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wirst nicht freien, wie Dir nicht geziemt, wirst nicht der ärgern Hand folgen, sondern beiDeinem Vater bleiben und auf Deinem Heim..."
„Er ist ein Tollkopf, sag' ich," rief Chriembert wieder, „aber ich weiß doch wohlein Mittel, das ihn heilt! Schlag' sie Dir aus dem Sinne, Markulf. . . willst Dueine Dirne freien, die nichts von Dir wissen will?"
Markulf's Augen flammten, er wollte auffahren, aber er schwieg vor dem Herzogund zerkaute sich grimmig die Unterlippe.
„Die nichts von Dir wissen will!" wiederholte Chriembert. „Ich sag' es Dir nocheinmal, — ich bringe Dir die LiebeSbotschaft: ich habe selbst den Werber für Dichmachen wollen . . . aber sie blieb dabei, daß Du ihr nicht mehr bist, als jeder andereWaidmann oder Bergfahrer, der zu der Walchen - Atmende zu Rast und Erholungeinspricht..."
„Du wirst Dich fügen, mein Sohn," schloß der Herzog, indem er sich der bereitsmit den Speisen besetzten Tafel zuwendete. „Lerne Geduld — auch für Dich wird einst, ...ich besorge, nur zu bald! ... die Zeit kommen, die Dich zu den Waffen ruft und DirGelegenheit gibt, Herz und Arm zu bewähren, wie sie Dein Vater bewährt hat an derDraubrückc ... bis dahin bleibe bei ihm und übe Sohnes-Pflicht! Du gefällst mir undso lang ich in diesen Bergen weile, sollst Du in meiner Nähe sein. Mein Sohn Diet-walt ist ein leidenschaftlicher Freund des Waidwcrks und möchte gern die Gemse jagenund den Stcinbock, hinten in den Schrofen und Schlünden des Watzmans und der Bergeam Wildsee. . . Wer könnte ihm bester den rechten Stand und die Fährten zeigen undlehren? . . . Bleibe hier. Du sollst sein Führer sein!"
Der Herzog setzte sich; unter den Gästen, nicht fern von ihm erhielt auch Chriembertseinen Platz. Um den Fürsten waren die älteren Männer gereiht; am Ende der Tafelhatte sich die Jugend um die fröhlichen Longobarden geschaart. Die wälschen Künstlerbegannen ihre heiteren Künste zu zeigen.
Markulf war unbeachtet in's Freie geeilt; und an einer Säule lehnend, starrte erfinster und schweigend in die finster schweigende Nacht hinaus, in seinem Herzen rang derGrimm, zum Bleiben und Ausharren gezwungen zu sein, mit dem wüthenden Schmerz,sich von der Geliebten verschmäht zu misten.
Eine weiche Hand legte sich ihm sanft auf die Schulter: wie er auffahrend sich um-wandte, stand die gehcimnißvolle Longobardin hinter ihm. „Was sinnst Du so undgrämst Dich, junger Waidgcscll?" fragte sie, „Dir kann wohl geholfen werden . . ."
Verwundert schaute er die Frauengcstalt, schwankend vernahm er ihr Wort, da sielFackelschein , auf sie und zeigte ihm unter dem Mantel das duukclrothc Gewand, ringsummit Schwanenflaum besetzt.
„Die Walkyre!" rief er schaudernd und entfloh durch die Nacht!
(Fortsetzung folgt.)
Ueber die Lebensdauer verschiedener Stände.
Dr. Escherich ist in seinen „hygienisch-statistischen Studien über die Lebensdauer inverschiedenen Ständen" auf Grund von 15,730 nach den Geburtsjahren registrirten,gleichzeitig lebenden öffentlichen Beamten zu nachstehenden Resultaten gelangt:
1) Greise von 80 Jahren und darüber kommen auf 1085 über 30 Jahre alteprotestantische Geistliche: 2,82 Procent. Die protestantische Geistlichkeit zähltdie meisten Greise unter allen Ständen, mehr als doppelt so viel, als die katholischeGeistlichkeit.
2) Die F o r st b e a m t e n haben die nächstgünstige Verhältnißzahl mit 1,41 Proccntaller ihrer Standesgenosten, welche das 80. Lebensjahr erreichen. Der regelmäßige Aufenthalt