Ausgabe 
28 (15.3.1868) 11
 
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Fährt von neun Knoten. Der zunehmende Wind, der mit seinen ersten Stößen Fußfaßte, hatte auf der Schebeke viel zu thun gegeben und Niemand hatte in den erstenMomenten seine Aufmerksamkeit auf die Prise gerichtet. Neues Leben war dagegen aufder Brigg in die Mannschaft gekommen; jeder arbeitete nach Leibeskräften, begeistertdurch die Idee der unfehlbaren Rettung. Wullier stand am Hullertheil und lugte nachder Schebeke aus, von der kein Schatten mehr zu sehen war, als plötzlich ein Blitz dieGegend beleuchtete, in der sie stehen mußte und gleich darauf der Donner eines Kano-nenschusses ertönte.

Man salutirt," sagte Wullier lächelnd,sollen wir danken, Kapitän?" und einallgemeines Gelächter bemeistertc sich der umstehenden Mannschaft.

Spottet nicht," meinte dieser,noch sind wir nicht im Hafen. Glaubt Ihr wirk-lich, Wullier, daß nichts mehr zu fürchten sei?"

Wenn sich die Schebeke in eine Seemöve verwandelte," erwiderte Wullier,so holtsie dennoch die Aretusa nicht mehr ein/'

Die Laterne war herabgenommcn, der Steuermann wieder an sein Ruder getreten,obwohl zuweilen seine Blicke von der Wiederkehr abschweiften und er sich auf die Fuß-spitzen stellte, um rückwärts zu schauen. Wullier bestieg in seinen Mantel gehüllt wiederruhig die Treppe des Hinterdeckes.

Wollen Sie schlafen gehen, Kapitän?" fragte Wullier endlich,es muß baldMitternacht sein und hier gibl's nichts mehr zu thun."

Ich danke Euch, lieber Wullier, ich bin zu bewegt, als daß ich schlafetz könnte,ich bleibe bei Euch über Deck, um noch eiii wenig zu plaudern."

Nun, so schicken wir wenigstens die Mannschaft in die Hängematten, damit sieein wenig ausruhen nach all' der Arbeit."

Der halben Mannschaft wurde gestattet, unter Deck zur Ruhe zu gehen; alleinKeiner benutzte die Erlaubniß. Alles wollre Wullier nahe bleiben, der seiner stillenGemüthsart zufolge schwieg und sich wenig um die Aufmerksamkeit und Liebe der Mann-schaft bekümmerte.

So graute der nächste Morgen; alle aufgeregten pochenden Herzen waren ruhiggeworden; nur der Steuermann traute dem Glück noch immer nicht, und wandte sichoft zurück, um sich zu überzeugen, ob der Pirate verschwunden sei. Der Nebel zertheiltesich mit dem dämmernden Tage, der Mont Lavola von Rhvdus schimmerte am Hori-zonte als Vorbote des nahen Hafens. Wenige Stunden darauf lag die Brigg nächstdem Thore de Cavalieri vor Anker und der Kapitän stieg in sein Boot, um die Mel-dung des Vorfalles am Bord des österreichischen Kriegsschiffes zu machen, dessen Flaggeihm zugleich Schutz zur weiteren Reise gewähren konnte.

Nun," sagte der Steuermann, als der Anker geworfen war, und er seinen Postenverlosten durfte, zu den umstehenden Matrosen,es ist doch ein angenehmes Gefühl,durch Muth und Geistesgegenwart der Netter eines Schiffes zu sein. Wenn ich nichtan Bvrd gewesen wäre," fügte er hinzu und schlug mit der flachen Hand auf seineBrust,wie stünde es jetzt mit Tuch, Ihr armen Schlucker!"

(Der Mohr der Königin.) Einst fuhr die Königin Thcrese mit großemGefolge nach Starnbcrg und nahm auf derPost" Quartier. Der Posthalterin machtees Sorgen, die vielen Leute nach Rang und Klaffe zu beherbergen, und kaum glaubtesie fertig zu sein, siel ihr ein, dem Mohr noch kein Zimmer angewiesen zu haben, undin Ermanglung dieses sollte die HauSmagd ihr Bett und Zimmer für diesen Abend demMohren überlasten. Kaum wurde Letzterer dieß bedeutet, rief sie empört über diesesAnsinnen:Vor drei Tagen habe ich erst frisch überzogen, und jetzt soll ich den rußigenKerl hinein legen lasten?!" Diese naive Weigerung kam zu Ohren der Königin, dieherzlich lachen mußte, die Magd rufen ließ und sie mit einem Ducaten beschenkte. 2.