Ausgabe 
28 (1.3.1868) 9
 
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Timm Thode

Die Schauerthat in Groß-Campen, die dem Namen Timm Thode in der Criminal-Geschichte zu einer entsetzlichen Berühmtheit verholfen hat, kam am 31. vor. Mts. vordem Schwurgericht in Jtzehoe zum gerichtlichen Abschluß. Timm Thode, der imJahre 1866 an einem Tag seinen Vater, seine Mutter, seine vier Brüder, seineSchwester und ein Dienstmädchen erschlagen und dann um das Verbrechen zu ver-hüllen das elterliche Haus angezündet hatte, ist erst 23 Jahre alt, und macht denEindruck eines Bauers, wie man sie in den holsteinischen Marschen häufiger antrifft. Ersieht sehr wohl aus. Der untere Theil des Gesichts springt etwas hervor, die Lippensind wülstig aufgeworfen, die Augen spotten in ihrem glitzernden Leuchten, wenn er sicheinmal dem Znschauerraum zuwendet, der classischen äußern Unbefangenheit, welche er anden Tag legt. Den Hergang des Verbrechens erzählt Timm Thode selbst, ohne dabeidie geringste Erregtheit zu verrathen, folgendermaßen: Er habe mit seinen BrüdernJohann, Martin und Cornils auf unfreundlichem Fuße gestanden; auch das Verhältnißmit seinem Vater sei nicht günstig gewesen. Mit den Uebrigen, meinte er, wär' eSgegangen." Im Frühjahr 1866 faßte er den Entschluß, seine Familie zu todten, umdem fortwährenden Streit ein Ende zu machen; dann den Hof, welcher ihm nach demTode seiner Angehörigen zufallen würde, zu verkaufen, und somit in alleinigen Besitzeines bedeutenden Vermögens zu gelangen. Am 6. August hatte er schon eine fünf Fußlange Handspeiche bereit gelegt, um die Brüder zu erschlagen.Een bi een woll ick sein dc Schün locken, um se denn en na enander dodtslagen!" sagte er. Diese Absichtwurde nicht ausgeführt, da es ihm nicht gelingt, den Plan in gedachter Weise zu voll-bringen. Am Dienstag den 7. August fuhren die Eltern aus dem Hause, um einenBesuch bei Bekannten abzustatten. Timm Thode weiß es zu veranlassen, seinen mit derArbeit beschäftigten Brüdern Martin, Cornils und Reimers einzeln nachzugehen, underschlägt dann hinterrücks mit der fünf Fuß langen, am untern Ende dickenHandspake"die Brüder nach einander. Martin fällt zuerst unter des Bruders mörderischer Hand,dann Reimer und Cornils. Den Johann schlägt er über den Kopf. Dieser taumelthin und her, und ruft den Bruder an. Der Mörder schwingt auf's Neue die Hand-speiche, und schlägt ihn dann todt. Nun mußte der Vater, welcher inzwischen mit derMutter heimgekommen war, beseitigt werden. Timm weiß ihn durch die Aussage, dieOchsen seien ausgebrochen, zu veranlassen, vor die Hausthür zu treten, undlinks" vorder Hofstelle erschlägt er ihn. In einer Karre bringt er den Leichnam des Vaters nachHause, und vertilgt die etwaigen Blutspurcn durch Ausgrabung der Erde, welche er mitauf die Karre wirft. Zwei wachsame Hunde sind auf dem Hofe des Joh. Thode. Diesekönnten dem Mörder gefährlich werden; deßhalb muß er dieselben beseitigen. Die Hundesind ihm zugethan. Er lockt sie an sich heran, schlingt einen Strick um den Hals desersten und hängt diesen auf. Darauf ruft er den andern Hund. Das Thier folgt demRufe. Mit seinem Rasiermesser sucht er demselben den Hals abzuschneiden. Es gelingtihm nicht ganz, und heulend enteilt der Hund den Händen des Mörders. Die Muttererscheint mit brennendem Licht an der Thür, und fragt nach der Ursache des Lärmens.Es ist nichts," behauptete Timm. Nun erfolgt die Erzählung des entsetzlichen Kampfesin der kleinen Stube zwischen Schwester und Bruder. Von einem Schlag der Axt be-täubt, liegt die Mutter auf dem Boden. Die Schwester springt aus dem Bett, um dieMutter zu retten. Mit einem Messer sticht er auf die Schwester los, und schlägt siedann mit der Axt todt. Die Muttergünste" noch; er erschlägt auch diese. Endlicheilt er in die Mädchenkammer, fühlt im Finstern nach dem Kopfende des Bettes, schlägtmit der Axt zweimal zu, ünd der letzte Mord ist geschehen. Lautlos stirbt das Mädchen.Da har ick se all todt!" sind seine eigenen Worte. Dann steckt er die Scheune inBrand, um die That zu verdecken, und legt die Leichname sb, daß dieselben beim Aus-bruch der Feuersbrunst zerstört werden mußten. Hierauf legt er sich so lang abwartend