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Ihr habt die .Bruder' angerufen.
Und bei dem Gotte, der uns schuf,
Es hallt bis an der Berge Stufen,
Ihr habt die Bruder angerufen.
Nicht sei vergeblich euer Ruf!
Uns faßt «in göttliches Erbarmen;
Voll Liebe drücken wir und SchmerzDie frost- und hungerkranken Armen,
Daß sie sich sättigen und erwärmen.
An unser deutsches Christenhcrz.
Wo bang die Noth zum Himmel kreischet,
Wär's auch beim Feind, wir säumen nichtDoch seid denn ihr's, die uns zerfleischet?
Ihr thatet ja nur, was erheischetDes heiligen Gehorsams Pflicht.
Nur ihr, des Preußensiaates Wächter,
Nehmt nicht in euren sünd'gen MundDas hcil'ge Wort! Ihr Brüderschlächter,
Des Rechtes und der Treu Berückter,
Jhrmitdemwälschen Feind im Bund. —
Im Bund, nicht um euch zu verthrid'gen.
Rein, um den Bruder selbst, o Schmach,
Mit schnödem Angriff zu belcid'gen.
Ihn zu vernichten! Jbr Meineid'gen,
Da jeder Odem Lüge sprach!
Roch dampft von eurer BrudertreueDer böhmische Grund, die Frankenflur,kustozzr dampft . . . dock sonder ReueSt>bt ihr nock da, — vielleicht auf neueBerbrüdcrungsthatcn sinnt ihr nur!
Nehmt die Millionen, uns entrissen.
Dazu so leicht sich hat bequemtDas faule modrige Gewissen, —
(Ihr möchtet einst nock Freunde missen).
Den ungerechten Mammon nehmt. *)
Gebt ihn an sie, die, nothvcrnichtet,
Noch schmachten in der Steuer Joch!
So wird die Schuld — zwar nicht geschlichtet —
Doch minder streng dereinst gerichtet,
Und w.ir — verzeihen leichter doch!
Xuim» kovaric».
») ruka» 18, S.
(Wie man Nattern und Wilddiebe fängt.) Ich ging einmal mit einemKameraden, der auf Alles was kriecht, eine besondere Passion hat, über die Felderspazieren. Plötzlich sahen wir eine große Natter, welche wie eine Rolle Kübeltabak ge-ringelt im Grase lag, nach verfassungsmäßiger Entwickelung von vier Fuß Länge sich inein Loch verkriechen. Flugs eilte mein Kamerad ihr zu und erwischte sie noch glücklichbeim Schwänze, an dem er sie festhielt. Gib mir ein Messer, rief er mir zu, und alsich ihm mein Sackmesser gereicht hatte, schaute ich aus gehöriger Entfernung zu, was erdenn mit der ecklen Natter anfangen werde. Da zog er denn mit der einen Hand dieNatter langsam aus dem Loche, während er mit der andern Hand das Messer zumSchnitte bereit über dem Loche hielt, in welches das Thier sich verkriechen wollte. End-lich als er merkte, daß „das Trum" zu Ende gehe und der Kopf nicht mehr langewarten lasten würde, schnitt er den wurmigen Faden ab, so daß der Kopf noch in derHöhle stecken blieb.