Ausgabe 
28 (23.2.1868) 8
 
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Nr. 8 .

23. Februar 1868.

Arrgsburger

Sonntag

Das Herz gleicht ganz dem Meere,Hat Sturm und Ebb' und Fluth,Und manche schöne PerleIn seiner Diese ruht.

Rache «nd Liebe.

(Schluß.)

XIV.

Krank an Geist und Körper kam die Reisende nach Bordeaux. Ihre erste Sorgewar eine Schiffsgelegenheit nach den Antillen. Sie hörte zu ihrem Vergnügen, daßCapitän Borschel, trotz des geringen Erfolges seiner letzten Reise, noch einmal sein Glückversuchen wolle.

Lucy bat ihn schriftlich zu ihr zu kommen, was er sogleich that.Nun, gnädigeFrau, Sie wollen Frankreich schon wieder verlassen? Sind Sie wenigstens mit demResultat Ihrer Reise zufrieden?"

Ja, Capitän."

Ihrem Aussehen nach hätte ich's nicht geglaubt. Sie haben sich verändert!"

O, nur Ermüdung von der Reise. Wann gehen wir?"

Sobald die Ladung fertig ist; Sie wissen, das Ausladen war schnell geschehen,"fügte er mit einem Seufzer bei.Wollen Sie unterdessen Bordeaux sehen? Sie wissenvielleicht nicht, daß Bordeaux die schönste Stadt ist. Meine Frau soll Sie begleiten."

Ich danke Ihnen, Herr Borschel, wäre ich nicht unwohl, würde ich von Ihremfreundlichen Anerbieten Gebrauch machen. Doch wird Bordeaux bei mir stets im gutenAndenken sein, da es mich an einen der vortrefflichsten Männer erinnert," fügte sie, seineEmpfindlichkeit bemerkend, hinzu.

So lange sie noch in Bordeaux war, verließ sie den Gasthof nur, um in die Kirchezu gehen. Als sie Mela mittheilte, sie müsse mit dem Kinde in Frankreich zurückbleiben,war die arme Mulattin trostlos, es war mehr als ihr Leben, was ihre Herrin verlangte.Als aber diese beifügte:Es muß sein, gute Mela, Georg bedarf Deiner," wagte sienichts mehr dagegen einzuwenden.

Als Herr Beauprs eintraf, den Knaben zu holen, fragte sie anscheinend ruhig,was sich im Schloß Vsricourt zugetragen."

Es herrscht dort große Traurigkeit," antwortete der Pfarrer.Herr Vsricourtist von tiefer Reue erfüllt und erwartet nur meine Rückkehr mit dem Knaben, um seineAbreise festzusetzen."

Er mag sich damit nicht beeilen, bald wird sie nicht mehr nöthig sein. MeineFreunde können mir nichts Besseres wünschen, als das Grab," fuhr sie fort, den trau-rigen Blick des Pfarrers begegnend.

Hierauf theilte sie ihm noch einige Bestimmungen mit für den Fall, daß sie Bafse-Terrc nicht mehr erreiche, und bat ihn, dem Kinde doch von seiner Mutter zu sprechen.

Ach," seufzte sie,eine Andere wird seine ganze Zärtlichkeit haben, und geradesie, die mich schon aus dem Herzen mcimk Gemahls verdrängt!"