höchst ungern.

Mein Herr," begann sie,Sie mißbrauchen die Achtung, die ich vor IhremStande und Ihrem hohen Alter habe."

Verzeihen Sie den Unglücklichen, wenn sie lästig sind, gnädige Frau."

Aber wenn alles Bitten vergebens ist."

Wissen Sie nicht, wie schwer man eine letzte Hoffnung aufgibt?"

Oh, nur zu gut weiß ich cS," erwiderte Lucy, über ihr eigenes Schicksal nach-denkend.Man klammert sich daran wie der Schiffbrüchige an das Brett, das seineelende Existenz um einige Stunden fristen soll, dann kommt der schreckliche Augenblick,der auch diese letzte Stütze raubt man fühlt das Herz im Leibe erstarren! Ichkenne das, mein Herr, Ihre Schützlinge haben es mich gelehrt."

Ich erkenne, wie gerecht Ihre Entrüstung ist, aber je größer die Beleidigung, destoedler wäre das Verzeihen, Gott selbst hat dies Gebot uns eingeschärft."

Nein, ich habe zu Viel gelitten, ich will Sühne haben. Nur aus Rücksicht fürSie habe ich einen Aufschub von drei Tagen gewährt, will Herr Vericourt dieselben zurFlucht beuützen, so mag er es thun, nach zwei Tagen erkläre ich meine Heirath."

Ach, der Graf mag fliehen oder nicht, die Schande lastet auf ihn und seinerFamilie.

Ohne Zweifel."

Aber Sie können das nicht wollen."

Gewiß, ich will es, Gott hat mich zum Werkzeug gemacht, sein Verbrechen zustrafen."

Dieser entschiedene Ton ließ keine Hoffnung mehr aufkommen. Mit betrübtemHerzen kehrte Herr Beauprs in's Schloß zurück.Sie müssen fliehen, Graf," sagte er,es ist noch immer besser, wenn Sie während des scandalösen Prozesses nicht hier sind."

Auch die Gräfin drang in ihn, aber Georg bestund darauf, zu bleiben.Nein,"sagte er,wenn ich weder Pauline noch meine Ehre retten kann, so fliehe ich nicht feige,um mich der Strafe zu entziehen."

Nun, so mag Gott mir gnädig sein und mich sterben lassen," seufzte die Gräfin.Nach einigem Schweigen fügte sie bei:Wie wäre es, wenn ich selbst zu dieser Frau