Ausgabe 
28 (3.5.1868) 18
 
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(Eine singende Maus.) Von einer solchen gibt Professor K. Th. Liebe imzoologischen Garten" Nachricht.Ich habe jetzt", schreibt er dem Blatte, 8 Tage lang einesingende Maus" im Käfig auf meinem Zimmer beobachtet. Es ist eine ganz gewöhnlichejunge Hausmaus. Ihr Gesang hat mit der gewöhnlichen Stimme der Mäuse nichts gemein,sondern ist theils den hohen Trillern der Lerche, theils den gezogenen Flötentönen der Spros-er, theils den tiefen Trillern (Wassertriller) der Cauarienvögel zu vergleiche», zeichnet sich durchschöne Cadenzen aus und umfaßt zwei Octavcn. Derselbe entsteht einfach dadurch, daß dieLuftröhre durch ein Band oder eine Membran verengt ist, Io daß das Thier beim Athmen,und zwar sowohl beim Ein- wie beim Ausathmen, pfeift. Daher fingt es um so schöner undist der Gesang um so mannigfaltiger, je erregter das Thier ist; in der Todesangst (wenn eineKatze hinter ihm her ist) ertönt es am lautesten. Das Thier singt beim Fressen, beimPutzen rc. Wenn es ruht, hört man nur ein schnüffelndes Athmnngsgeräusch. Uebrigensglaube ich aber, nachdem ich die Maus tagelang beobachtet, daß der Gesang, namentlich diemehr zwitschernde Art des Singens, nicht rein unfreiwillig, sondern freiwillig modulirt undmodificirt ist. Die Maus muß singen, aber sie kann, wenn sie sich behaglich fühlt, ihren Ge-sang ein wenig nach ihrem Geschmack abändern. Sobald sie stirbt, will ich mit dem Messerder Erscheinung nachgehen. Für jetzt-ist freilich die Aussicht auf ein baldiges Ende sehr schwach,denn das Thierchcn ist gesund und munter, obgleich es schon seit einem Vierteljahr in Ge-fangenschaft gehalten ist".

(Eine gräßliche Blutrache.) Jn Dubuque am Mississippi hält sich ein junger MannNamens Georg Porter auf, dessen Eltern, Brüder, Schwestern und Verwandte, sämmtlich indem großen Indianer-Gemetzel vom Jahre 1861 im nördlichen Theile des Staates Minnesotaermordet wurden. Er ist also der einzige Ueberlebende, er war allein übrig geblieben, umdamals diese schreckliche Nachricht zur nächsten Niederlassung zu tragen- In einer kurzenStunde hatte er Alle verloren, welche er auf Erden liebte, und fortwährend vor Augen dasBild jenes gräßlichen Blutbades, dem er selbst nur durch ein Wunder entronnen, schwur erfeierlich, sich zn rächen. Der Leser mag urtheilen, wie gut er seinen Schwur erfüllt hat,wenn wir heute melden, daß der junge Porter während sechs Jahren, ganz allein, nur unterdem Beistande seiner treuen Büchse, die Seelen von 108 Indianern in die glücklichen Jagd-gründe ihres Jenseits geschickt hat. Erträgt ein 12 Zoll langes Stück Rohr bei sich, in welcheser jedesmal einen Kerb hineinschneiden wollte, wenn es ihm gelang, einen Indianer zu tödte».108 solcher Einschnitte können nun in seinem Rohr nachgezählt werden, der letzte wurde amWeihuachtsfeste des Jahres 1866 geschnitten. Bei Nacht und bei Tag, durch Wald undDickicht, über Gebirge und Prairien folgte er seinen Opfern; aber aus allen diesen gefähr-lichen Scenen ist Porter natürlich nicht unverletzt hervorgegangen, denn sein Körper istmit 11 Streifschüssen und 33 Messerwundeu gekennzeichnet, ohne jedoch all diesen Gefahrenerlegen zu sein. Wahrlich seine Eltern und Verwandten sind furchtbar gerächt!

Charade

(.Dreisilbig. >

Den Fragewörtern angehörtDaS Wörtlein stehend oben an.

Schließt diesem sich das Wort noch an.

Das nennt, was rettet, ziert und ehrt,

Wenn droh'n Gefahren, einem Mann,

Dann sch'n gebildet wir das Ganze,

Ein Wort, so Name einer Pflanze,

Die allenthalben wohl gedeiht,

Doch stets nur würzt mit Bitterkeit.

Auflösung der Charade in Nr. 16

Bildersturm."

Druck, Verlas und Redaktion des literarischen Instituts von Dr. M. Huitler.