Ausgabe 
28 (23.2.1868) 8
 
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(Das Bauchaufschlitzen in Japan .) DasHarakiru" Bauchaufschlitzender Japaner ist so einzig in seiner Art, daß wir nach dem preußischen Werke über Ost-Asien, welches seine Mittheilungen aus bester Quelle geschöpft hat, hierüber Einigesberichten müssen. Das Harakiru wird für alle Adeligen zur Nothwendigkeit, wenn ihnenSchande droht. Der Krieger entleibt sich, um nicht in Gefangenschaft zu gerathen, derBeamte, wenn sich unter seiner Verwaltung Ungehöriges zugetragen hat, gleichviel, obmit oder ohne sein Verschulden; er rettet dadurch seinen Nachkommen Ehre, Vermögenund die erbliche Würde. Nur in zweifelhaften Fällen scheinen Männer von Rang dasUrtheil des Taikun abzuwarten, und dann gilt es als Gnade, wenn das Harakiru be-fohlen wird. Es ist die Zuflucht des japanischen Edeln in jeder Calamität; die Knabenwerden Jahre lang in der Kunst unterrichtet, sich mit Würde und Grazie den Leib auf-zuschlitzen, wie man bei uns tanzen lernt. Vor Zeiten war es noch ungleich beliebterals jetzt Das vom Kaiser gebotene Harakiru wird mit großer Feierlichkeit vollzogen.Männer von Stande führen das für solchen Fall vorgeschriebene weiße Sterbeklcid aufallen Reisen mit sich, ebenso die weißen Zeltvorhänge, mit denen die Wohnung des Auf-zuschlitzenden während der That von Außen bekleidet sein muß. Alle Verwandten undFreunde sind zu der Feierlichkeit geladen: man reicht Speisen und Getränke, und bringteinige Stunden in traulichem Gespräche zu. Dann trinkt das Schlachtopfer mit denSeinen die Abschiedsschaale, sagt feierlich Lebewohl, hört in ehrerbietiger Stellung nocheinmal den Erlaß des Siogun vorlesen und ergreift dann das zum Harakiru bestimmtekleine Schwert bei der Klinge. Er umwickelt diese, um sie zu halten, in der Mitte mitseinem Gewände, und bringt sich, geneigten Hauptes auf der Matte sitzend, mit derSpitze einen Querschnitt in den Leib bei. Sein vertrautester Diener ist indeß hinter ihngetreten und schlägt mit einem Hiebe seinen Kopf herunter. Die Herzhaftesten sollen sichden Leib kreuzweise aufschlitzen und dann noch mit eigener Hand die Hals-Arterie durch-haucn. Das Kopfabschlagen durch Andere gilt als eine Neuerung unseres verweichlichtenJahrhunderts. Der lange Friede hat übrigens diese Sitte sehr gemildert; auch ist dieGesetzgebung eingeschritten. Denn früher mußten sich auch die Diener beim Tode ihresHerrn entleiben; jetzt ist dies durch kaiserliche Edicle verboten.

(Ueberraschende Wirkung der tropischen Sonne.) Livingstone erzähltin seinem neuesten Riesenwerke, daß er am Wcstufer des Nhassa-Sees in Afrika beobach-tete, wie die Steine am Tage so erhitzt wurden, daß selbst nach Sonnenuntergang Nie-mand darauf sich niedersetzen konnte. In Folge der raschen nächtlichen Abkühlung undZusammenziehung der äußeren Schichten des Gesteins springen diese ab. Der Reisendehört dann deutlich im Lager den Donner der abgesprengten Felsen, wie in einem Stein-bruche und wenn er sich die Mühe gibt, die einzelnen Stücke wieder zusammenzusetzen,so sieht er, daß ihre Bruchstücke genau an einander passen.

Charade.

Zweisilbig ist das erste Wort,

Und dieses nennt die Millionen,

Die frei nud gleich, die immerfortBevölkern jene Regionen,

Die finster, wie nicht leicht ein Ort,Und so uns nennt das zweite Wort.Sind beide Wörter ungetrennt,

So zählen sie der Silben vier,

Und bilden sie ein Wort, das nenntBald einen Menschen, bald ein Thier.

Druck, Derlag und Redaktion des Uteaarischeu Instituts von vk. M. Huttler.