Ausgabe 
28 (9.2.1868) 6
 
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Und sehr zufrieden mit seiner Rede, erwartete er nun, die Fremde werde ihre leb-hafte Dankbarkeit beweisen, als Lucy etwas stolz antwortete:Und worin sollte dieserSchutz bestehen?"

Die Absicht, mit welcher Sie in dieses Land kamen, ist kein Geheimniß mehr,gnädige Frau; man weiß, daß Sie heilige Rechte, die unwürdiger Weise verläugnet wordensind, geltend machen wollen. Aber welches auch die sociale Stellung des Schuldigen seinmag, eS soll Ihnen Gerechtigkeit werden."

Das Erstaunen der Creolin wuchs bei jedem Wort. Wer konnte diesem Manneihr Geheimniß verrathen haben, da sie doch so gewissenhaft die Frist des Schweigensbeobachtet hatte? Ihre Stimme zitterte, als sie fragte:Wie können Sie mir einesolche Absicht unterbreiten, mein Herr?"

Aber die ganze Stadt spricht ja davon, und Sie werden begreifen, daß ich mirdaher die nöthigen Aufklärungen bei Ihnen erholen wollte. Es liegt mir daran, zu bc»«eisen, daß keine Rücksicht auf Rang und Vermögen mich als Beamten abhalten könnten,dem Verbrechen die verdiente Strafe zuzuerkennen, wenn ich gleich als Mensch dasselbebeklage. Nur müßten Sie mir die Beweise vorlegen, auf die sich Ihre Ansprüchestützen."

Der dienstfertige Anwalt hätte noch lange reden können, ohne daß Lucy ihn gehörthätte, so sehr war sie in ihre Gedanken versunken. Der Augenblick war also gekommen,wo sie mit einem Wort bluiige Rache nehmen konnte. Georg, die Gräfin und Pauline,alle drei werden in das Unglück hin-ingczogen, und ist es nicht gerecht? Haben nichtalle drei an dem Verbrechen Theil? Sie denkt an die Lage des Grafen, der jedes WoAder Unterredung mitanhören muß, mit welcher Seclenangst muß er die Antwort erwarten,von der sein Schicksal abhängt. Wie mußte er leiden! Bei diesem Gedanken fühlte sieselbst eine unaussprechliche Beklemmung. Sollte sie diese qualvolle Ungewißheit in nochschrecklichere Gewißheit verwandeln, die ihn, wie er sagte, zum Selbstmord treiben würde?Würde Gott sie nicht zur Rechenschaft ziehen für ein Leben, das sie ihrer Rache geopfert?Doch nein, ihre Sache ist gerecht, Gott will seinen Meineid strafen. Woher denn aberdieser Aufruhr in ihrem Herzen? Sollte sie so feige sein, den schuldigen Gemahl nochzu lieben? Ja! ihr Herz ist zerrissen bei dem Gedanken an die bevorstehende StrafeGeorgs, trotz seines Fehlers ist er ihr noch theuer. Einen Augenblick noch kämpfen Haßund Eifersucht gegen diese zärtlicheren Gefühle da tritt der kleine Georg in's Zimmerund eilt in die Arme seiner Mutter, die er mit schmeichelnden Blicken ansieht, gleich, alswolle er für den unglücklichen Vater bitten, ihöar es Zufall, der den unschuldigen Für»sprecher gesandt, oder hat der Himmel Herrn Väriconrt dieses letzte NettungSmitteleingegeben?

Die junge Frau preßte den Knaben an ihr Herz und eine heiße Thräne fiel aufseine Stirne. Einen Augenblick blieb sie unbeweglich mit geschlossenen Augen, dann küßtesie den Knaben abermals und schob ihn sanft bei Seite. Ein großer Entschluß warzwischen diesen beiden Küssen gefaßt, ein großes Opfer vollbracht worden.

(Fortsetzung folgt.)

Der Seeteufel

In der Besprechung von William ElliottsLarolinu Sports dz? I,anä snä>Vat6r« sagt dasAthenäum": Leichtgläubige Reisende und lügnerische Schriftstellerhaben über diesen monströsen und wunderbaren Bewohner des Meeres an der Küste vonCarolina so viele Fabeln erzählt, daß es Leuten, die keine Neigung zur Erforschung derNatur haben, und unter gewöhnlichen Umständen die Tiefe gern im Besitze ihrer Geheim-nisse lassen, angenehm sein wird, kennen zu lernen, was ein zuverlässiger Zeuge vondiesem sonderbaren Geschöpfe sagt ein Zeuge, der die technischen Ausdrückt der Wissen»