lichkciten gewisser in der Geschichte und Literatur bekannter Persönlichkeiten. Wir wolleneinige davon mittheilen.
Der Marschall Castellane, vor noch nicht langer Zeit gestorben, war einer derrauhesten Haudegen der französischen Armee und in Lyon, wo er commandirte, mehr ge-fürchtet, als geliebt. Seine Regimenter galten, als sie aus der Krim zurückkehrten,allgemein für die abgehärtesten und geübtesten. Die Bevölkerung von Lyon und nament-lich des Stadttheils Croix-Roufse ist eine sehr leicht erregbare und zu Thätlichkeiten ge-neigte. Als nun der Marschall verlangte, daß sämmtliche Offiziere stets in Uniformgehen sollten, machte man ihn darauf aufmerksam, wie gefährlich dies sei, falls einOffizier gerade in jenem Stadttheil etwas zu thun habe. Am andern Tage durchstrichCastellane in voller Marschalls-Uniform ganz allein langsam die übelberufensten Straßendes Quartiers Croix-Roufse. Niemand that ihm etwas zu Leide und der Befehl bliebbestehen. — Ein andermal hinterbrachte man ihm, daß ein Barbier in Lyon zu einemseiner Kunden, den er rasirte, gesagt habe: „Ja, wenn ich Castellane so hätte, wie ichDich hier habe, so wär's um ihn geschehen!" Der Marschall begab sich sofort in denLaden des Barbiers, der ihn natürlich sehr genau kannte. „Rasircn Sie mich!" sagteer. „Schnell! Ich bin neugierig, zu erfahren, wie Sie mir den Hals abschneiden wer-den!" — Natürlich passirtc ihm nichts weiter, als daß er ein wenig geschunden wurde,und auch das hatte der Barbier ohne Absicht gethan. Die Bälle, die er gab, warensehr schön und sehr besucht, aber Punkt 12 Uhr mußten sie beendet sein. Darin warer unerbittlich und die Kronleuchter erloschen vor den Augen der tanzlustigen Herren undDamen. An die letzteren vertheilte er während des Balles kleine Foulards und Stangenfein präparirten Zuckers. Diese Stangen waren verschieden groß, je nach dem Rang,den die Männer der Damen in der ofsiciellen Rangliste einnahmen!
Malherbe, einer der bedeutendsten französischen Dichter aus dem sicbenzchntenJahrhundert, hatte immer kalte Füße und zog so viel wollene Strümpfe an, daß er
zuletzt Spielmarken benutzen mußte, um sich nicht zu verzählen. Jedesmal, wenn er auf
den linken Fuß einen Strumpf zog, legte er eine Marke in ein Näpfchen, bis der Fußgenug bestrumpft war; wenn er sich dann zum rechten wandte, nahm er nach jedem neuenStrumpf eine Marke heraus. Später ließ er jedes Paar »ach dem Alphabet bezeichnen,ABC u. s. f. Er soll nach seiner eigenen Versicherung bis zu L, also bis zu eilfPaar Strümpfen gekommen sein, und bildete aus diese Weise ein wandelndes Thermo-meter, als man die quecksilbernen noch nicht kannte. „Es scheint heut kälter zu sein,wie gestern," sagte z. B. ein Cavalier Heinrichs IV. oder der Maria Mcdicis. „Nein,"antwortete ihm der Andere. „Malherbe trägt heute F, gestern trug er G." — Mal-herbe besaß keine eigene Wohnung. Mehr aus Absonderlichkeit als aus Geiz, wohnteer in einem meublirten Zimmer. Hatte er viel Besuch, waren die sieben oder acht Stroh-stühle besetzt und klopft es an die Thür, so rief er hinaus: „Warten Sie! Es ist keinStuhl frei!" Er arbeitete schrecklich langsam. Zwei Tage lang überlegte er, ob ein
einziges Wort paffend sei oder nicht. Wenn man hundert Verse oder zwei Seiten
„wahre Prosa" geschrieben habe, müsse man sich zehn Jahre ausruhen — das war seineAnsicht. Als dem Präsidenten von Verdun seine Frau gestorben war, richtete Malherbeeine Ode an sie. Er brauchte drei Jahre dazu. Inzwischen hatte der Präsident es eiligergehabt und sich längst wieder verheiratet; die junge Frau empfing also die Lobrede ihrerVorgängerin.
F o urnier-Vern euil, ein Pariser Journalist, wohnte um's Jahr 1830 in einemausrangirtcn Omnibus, und in diesem Omnibus befand sich zugleich das RcdactionS-Bureau eines von ihm herausgegebenen Journals.
Der General Marey-Monge, erst vor einigen Jahren gestorben, besaß eine Lieb-haberei für Hieb- und Stoßwaffen und eine glänzende Sammlung derselben. Auch ver-fertigte er fortdauernd neue Modelle, um die „blanke Waffe" auf den Gipfel nie geahn--