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Diese Geschichte gehört zwar weder in die hohe noch in die niedere Jagd, aber ein«Jagd bleibt's doch, eine Jagd, wozu mehr Muth gehört, als einem Hasen den Laufabzuschießen.
Ungefähr wie dieser Natter erging es nun im letzten Jahre einem Wilddiebe in H.Dieser Wilddieb war ohne Gewehr gerade so gefährlich, als mit demselben. Ging erohne Gewehr in's Revier, so konnte man sicher annehmen, daß er ausgehe, einen Auer-Hahn zu „verhören," oder Fallen und Drahtschlingen zu legen, oder ein in die Falltgerathenes Stück auszuiiehmen. Das Letztere war nun einmal der Fall. — In eineehemalige, nunmehr fast ganz verschüttete Knappenhöhle, vulgo Stollen, hatte er einemMarder eine Falle gelegt und wollte nun nachsehen, ob der Marder auch wirklich darin-nen stecke. Nichtig lag er in eingeklemmter Vcrendung in der engen Höhle. In demAugenblicke, als der Wilddieb seine Beute herauszuziehen sich anschicken wollte, bemerkteer aber den Jagdeigenthümer und noch einen Jäger in der Ferne, glaubte jedoch vonihnen noch nicht bemerkt worden zu sein, und um den Augen der Unberufenen sich ganzzu entziehen, kroch er auf dem Bauche 4'/? Fuß weit (weiter ging's nicht) in die Höhlehinein, in welcher er neben dem glücklich gefangenen Marder die Gefahr vorüber gehenlasten wollte. So lag er dann bis an die Knöchel lebendig vergraben. Was er indieser kritischen Lage sich dachte, ist nicht bekannt, gewiß ist, daß er sich von dem nichtsträumen ließ, was bald nachher geschah.
Die beiden Jäger hatten nämlich den Wilddieb „einfahren" gesehen und nachkurzem lkriegsrath ward das Manöver mit dem Wilddieb beschlossen, wozu übrigenskeine weiteren Vorbereitungen getroffen wurden, als daß der eine der Jäger eine dicke,zähe Ruthe sich abschnitt. Sie pirschten nun den eingefahrenen Wilddieb, und als sieihm nahe genug waren, packte der eine Jäger den Wilddieb bei den noch etwas vor-stehenden Füße» und begann ihn sachte, sachte aus dem Loche zu ziehen, während derandere Jäger mit der geschwungenen Ruthe in der Hand einen gewissen Abschnitt imLängenmaße des Wilddiebs abwartete. Als nun so viel von demselben an's Tageslichtgezogen war, als zur Applikation von Prügeln gemeinhin nöthig ist, begann die Execu-tiou. — Der Eine hielt die Füße fest, damit der Wilddieb weder vor- noch rückwärtskonnte und der Andere prügelte darauf los; der Wilddieb aber, der sich in dem engenLoch nicht rühren konnte, brüllte und fluchte in die Höhle hinein, daß der verendeteMarder in der Falle sich hätte seiner erbarmen mögen.
(Für Gärtner und Blumenzüchter.) Aus wahrem Zufall wurde im ver-gangenen Jahre gefunden, daß die Schale der gewöhnlichen rothen arabischen Bohne dieBlüthen weißer Blumen in rothe, die der schwarzen arabischen Bohne in ganz dunkel-braune, und die der blauen arabischen Bohne in blaue verwandelt. Das Verfahren istfolgendes: man schält die Schalen ab, welches mit einem Messer, obgleich etwas müh-sam, zu bewirken ist. Die Schalen werden getrocknet, zu Pulver gerieben und mit zweiDrittel Erde vermischt, in welche Mischung der Same der zu verwandelnden Blumengesäct wird. Die Pflanzen werden nochmal in eine gleiche Mischung Erde gesetzt. Obdie fernere Generation ohne diese Erdmischung die neue Farbe constant bewahrt, kann ichin Folge der jungen Entdeckung nicht behaupten; dabei ist mir aber eingefallen, ob nichtauf diesem Wege die längst gesuchte blaue Georgine erzielt werden dürfte. Daß übri-gens vor mehreren hundert Jahren ein ähnlicher Gedanke auftauchte, ist daraus erweis-lich: In einer der ältesten Gartenschriften, gewiß 200 Jahre alt, die mir vor langenJahren zu Händen kam, las ich wie folgt: Man nehme eine arabische Bohne, schneideden Keim heraus, quelle die Bohne, stecke das Samenkorn von einer weißblüheudcnNelke hinein, lege sie in Erde und die hervorwachsende Pflanze werde brennend rotheBlumen tragen.