Ausgabe 
28 (8.3.1868) 10
 
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Des Todes Schmerz liegt in der Vorstellung.

Der arme Käfer, den dein Fuß zertritt,

Fühlt körperlich ein Leiden, ganz so groß,

Als wenn ein Riese stirbt.

Shakespeare , Maaß sür Maaß A. !N. 1.

König Ludwig I. 'i'

Wie hätten wir dich, schöner Tag, begrüßtMit tausend Freuden, tausend Dankesthränen,

Der uns der Botschaft frohen Inhalt brachteDaß Er uns wiederum erhalten ist.

An dessen fernes Siechbett unser SehnenDie heißen Wünsche der Genesung trugUnd Der dem Land noch Seine Grüße sandte,Als für Ihn schon die Scheidestunde schlugUnd Ihm kein Stern des süßen Hosfens lachte.Der Königsgreis am fernen Meeresstrande.

Ludwig todt! Es ist das Loos gefallen.

Ludwig todt!" so schallts von Mund zu Munde.Und ach in tiefes Leid versunken

In schlichter Hütte, in PalasteshalleuFühlt jedes Herz den Schlag der Trauerkunde.Ludwig todt" so tönt's durch's ganze Land,Ja durch die Hemisphäre eilt der RufEin Königsherz gebrochen, todt die Hand,

Die, bis verglomm des Lebens letzter Funken,

Hier Gutes that und dort Erhabnes schuf."

Uns grüßet schon des Frühlings holder Bote,

Weckt die Natur aus ihrem WinterschlafUnd neues Leben keimt im Weltenall;

Ihm ward sein Gruß der finst're TvdesboteDer Ihn begrüßend, unsre Herzen traf;

Doch zog Er auch nach jenen lichten Höh'n,Ludwig lebt doch ewig bei den Seinen.

Ich seh' die Kunst am Sarkophage steh'nUnd, ob des Schlages, der sie beide traf,

Sie mit der Armuth, schmerzlich Ihn beweinen.