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einen Hand das goldene Siegel und Uhrgehänge des einen Bittstellers und sprach mitten-drein: „Schwer! schwer!" Dann Plötzlich den Nebenmann beim Rock fassend: »Wieviel kostet dieses Tuch?" — „Sieben Gulden," stotterte der Verlegene. — „Schön!Meines kostet fünf!" erwiderte der König und ließ sie verblüfft stehen.
König Ludwig I. hatte zwar im Allgemeinen ein gutes Gedächtniß fürPersonen, hielt aber doch einen ein Mal gefaßten Irrthum mit Beharrlichkeit fest.So war es in München allgemein bekannt, wie er stets die beiden Naturforscher, dieunter seines königlichen Vaters Regierung Brasilien bereist hatten, Spix und Martius,mit einander verwechselte, und immer Einen für den Andern anredete. Spix starb; derKönig begegnete Martius, und das erste Wort der Begegnung war: „Ah, Spix! wiefreut es mich, daß der . . . Martius todt ist und ich Sie nun doch nicht mehr mit ihmverwechseln kann!" — Als ich, erzählt Förster weiter, in den dreißiger Jahren im neuenKönigsbau im Salon der Königin mit Malereien zu Wieland's Dichtungen beschäftigtwar, zugleich mit Eugen Neureuther , der den Obcron illustrirte, kam der König einesMittags herein, die Arbeiten ;n besichtigen. Neureuther war nicht zugegen; ich mußteden Cicerone machen. Bei dem Gastmahl des Chalifcn von Bagdad fiel ihm der reichgekleidete Großvezier als besonders dick anf. „Sagen Sie Neureuther," sprach er zumir, „der Türke ist zu dick! Ein dicker Türke schickt sich nicht für den Salon derKönigin." Neureuther änderte die Gestalt und gab ihr eine feine Taille. Vergebens!Der Türke war noch immer „viel zu dick!" Neureuther schnürte ihn nun zur Unmög-lichkeit zusammen — Alles umsonst, er blieb „zu dick!" So löschte ihn Neureuther ganzaus. Aber auch das half noch nichts: der Türke war und blieb zu dick für den Salonder Königin, bis ich mir erlaubte, dem gnädigsten Herrn auf s Gerüst zu helfen und ihnvon den: Thatbestand letzter Hand zu überzeuge», womit er sich alsdann vollkommenbefriedigt erklärte.
* (Der König und die Bcrsctzcrin.) Eines Tages ging ein ältlicher .Herrüber den Promcnadeplatz in München und blieb wiederholt, nachdem er eine Strecke mithastigem Schritt zurückgelegt hatte, stehe«, um sich die Häuser anzuschauen. Eine Vcr<setzerin dachte sich, dieser Herr suche das Versatzhaus und bot ihm, indem sie nach demUeberziehcr griff, den er nachlässig am Arme trug, ihre Dienste an. Lächelnd überließihr der Herr das Kleidungsstück zur näheren Untersuchung. „Auf dö! alt Schwart'n dakriag'ns frcili weni oder gar nix'n," meinte sie schließlich und gab das Kleidungsstückmit bedauernder Miene dem Herrn zurück, der sich sichtlich erheitert mit der Bemerkungentfernte, daß er daheim schon einen besseren Ueberziehcr habe Tags darauf kam derHerr desselben Wegs mit dem besseren Rock und die Versctzerin fand denselben ohneBedenken für würdig, in's Versatzhaus zu wandern. Bald kam sie zurück und händigte demHerrn 10 sl. nebst dem Pfandschein ein. Er nahm de« Pfandschein, schenkte aber diezehn blanken Gulden der dienstfertigen Versctzerin und ging schnellen Schrittes davon.Die Alte wußte nicht, wie ihr geschah, und hielt das Geld bedächtig in der Hand, bisihr einige Colleginen die Aufklärung gaben, der „noblige Herr" sei der „Kini" gewesen.— Noch bevor König Ludwig I. die Residenz erreichte, sah er unfern dem eben imNeubau begriffenen Hause des Hofconditors den Hofschneidcr, winkte ihn heftig zu sichheran und hielt ihm deu Pfandschein hin: „Seh'n Sie, seh'n Sie selbst, 10 st. habeich auf Ihren Rock bekommen, mit 80 fl. auf Ihrer Rechnung stehend. Wollen gewißauch ein Haus bauen, wie der Conditor da; hält aber nicht lang, kann nicht halten,wird von Zucker gebaut, von meinem Zucker."