Ausgabe 
28 (10.5.1868) 19
 
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darin, daß Du hier bleibst und als mein Gast Deine Gabe mit mir verzehrst ... Istmir's doch ohnehin, als wär' eS heute nicht das erstemal, daß wir uns gegenüber steh'n!"

Sicher nicht!" rief Chriembert in hastiger Freude.Denkt Herzog Diet wirklichnoch daran?"

Freilich wohl je mehr ich Dich betrachte, je bekannter ist mir das männlichtrotzige Angesicht . . . Warst Du nicht dabei, als wir gegen die Avarcn ausgezogen,die in die karuntischen Berge eingedrungen? . . ."

Recht, Herzog," unterbrach ihn der Alte,damals war es! An der Brücke wares über die Drau! Die Avarcn hatten sie abgeworfen, und hatten sich an ihre Katzenvon Pferden angehängt und waren durchgeschwommen! Ich sehe sie noch vor mir diekleinen Gesellen mit den schwarzgelbcn Gesichtern und den schiefgeschlitzten Augen! Sie

meinten, wir könnten ihnen nicht nach wir aber waren nicht faul. . . wir sprangen

ihnen nach in's Wasser, als wär' das Schwimmen unser Leben wie meinen Salmlingcnim Wildsee: trotz ihrer Pfeile und ihrer Kolbcnschlägc kletterten wir an dem Gestadehinauf, fielen sie an und kamen ihnen in den Rücken, und nun war's an uns! Nundrängten wir sie in den wilden Strom, daß sie übereinander fielen wie die Mücken, undwenn Einer davon gekommen ist vor dem Ersaufen, . . . beim Donar, unsere Schuldist's nicht gewesen!"

Es war ein heißer Tag, Alter," erwiderte der Herzog und klopfte ihm lächelndauf die Schulter,aber wir haben Beide redlich unsere Arbeit dabei gethan darumdürfen wir uns auch die Ruhe behagen lasten und die Kühle des Abends!"

An der Thüre entstand abermals ein Aufenthalt und Gcdräng; ein Diener meldete,ein junger Bajoar sei draußen mit eilfertigem Gesuch an den Herzog, und wolle sich

durchaus nicht verzögern lasten.So wollen wir ihn denn noch hören," sagte Thcodo,

vielleicht ist sein Anliegen für ihn drängender, und kann weniger warten als unsereSchüsseln und Becher..."

Der Jüngling ward herbeigeführt es war Markulf.

Dem Vater wie dem Sohne entschlüpfte ein Ausruf der Verwunderung, als sie sounerwartet sich gegenüber standen.Das fügt sich in besonderer Weise," sagte derHerzog, der es wahrgenommen, nachdem er Alles erfahren hatte, . . .mag denn derSohn sein Begehren sagen, ich bin ihm schon im Voraus geneigt, um des Vaters willen!"

Markulf, obwohl Anfangs betroffen, hatte sich bald wieder gefaßt.Mag ich esdoch wohl bekennen, was mich hichcr geführt" sagte er,es ist nichts Unrühmliches!Ich bin es müde, auf der Bärenhaut zu liegen oder hinterm Pfluge herzugehen, ich willhinaus, will auch erproben, daß ich gelernt habe, Schwert und Schild zu führen . . .und Ihr, Herr Herzog, sollt mich in Euren Bann nehmen und mich dahin schicken, woKampf und Fehde ist. . . "

Tollkopf!" unterbrach ihn Chriembert, besten aufwallender Zorn die Anwesenheitdes Fürsten nur wenig zu mäßigen vermochte.Wie erkühnst Du Dich, Haus und Hof,die ich Dir anvertraut, zu verlassen? Meinst Du, ich durchschaue nicht, was Dir soPlötzlich die Kriegslust einflößt und Dich auf Fahrten und Abenteuer hinaus treibt!Thut ihm den Willen nicht, Herzog noch ist er nicht mündig und ist in VatersGewalt! Weist ihn zum Vater zurück er ist toll, um einer Dirne willen!"

Ist es das?" sagte der Herzog, und ließ den milden Blick mit thcilnehmendemWohlgefallen auf dem hübschen Jüngling ruhen.Warum freist Du ihm dann dieDirne nicht, Alter? Gib ihm Dein Gehöft auch ich bin eben daran, Krone undLand unter meine drei Söhne zu theilen. . . Zur Ruh', alter Kriegsgenosse... zurRuh', denn es will Abend werden!"

Er kann sie nicht freien," grollte Chriembert,sie ist eine Hörige, eine Fremdeaus dem Walchendorfe, drüben in der Roms-Au..."

So schlag' sie Dir aus dem Sinne, mein Sohn!" entgegnete der Herzog.Du