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^ „Nun zieht Euch zurück, meine Burschen," sprach Casey, „und seht zu, wie ich
diese Leute traktircn werde." — Und ohne eine andere Waffe, als einen gewöhnlichenSpazicrstock, schritt er vorwärts und hielt die Pferde an.
„Wer seid Ihr, Herr?" — schrie der wohlbeleibte Kutscher mit drohender Stimmeund Geberde.
„Ein gewisser Casey," antwortete der Straßenränder.
„Ach, Herr Casey! Sehr erfreut. Eure Bekanntschaft zu machen," — stöhnte derKutscher, halb todt vor Angst, und hielt nun selbst die Pferde zurück
„Alle Wetter, was gibt es?" — rief eine kreischende Stimme aus dem Innerndes Wagens.
„Ich muß Euer Gnaden höflichst bitten, mir Dero Börse, Ohrringe und sonstigenKostbarkeiten zu überliefern," sagte Casey und trat mit einer Verbeugung an denKntschcnschlag.
„Was will der Kerl von mir?" — kreischte die alte Dame und fuhr mit einemmetallenen Instrumente dicht vor das Antlitz des Räubers. Dieser war durch das uner-wartete Manöver ganz außer Fassung gebracht und fand den ersten Augenblick keineWorte, um seine Bitte zu wiederholen.
„Wie könnt Ihr Euch unterstehen, meine Kutsche anzuhalten?" schrie die erzürnteDame, und zielte beständig nach seinem Gesichte.
„Ich bitt Euer Gnaden tausendmal um Vergebung," sagte Casey, „es war nurein Irrthum — belieben Euer Gnaden wieder fortzufahren."
„Ich sollte Euch arretiren lasten," versetzte die alte Dame.
„Erbarmen, Erbarmen!" schrie Casey und warf sich auf seine Kniee in denStraßenkoth.
„Fahre zu, Jonas!" rief die lebhafte alte Dame. Der Kutscher hieb auf sciuePferde, und Casey blieb zurück mitten auf der Straße, in knieendcr Stellung.
-> „Das hast Du Pfiffig gemacht," — sagte einer der Gesellen zu Casey, als dieser
zurückkam.
„Wo sind nun die Ringe und die Börsen?" fragte ein Zweiter.
„Die Weiber werden verdammt kriegerisch in dieser Gegend," sagte Casey. „Eshätte nicht viel gefehlt, so wäre ich dießmal um's Leben gekommen. — Die alte Hexekriegte ein Terzcrol hervor, mit einer so großen Mündung, daß ich Anfangs glaubre,es sei eine Haubitze."
„Und wer sagte Dir, daß das Ding geladen war?" fragte Einer von derBande.
„Geladen oder nicht geladen, es schien mir jedenfalls gefährlich," versetzte Casey.
Aber bei diesen Worten brachen die Bursche in ein unmäßiges Gelächter aus,warfen ihre Hüte in die Luft, wälzten sich vor Lust im Grase herum und sagten ihremeingeschüchterten Führer sodann, daß die Alte Niemand Anderer gewesen sei, als MistreßAnastia Malony, die taube Ofsiziers-Wittwc, welche sich einer Hörmaschine zu be-dienen Pflege.
„Hm!" sagte Casey, „sollte dem wirklich so sein, so bleibt mir nichts übrig, alsdiese Gegend für immer zu verlosten. Meine Reputation ist compromittirt. — Waswerden die Leute denken, wenn eS heißt, Casey von Longhrca habe sich vor der „Hör-maschine," eines alten Weibes entsetzt.— Der Teufel hole die Maschinen!"
Sonderbare Leute.
In einem neuerdings unter obigem Titel erschienenen Werke des Franzosen LoredanLarchey finden wir eine Anzahl neuerer, zum Theil komischer Beiträge für die Absonder-