Ausgabe 
28 (10.5.1868) 19
 
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Herzog Theodo vom Waidwerk zurückgekehrt sei, und daß Mahl und Herberge für ihngerüstet werde.

Der weite viereckige Platz, einst das Forum der Römerstadt, ließ vielfach gewahren,daß ordnende Hände bereits emsig begonnen hatten, ihn von den Trümmern zu befreienund zum Mittelpunkt eines neuen Lebens und Verkehrs zu machen dennoch aberwaren überall hin noch genug Spuren der Zerstörung und jahrhundertlanger Verödungzu erblicken. Noch lagen rings die Bruchstücke eingestürzter Giebelfelder, zerbrocheneSäulen, zerschlagene Capitäle umher, von Strauch und Baum überwachsen und getrennt,und manche Wand, aus dem röthlichen Gestein des nahen Untcrsbergs gefügt, war,mürbe gemacht von Zeit und Wetter, in langen Nissen geborsten und neigte sich dembaldigen Falle entgegen. Im Mittelgrunde des Platzes führten die zerbröckelnden Stufeneiner breiten Marmortreppe in eine ebenfalls ruinenhafte Vorhalle hinauf, deren Säulenmeist abgebrochen umher lagen, zum Theil aber noch in alter unversehrter Schönheitemporstiegen, geschützt durch das Steingebülk der Gesimse und Architraven, das sie zu-gleich überdachte und zusammen hielt. Aus dem Portikus führte die Hauptpforte deseinstigen Temp-ls in einen großen viereckigen, noch vollkommen wohl erhaltenen Raum,der eben deßwegen, durch aufgestellte Feuerpfanncn erhellt, einen wohlthuenden und inMitte der allgemeinen Zerstörung selbst unmuthigen Anblick gewährte. Irgend ein Zu-fall mochte die Decke vor dem Einstürze bewahrt haben und so hatte es nicht vielerMühe bedurft, den Raum zu reinigen und zum Tafelsaal des Herzogs einzurichten.Die Wände, aus künstlichem grünen Stein getäfelt, waren mit breiten Säumen undStreifen von wechselnder Farbe eingefaßt: in der Mitte waren Bilder angebracht, kunst-voll aus bunten Stcinchcn zusammengesetzt, die Arbeiten des Herkules aus der altrömischcnGötterlehre darstellend: der Bilderschmuck zeigte, daß dieß einst die Cella, das innersteHeiligthum des Tempels gewesen, und daß dieser dem genannten Gölte gewidmet war.Ein halb umgestürztes Fußgcstell bezeichnete noch den Ort, wo einst dessen Bildsäulegestanden; sie selber lag unbeachtet in der Ecke, in Trümmern, zu denen sie im Sturzesich selbst zerschmettert und auch weit um sich her die zierlichen Linien und Zeichnungendes eingelegten bunten Steinbodens vernichtet hatte.

Unweit davon stand jetzt eine lange Tafel gerüstet, mit manch' kostbarem und zier-lichem Speise- und Trink-Geräthe bestellt, umgeben von Stühlen, Armsesseln und Sitz-bänken, deren verschiedene Formen verriethen, daß das Bedürfniß des Abends sie vonverschiedenen Orten zusammengeholt hatte. Der Saal war schon ansehnlich gefüllt; dieBegleiter und Iagdgefährten des Herzogs, die bajuarischen Vornehmen, die Langobarden-Edelinge standen und schritten plaudernd hin und her; > ährend in der Ecke die wälschenTonkünstler sich zurecht richteten, mit ihrer Kunst das Mahl zu würzen und den Sinnder Gäste zu erheitern. Verwundert standen die einheimischen Bläser, die sonst mit ihrenHift- und Harst-Hörnern das Vergnügen der Tafelmusik zu besorgen hatten, zur Seite,nicht ohne mißgünstige Geringschätzung die zierlichen Instrumente und deren noch zier-lichere Meister betrachtend. Am Eingang, wo einige stämmige Bajoaren mit Bickel-Haube und Halsberg, Schild und Spieß, Wache hielten, standen die Jagdknechte undFalkner beisammen, diese noch mit ihren verkappten Thieren auf der Schulter, jene dieJagdbeute ordnend, die in buntem Gewirr hinter ihnen lag, bereit, sie zu zeigen unddas Lob der Vögel und Hunde zu empfangen, wenn es dem einen oder andern Gastegefiel, stehen bleibend, dies reiche Erträgniß der Jagd oder die waidgerechte Art zurühmen, wie hier ein Reiher gerade recht am Halse gefaßt oder daß ein Füchslein mitsicherem Bolzen mitten in's Auge getroffen war. Unter ihnen standen auch einigePfannemneistcr und Salzsicder, die, znr Begrüßung des Landesherrn und zum Empfangseiner Befehle aus den Verbergen hereingekommen waren, wo in der Ebene vor demStaufen die reichen Salzquellen aus dem Gestein brachen und der neuen Ansiedelungden Namen gaben.