Ausgabe 
28 (1.3.1868) 9
 
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Wasserspiegel umher, taucht aber auch hinab in die Fluth, und webt sich hier an den Wasser-pflanzen ein Häuschen von der Größe einer starken Haselnuß. In dasselbe trägt sie sodannvon der Oberfläche herab, ein Luftbläschen nach dein andern, bis sie das g anze Gewölbemit Luft gefüllt hat und nun mit ihrer Brüt behaglich im Trocknen sitzt, wo sie dannauch überwintert.

Einige Leute halten die Spinnen für giftig, dies ist jedoch keineswegs der Fall, undebenso hat der Biß aller unserer einheimischen auch durchaus keine nachteiligen Folgen.Der Biß der in Italien einheimischen über einen Zoll lang werdenden Tarantel bringtdagegen eine Geschwulst hervor. Der sonderbare Glaube desTarantelstichs, "

dessen schrekliche Folgen nur durch einen Tanz (die Tarantella) geheilt werden können-

ist nichts als müssige Erfindung.

Die größte und .furchtbarste von allen ist.die Vogclspinne, welche über drei Zoll langwird, in Erdlöchcrn und Baumritzcn lebt und von Kerbthieren aller Art und selbst kleinenVögeln sich ernährt. Eine solche Spinne war einst mit einer Ladung Kampecheholz ausihrem Vaterland Brasilien in einem Schiffe nach Stettin gekommen, wo sie einige Zeitmit jungen Vögeln gefüttert und am Leben erhalten wurde.

Alle Spinnen können ungemcin lange hungern, worauf sie bei ihrer wartenden Lebensartauch angewiesen sind. So nützlich sie dem Naturfreunde auch im Freien erscheinen müssen,so widerwärtig sind sie der Hausfrau, die mit dem Staubbesen einen unablässigen Krieggegen sie und ihre Gespinnste führt.

Liebhaber dagegen wissen sich viel mit ihnen zu beschäftigen, sie so zu zähmen, daßsie auf ihren Ruf herbeikommen, und Andere locken sie sogar durch Musik heran, vonder die Spinnen große Freunde sein sollen.

Daß Napoleon I. einst durch eine Spinne vom Tode gerettet wurde, indem dieselbein seine vergiftete Chokolade siel, ist den Lesern wohl bekannt.

(Pferdefleisch.) In eines der besuchtesten Bierlokale am Alexanderplatz in Berlin kam am Dienstag ein alter Herr und verlangte ein Beefsteak. Als ihm dasselbe gebrachtwurde, besah und beroch er es erst von allen Seiten, wobei er gar bedenkliche Miene machte.Ein zweiter Herr an demselben Tische, der eine Zeitlang demAlten" zugesehen, sagte jetzt:Da sind Sie schön hineingefallen. Das ist ja Pferdefleisch." Mit Abscheu schob der alteHerr den Teller von sich und verlangte Butter und Käse.Bin wirklich neugierig, wiedas Pferdefleisch schmecken mag", sagte der zweite Herr nach einer kleinen Pause,Siejerlaubenwohl."Sehr gern." Hierauf band sich jener die Serviette um, griff nach Mefferund Gabel, nach Mostrich und vertilgte das ganze Beefsteak. Mit halbem Entsetzen sah deralte Herr dem Esser zu und fragte dann endlich:Aber wiedersieht Ihnen das nicht?"Nein", sagte Nummer Zwei, sich den Mund abwischend,ich habe mich nämlich geirrt, eswar doch Rinder-Filet und zwar vom allerfeinsten. Es hak mir vortrefflich geschmeckt."Wie kommen Sie aber dazu, mir den Appetit zu verderben? Wer sind Sie denn?Ichbin Jemand, der es nicht verschmäht, ein gutes Beefsteak von Rinder-Filet zu essen, dessenKasse aber dagegen Einspruch thut." -- Das verblüffte Gesicht des alten Herrn entzieht sichllcr Beschreibung. _

(Amerikanische Diebe.) Ein Mitglied der Firma A. und C. Kaufmann in New-Pork begab sich nach dem Zollhause. Während sich Herr Kaufmann daselbst besand, wardihm ein Portemonnaie aus der Tasche gestohlen, welches jedoch nur zwei Postmarken enthielt.Zu seiner nicht geringen lleberrajchung erhielt nun der Bestohlcne vorgestern das leere Porte-monnaie zurück, und zwar mit einem Schreiben begleitet, wovon das Folgende eine wörtlicheUebersetzung ist:Mein Herr! Es^hat mir viel Mühe gemacht, Ihren Namen und IhreAdresse auszumitteln. Ich möchte esie ersuchen, künftig etwas mehr Geld in der Tasche zutragen als gestern, weil sonst mein Geschäft rninirt wäre. Für einen Gentleman von IhrerStellung und Ihren Mitteln ist's doch wahrhaftig eine Schande, mit einem nur zwei Post-Marken enthaltenden Portemonnaie in der Tasche auszugehen. Wenn ich wieder Gelegenheithabe, Ihre Tasche zu leeren, hoffe ich wenigstens einige größere Bills zu finden; andern-falls müßte ich Sie einem gewandten Einbrecher zur Berücksichtigung empfehlen. Ihr nichtsehr dankbarer Taschendieb. l>. 8. Die zwei Post-Marken habe ich dem Jungen für Ueber-Mittelung dieses Briefes gegeben."

Druck, »«lau und Redaktion der lit»»ritchrn Instituts von vi. M. Hunln.