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fachen Druck an einer Feder regulirt. Zur Verdeckung der verschiedenen Schrauben trägtdie Figur einen Tornister mit gerolltem Mantel; das schwarze Haar und der schwarzeSchnurrbart kontrastiren unmuthig mit dem Gesicht „wie Milch und Blut;" der au-Blechplatten zusammengesetzte „Kalabreser" dient zugleich — wie ja bei vielen anderenMenschen auch — als Rauchfang. Der Dampfmensch kostet bis 2000 Dollars. —Herr Deddrick hofft aber in nicht ferner Zeit ein brauchbares Exemplar, für das aufein Jahr garantirt wird, für 300 Dollars herstellen zu können. Fällt dieser erste Ver-such befriedigend aus, so wird der erfindungsreiche Meister sich an die Construktion eineswirklichen, nicht blos figürlichen „Dampfrosses" machen, das die Arbeiten von zwölf ge-wöhnlichen Pferden verrichten wird.
Ueber die Spinne«
Ein aufmerksamer Blick in das Treiben der mannigfaltigen Kerbthierwelt lehrt so-gleich, daß die Spinne den nützlichsten Geschöpfen angehört. Hier hat eine solche ihr Netzausgearbeitet—und bestrickt soeben ein gefangenes, zappelndes Wesen, dort stürzt sich eineandere mörderisch auf ein anderes Thier, und wohin wir die Spinnen verfolgen—über-all tödten und verzehren sie lebende Geschöpfe. Keineswegs aber dürfen wir sie deshalbhasten und verfolgen — denn alle diese vielen, ganz kleinen nnd kleinsten Wesen, die denSpinnen zur Beute fallen, sie sind fast sämmtlich für den Haushalt der Natur, oder auchfür den Menschen unmittelbar schädlich.
Während wir, in diese Betrachtungen versunken, dem künstlichen Weben einer großen
Spinne zuschauen-langt plötzlich der alte Nachbar aus dem Nebcnhause um die Ecke,
ergreift das dicke Thier, streicht es auf das Butterbrot» und verzehrt es — wohl bekomm'-ihm! Es gibt recht viele Menschen, die Spinnen zum Butterbrod für sehr schmackhafthalten. Andere suchen auf frische Wunden reine Spinnennetze und wollen danach augen-blickliche Linderung des Schmerzes fühlen. Und noch andere sammeln die Spinnen als leckeresFutter ihrer Lieblinge, der Stubenvögcl auch wohl zur Heilung derselben,wenn sie erkranktsind, sowie auch für kranke Hühner. Ein Franzose, Le Blond, hat die großen Kreuzspinnensogar noch in umfassender Weise in den menschlichen Nutzen zu ziehen versucht, indem erin einem besonderen Zimmer deren viele Hunderte hielt, fütterte und aus ihren Gcspinn-sten sogar ein Paar Strümpfe und ein Paar Handschuhe für Ludwig XIV. machen ließ.Dergleichen Versuche sind später noch unzählige angestellt worden, haben indeß zu keinembcachtcnswchrtcn Ergebniß geführt.
Wie wir gesehen, sind die Spinnen ja aber auch außerdem, durch ihre mittelbare Thätig-keit, für uns von großer Wichtigkeit. Es gibt bei uns in Deutschland eine große Anzahlverschiedener Arten, deren nähere Betrachtung uns zu weit führen würde; wir müssen siedaher im Allgemeinen überblicken. Die meisten von ihnen bewohnen selbstgewcbte Netze,deren Fäden aus sechs bis neun, am Hintcrleibe befindlichen Oeffnungcn flüssig hervortreten,und von dem Thiere zu einem Ganzen vereinigt werden. Dies ist indessen noch nicht wunderbargenug, denn jeder dieser neun Fäden ist aus tausend Fädchen zusammengesetzt und docherreichen erst Neunzig dieser neunmal tausendfachen Fädchen die Dicke eines Fadens derSeidenraupe und ihrer Achtzchntausend erst die eines Mcnschenhaarcs.
Andere Spinnen haben keine Netze, sondern erhäschen ihre Beute im Sprunge. AlleArten aber spinnen ihre Eier in kugelförmige Behälter und einige von ihnen tragen dieselbenstets mit sich herum. Die Jungen kriechen oft im Herbst, meistens aber im Frühjahr auSund sorgen sogleich für sich selber. Den Winter bringen die Spinnen in Löchern undVerstecken zu und können mehrere Jahre alt werden.
Die größte und schönste unserer deutschen Spinnen ist die bereits erwähnte Kreuzspinne,die in den Wäldern gewaltige Netze von einem Baum zum andern zieht. Am merkwürdig-sten muß uns jedoch die Wasserspinne erscheinen. Sie läuft nämlich für gewöhnlich auf dem