Ausgabe 
28 (23.2.1868) 8
 
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Deim Abschied bewies sie großen Muth. Sie drückte den kleinen Georg langan's Herz, ohne eine Thräne zu vergießen, während die arme Mulattin in Thränen ge-badet vor ihr auf den Knieen lag und ihr Kleid küßte.

Ich empfehle Ihnen mein.Kind und auch diese arme Verlassene, Herr Pfarrer,"sagte Luch mit gebrochener Stimme,jetzt laßt uns gehen."

An der Thüre wollte ihr die Kraft versagen, sie wankte und suchte nach einerStütze, aber mit energischer Willensstärke kämpfte sie diese Schwäche nieder, sie stieg inden Wagen und fuhr an den Hafen, wo das SchiffMaria-Hilf" nur mehr ihrerharrte, um abzusegeln. Noch im letzten Augenblick wandte sie sich an den Pfarrer undsagte:Bei unserer Trennung habe ich Herrn Vsricourt meine Verzeihung verweigert;ich war seitdem bemüht, allen Haß aus meinem Herzen zu verdrängen. Bevor ich dieseReise unternehme, deren Ende ich schwerlich erlebe, habe ich meine Seele von jedemNecken reinigen wollen: sagen Sie Herrn Vericourt, daß ich ihm verzeihe."

Sie schreiben mir doch," bat der Pfarrer, der seine Thränen nicht mehr zurück-halten konnte.

Ja," sagte Luch mit einem Lächeln, das einem in's Herz schnitt,bald sollenSie Nachricht von mir haben."

Schmcrzcrfüllt machte sich Herr Beauprü eine Stunde später auf die Rückreise.Als er dem Grafen die versöhnenden Worte hinterbrachte, sagte dieser finster:Aberich werde mir nie verzeihen!"

Sobald sein Sohn im Schloß untergebracht war, trat er die Reise an.TheurePaulinc," sagte er beim Abschied.Du verläßt meine Mutter nicht, nicht wahr?"

Niemals, ich schwöre es Dir, weder sie noch Dein Kind. Was auch die Zukunftbringen mag, mein Schicksal ist mit dem ihrigen verknüpft."

XV.

Mehrere Monate waren verflossen, Georg reiste in Deutschland und gab oft Nach-richt, aber noch immer hatte Herr BcauprS nichts von der jungen Crcolin gehört.Endlich erhielt er einen Brief aus Bordeaux; er war vom Capitän Borschel, der Pfarrerdurchflog ihn hastig, er lautete:

Mein Herr!

Nach einer langen, diesmal sehr einträglichen Reise, komme ich nach Frankreich zurück und mein Erstes ist, das Versprechen zu lösen, welches ich der jungenDame gab, die Sie mir an Bord brachten. Bald nach unserer Abfahrt bemerkteich, daß ihre Gesundheit sehr angegriffen war, obgleich sie sich nie beklagte; wennich sie darum befragte, gab sie mir ausweichende Antworten. Eines Tages, alssie sich besonders unwohl fühlte und nicht auf's Verdeck kommen konnte, ließ siemich rufen.

Capitän, sagte sie, wie weit haben wir noch nach Basse-Terre? Ich antwor-tete, daß ich hoffte,"in acht Tagen dort zu landen. Dann werde ich, mein Vater-land nicht wieder sehen, entgegnctc sie, und als ich sie von dem Gedanken abbrin-gen wollte, fügte sie bei: Das Leben ist mir so zur Last geworden, daß ich nichtdagegen murre, wenn Gott es abkürzt, für manchen Schmerz ist Sterben eineWohlthat. Dann gab sie mir noch verschiedene Aufträge für ihren Verwalter inBaffe-Terre und bat mich, ihren Tod Ihnen bei meiner Rückkehr sogleich anzu-zeigen. Leider täuschte sich die arme Frau nicht, sie sollte ihr Vaterland nicht

wieder sehen. Ich wollte es gar nicht glauben, daß sie ihrem Ende schon so nahe

sei, solche Ruhe und Freiheit des Geistes zeigte sie. Ihre letzten Augenblickewaren die einer Heiligen, sie betete beständig, oft hörte ich sie den Namvn Georgaussprechen, was mich nicht wunderte, da ihr Söhnchen so heißt. Wenn Sie in

ihrer Familie eine Pauline kennen, so können Sie ihr sagen, daß sie auch von