Ausgabe 
28 (10.5.1868) 19
 
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Herzog Theodo selbst hatte am obern Ende des Saales auf einem Ruhebette Platzgenommen, Pläne und Urkunden prüfend, die neben ihm ausgebreitet lagen. Er warein Greis mit fast ganz kahlem Haupt und vollständig zu Silber gewordenen Barte,der bis zum Gürtel weich und wellig hcrniederhiug, Wangen und Antlitz aber warenfrisch und rosig, wie die eines Jünglings; Haltung, Wort und Gebcrde lebhaft undmarkig gleich der eines rüstigen Mannes. Er mochte wohl bedacht haben, daß das Zielseiner irdischen Laufbahn nicht mehr allzu ferne sein konnte: darum war es seinem Ge-müthe ein frommes Bedürfen gewesen, nach Rom zu pilgern und am Grabe des heiligenSendboten Petrus seiner Andacht zu genügen. Von dieser Romfahrt war er eben zurück-gekehrt und erzählte davon den vor ihm stehenden und ehrerbietig lauschenden Mönchen,deren ernste Mienen ebenso wie ihre dunklen Gewänder sich feierlich abhoben von derbunten Farbenpracht der sie umgebenden lebensvollen Fröhlichkeit. Er erzählte, wie erdie alte herrliche, allgemach aus dem Verfall wieder erstehende Capitolstadt durchwandertund geschaut, wie er Bischof Grcgorius begrüßt, der auf dem päpstlichen Stuhle sitzend,Rom eine zweite Weltherrschaft vorbereitete und schuf. Dann wandte er sich wieder zuden Zeichnungen und Entwürfen zurück und sprach seine Freude aus, wie rasch die neueStadt aus den Ruinen der römischen Juvavia sich erhebe. Er ermunterte und lobte dieMönche und beklagte, daß Chrodbert, ihr Vorsteher und Bischof eben abwesend und anden Rhein gereist sei, neue Arbeiter zu rufen zu dem schweren, aber so herrlichen Werke.Saget ihm, würdige Väter," schloß der Herzog,daß es mir sehr leid thut, daß ichvon hinnen muß, ohne seinen Segen empfangen zu haben mahnet ihn, meiner imGebete zu denken, wenn mein Stündlcin geschlagen haben wird, und gebt ihm dieß Per-gament, das ich ausgefertigt mit meinem herzoglichen Namen und unter Zeugschaft meinerEdelsten als Urkunde, daß ich seinem Kloster und der Kirche, die Ihr erbauen werdetzu Sankt Peters Ehren, die alte Römerstadt Juvavia als Schankung verliehen habe,sammt der Beste und zwei Meilen weit von jedem Ufer der Salzach an» bis zu dergroßen Hagbuche, die mittagwärts im freien Felde steht..."

Dankend schieden die Mönche; am Eingänge waren laute Stimmen, wie im Streitebegriffen, vernehmlich geworden. Fragend näherte sich der Herzog; da drängte der alteCbriembcrt, ihn gewahrend, die Krieger bei Seite, die mit gekreuzten Spießen ihm denEingang verwehren wollten, und trat freimüthig vor ihn hin.Mit Gunst, HerrHerzog," sagte er,ich will zu Euch sagt es diesen ungeschlachten Wächtern, daß sieeinem freien Mann den Zutritt zu seinem Herzog und Fürsten nicht wehren dürfen!"

Das sollen sie auch nicht," erwiderte gütig der Greis,aber der freie Mann wirddem Herzog nicht grollen, wenn er, der Geschäfte entleidet und heute von der Jagd er-müdet, sich auch ein ruhig Stündlcin heischt!"

Ich komm' auch nicht zu Geschäften," sagte der Alte,ich komme nur, Euch zubegrüßen und Euch, weil Ihr doch wieder einmal in unsern Gau gekommen, ein Gast-Geschenk zu bringen... Ich Hause und Hofe nicht weit vom Wildsee, Ihr habt dieSalmlingc, die drinn' wohnen, weiland immer gern auf Eurer Tafel geseh'n und oftaus weiter Entfernung Boten darum geschickt; darum hab' ich Euch in dem Büchleinhier ein paar Richten dieser Fischlcin mitgebracht, die schönsten und frischesten, die nurzu haben waren!"

Schön, mein wackerer Barschalk," entgcgncte der Herzog lächelnd,solches Geschenknehm' ich gerne an hab' ich doch über andern Dingen fast darauf vergessen, daß wirso nahe an den Fclsschlüudcn sind, in denen der Wildsee liegt und denke wohl, wietrefflich immer die feinen Fischlein gemundet. Der Koch soll sie sogleich noch znrechtmachen, daß auch unsere werthen Gäste davon kosten und mir wirst Du gestatten, Alter,daß ich Dir ein Gegengeschenk mache . . . Doch, doch," fuhr er fort, als Chricmbcrteine abweisende und gekränkte Gebcrde machte,Du wirst! Mein Gegengeschenk besteht