Ausgabe 
28 (15.3.1868) 11
 
Einzelbild herunterladen

87

Zwei Heimfahrten.

(An den große» Todten von E. F. Sturm, Professor in Nizza . AnS der A. Z.)

I.

Ins schöne Land, wo die Orangen glühen,

Zog Dich. den Jüngling, einst ein hehreS Streben.

Wo Goethe durchdrang zu dem vollren Leben,

Entflohn der engen Heimalh Sorg' und Mühen,

Da sollt' auch Dir ein schönres Sein erblühen,

Da lerntest Du der Kunst geheimes Weben <

Und schwurst:Ich will das heil'ge Banner beben,

Zum Schönen will auch ich mein Volk erziehen I"

Und heimgekehrt hast Du den Schwur gehalten!

Der Maler schafft unsterbliche Gestalten,

Es heben sich die stolzen Tempelhallen,

Darin der Schönheit Jünger jubelnd wallen;

Es fließt der Dichtkunst ewig klarer Bronnen:

Ein ganzes Volk hast Du der Kunst gewonnen!

II.

Und wieder kehrst Du heim vom wälschen Lande,

Wo hoch die Lorbeer» und Cypresscn ragen, iDoch, ach! das Herz das einst so hoch geschlagen,

Es brach, es fiel dem grimmen Tod zum Pfande;

Und Dir entgegen von dem JsarstraudeVernimmt man Weinen uur und dumpfes Klagen,

Der Künste Banner, einst so hoch getragen,

Es geht gesenkt, mit schwarzem Trauerbande.

Doch sürchte nicht! Die Saat die Du gestreuet,

Sie keimet mächtig fort durch alle Zeiten:

Die Musen, denen Du Dein Volk geweihet,

Sie werden es zum hohen Ziel geleiten.

Solange deutsche Kunst und Ehre glänzet,

Wird auch Dein Bild, o Wittelsbach, bekränzet!

(Von König Ludwigs Leutseligkeit.) Vor ungefähr 20 Jahren reisteKönig Ludwig l. in Begleitung des königlichen Prinzen Adalbert von München nachBcrchtesgaden über Wasserburg, wo während des Pferdcwechsels der Stadtmagistrat seineBegrüßung machte. König Ludwig war sehr guter Laune, sprach aus dem Wagen mitjedem Einzelnen auf die herablassendste Weise. Als er aber den wohlbeleibten BrauerAndre Ponschab bemerkte, richtete er sogleich die Frage an ihn:Wie viel Mäßl10 bis 12, 10 bis 12!" Als Ponschab antwortete:Majestät, ich halte mehrauf das Essen," rcplicirte König Ludwig :Ja, ja, 12 Mäßl!" Nahe am Wagen-schlag stand Chirurg Hvlzner in Landwehr-Uniform als Hauptmann; diesen frug derKönig:Waren Sie schon bei'm Militär, weil Sie so eine gerade Haltung haben?"Nein, Majestät!"Was führen Sie für ein Gewerb?"Ich bin Chirurg."Ah, das ist gut, da können Sie die Wunden, die Sie mit Ihrem Schwert hauen,sogleich wieder heilen!" Inzwischen war die Umspannung vollendet und der Königharrte etwas ungeduldig aus seinen Gefährten, den Prinzen Adalbert, der sich im Gast-zimmer gut zu unterhalten schien. Endlich kam dieser und entschuldigte sich bei seinemBarer über sein zu langes Verbleiben, worauf ihn der König frug: »Hast Du Weingetrunken?"Nein, Bier, Papa!" 2.