Ausgabe 
28 (1.3.1868) 9
 
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Der blinde Fönia.

Ein Sängergruß aus Altbahern

am 18. Februar 1868.

Ein Wunder ist geschehen,

So selten Wunder sind;

Die blinden Könige sehen,

Die sehenden sind blind.

In Deutschlands GartenbeetenManch' edle Blume blüht:

Was Sehende zertreten,

Der blinde König sieht.

Er sieht in diesen TagenKlar seines Volks Gemüth,Sieht tausend Herzen schlagen.Die ganz für ihn erglüht

In dieser Zeiten Jammer,

Wo Alles wankt und bricht,

Die schönsteSilberkammer"Wohl unter'm Sonnenlicht.

Er sieht des Volkes Liebe,

Die Sehende nicht sehn;

Wenn ihm sonst nichts verbliebe,Die wird ihm nie vergeh'«.

Er sieht die deutsche Treue,

Die Sehenden nichts werth,

An seinem Volk aufs Neue,Aufs Glänzendste bewährt.

Er sieht, erprobt im Werke,

Ein jetzt gar selt'nes Kraut:

Er sieht Charakterstärke,

Auf die man Throne baut.

Nicht feile Seelen schleichenHinab jetzt gegen Wien ,

Nein, Männer fest wie EichenZum blinden König zieh'u.

Zwar solche Eichen ständenIn Deutschland viel umher:Wenn sich nur Blinde fänden,Die sähen so, wie er!

Er sah sein Land zwar raubenIm ungerechten Krieg:

Er sieht im festen GlaubenAuch seiner Sache Sieg.

Sein Recht ist ja verflochtenMit Gottes ewigem Recht:

Wird dieses ausgesochten,

Wird seines auch gerächt.

Mag jetzt Gewalt sich brüstenAls Herrscherin der Welt:

Nicht ewig darf verwüstenSie Deutschlands Gartenfeld.

Der Herr wird auf sich richtenUnd dieses RegimentZerschmettern und vernichten.

Das nur Gewaltthat kennt.

Du blinder König im Osten!

Jetzt triumphirt Gewalt;

Doch Liebe wird nicht rosten,

Die ein Jahrtausend alt.

Die Liebe weiß zu tragenStill und mit Mannesmuth,

Bis sie empor darf schlagenIn Heller Flammengluth.

Sie hat in alten ZeitenSich treu bewährt und groß,

Sie wird auch Dich geleitenZurück zum Ahnenschloß.

Die Liebe weiß zu wartenMit ungebroch'ner Kraft,

Bis Gott erscheint im GartenUnd wieder Ordnung schafft.

Dann blüht Deutschland aufs Neu«Zum Segen wird der Fluch,

Und von der deutschen TreueGilt neu der alte Spruch.

Im Osten ist erklungenDes Hochrufs voller Schall'

Im Westen ward gesungenDieß Lied als Wiederhol!.

Nimm aus dem treuefestenLiebwertben Bayerland,

Fürst! diesen Gruß, den besten.

Den ich im Herzen fand!

-rr-r.