142
übter Hand ergriff er ein Ruder, während Grace schon mit aller ihrer Kraft das ihreüber das Wasser streifen läßt.
Und Gott hat das Liebeswerk des armen Mädchens mit gnädigen Augen angesehen.Während die Mutter weinend auf den Knieen liegt und verzweifelt die Hände ringt,kämpfen Vater und Tochter mit den entfesselten Elementen; er starr und düster wie dasFatnm — sie mit Hellem, lichten Gottvertraucn. Und es gelingt ihnen; neun Lebensind von ihnen gerettet — der Rest von dreiundsechzig — und nach unendlichen, über-menschlichen Anstrengungen bringen sie die Geretteten, die sie fast leblos an den Zackendes Felsens angeklammert gefunden hatten, nach dem sicheren Leuchtthurm zurück. — Amnächsten Tage fing Grace an Blut zu speien.
Ein einziger Bcwunderungsruf ertönte durch ganz England; der Name GraceDarling bekam eine Popularität, wie ihn wohl nie der eines unbekannten Mädchens ge-habt. Man eröffnete eine Subscription, die in wenigen Tagen 750 Pfund Sterlingeintrug. — Die Königin ließ sich das Fischermädchen vorstellen und versprach ihr, stetsfür sie zu sorgen; die Herzogin von Northumberland nahm sie mit sich nach Alnwik undentließ sie mit Geschmeiden überladen. Die Poeten feierten sie in allen Blättern undnach einigen Monaten waren zwei Romane fertig, deren Heldin sie war: Iwroine
ol tlio kürns l^Ianck« und maici c>s tlik; Iulss." — Ja sogar ein Riva!
Barnums bot ihr bedeutende Summen, damit sie sich auf dem Theater zeige; und einigevon jenen tristen Originalen, welche auf der Jagd nach Celebrität sind und deren Eng-land so viele zählt, boten ihr mit ächt englischer Delikateste an . . . sie zu heirathen.
Doch Grace Darling , von Tag zu Tag mehr leidend, zog sich, von dieser Berühmt-heit mehr als unangenehm berührt, täglich mehr in sich selbst zurück, sie schlug alle An-erbietungen aus, um ihre Eltern nicht verlassen zu müssen, sie verließ fast nie mehr ihrenLeuchtthurm, außer des Sonntags, um zur Kirche zu gehen . . . bald unterließ sie auchdies — und am 21 October 1842 schrieb die Königin Victoria in ihr Tagebuch:
„Soeben theilt man mir die mich tief erschütternde Nachricht des Todes der armenGrace Darling mit."
Sie starb an der Schwindsucht in ihrem 26. Jahre; sie ist selbst in England längstvergessen, nur in einigen Matrosenschenken an der Küste findet man noch eine schlechteLithographie, welche das Bildniß der Retterin der Schiffbrüchigen des Forfarshire darstellt.
(Anekdoten über König Ludwig 1.) In einer Serie von Artikeln der„A. Allg. Ztg.", die das Andenken des verstorbenen Königs feiern, finden sich auchfolgende anekdotische Züge: „Beim Congrcßspiel zu Wien hatte Vater Max, wie eshieß, eine Million in die Schanze geschlagen; seine Minister bezogen bei 30,000 fl., jader Minister-Präsident durch Binirung der Aemter bis zu 70,000 fl. Kürz nach seinemRegierungsantritt setzte Ludwig l das Maximum eines Miuistergehalts auf 12,000 fl.fest. Wie staunten die Höflinge, als plötzlich aller überflüssige Luxus abgeschafft, ja nichteinmal die reiche Garderobe des vorigen Herrn unter die Kammerdiener vertheilt, sondernversteigert wurde! Sie hatten unter der alten Herrschaft sich Häuser gebaut, als sieaber dem neuen Fürsten ihre Dienste antrugen, dankte dieser mit den Worten: „Anziehenkann ich mich selbst, und ausziehen will ich mich nicht lasten." Er wollte auch nichtvon fremder Hand barbirt sein, sondern konnte ähnlich wie Kaiser Joseph II. sagen:„Ich barbire den König!" Dasselbe Rasirmesser hielt vierzig Jahre die Schneide. Erbedurfte keiner ausländischen Tücher, sondern alle Bedürfnisse des Hofes sollten im Jn-lande befriedigt, und die einheimische Industrie gehoben werden. Noch mehr haßte erdas Fremde, wenn cS französische Firma trug. Als nämlich einige Hoflieferanten inDeputation bei der neuen Majestät ihr Gesuch um Fortdauer der bisherigen Aufträgemit Klagen über die schwere Zeit im Leichenbitterton vorbrachten, wog der König in der