Ausgabe 
28 (31.5.1868) 22
 
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Eine komische Vergiftungsgeschichte ereignete sich dieser Tage auf der Miedenin der Paniglgasse (Wien ). Eine Frau aus dem mittleren Stande wollte den Namenstagihres Gatten in festlicher Weise begehen. Sie kaufte zu dem Zwecke unter Anderen einenschönen theuren Fisch und eiue Ente. Den Fisch briet sie heimlich und stellte ihn abseitsauf's Marmorpflaster der Küche, indem sie zu den Dienstboten sagte, es wäre der Fischdurch und durch mit Arsenik vergiftet, um die Mäuse zu todten, die ihr Unwesen in derKüche treiben. Am kommende» Tage eilte sie früh Morgens fort, um Verschiedenes zubesorgen und hieß Dienstboten und Amme die Ente braten und Herrichten. Alles ginggut, so lange der Duft der gebratenen Ente nicht in die Nase stach. Da aber zupftenund kosteten Dienstbote und Amme so lange, bis die Haut dahin war und mit ihr nochviel Anderes. Dies war nun arg. Der Zorn der Frau war zu befürchten und in ihrerAngst entschlossen sich Beide das Leben zu nehmen. Aber wie! Jetzt kam ihnen einlichter Gedanke, der Fisch! das ist die mindest blutige Art. Sie machten sich also darüberund thaten genug, ihres Lebens gewiß ledig zu werden. Dann legten sie sich in eineEcke und erwarteten ruhig den Tod. Als die Frau nach Hause kam, war in der ganzenWohnung eine Grabesstille. Sie wollte eben rufen, als sie in einem Winkel stöhnenund klagen hörte.Was fehlt Euch?" rief sie den Dienstboten zu und dachte an nichtsweniger als an einen Raubmord.Wir sind vergiftet," stöhnten diese.Wie, was?"Wir haben die Ente halb aufgegessen und da haben wir uns aus Furcht mit demFisch vergiftet." Die Frau schlug die Hände über den Kopf zusammen und die Gesell-schaft bekam Abends statt der beiden Braten diese Erzählung zum Besten.

Ein eigenthümlicher Vorname und seine Entstehungsgeschichte.Kreuzwendedich ist nicht blos ein männlicher Vorname, namentlich der Familie v. Borne,sondern cxistirt auch als weiblicher Vorname. Es lebt heute noch eine Dame aus altade-liger Familie, die diesen Namen trägt, dessen Beilegung nachstehenden Zusammenhanghat. Die Eltern dieser Dame, denen in ihrer Ehe sieben Kinder geschenkt worden waren,hatten sie sämmtliche bald nach der Geburt verloren. Als das achte Kind, ein Mädchen,geboren wurde, so wurde diesem auf Rath einer alten Frau der NameKreuzwende-dich" gegeben. Nicht blos diese, sondern eine nachgeborene Tochter blieben am Lebenund leben heute beide noch in Brieg , und so hatte sich das Kreuz, das der Familie vomSchicksal aufgelegt worden war, gewendet und keine weiteren Opfer aus dieser Familieverlangt.

(Die guten Handlungen.) Lehrer:Seligsohn! Kannst Du mir nenneneine Reiheguter" Handlungen ?" Seligsohn:James Rothschild, AbrahamOppenheim und Comp., Carl Heine ."

Charade.

(Zweisilbig.)

Das Erste oft fast zentnerschwerJust dem, der's trägt am Herzen liegt.

Das Zweite leider häufig sehrDie Menschenkinder täuscht und trügt.

Das Ganze schließlich jener kriegt,

Der lieh zuvor T Gulden her

Vielleicht au einen, der vergnügt

Bald sprach: Nun Herz, was willst du mehr?

Auflösung der Charade in Nr. 20:

Wurmstich."

Druck, »erl-- »»» »,b-Itt»a litn-rtsche» Jujttwt» »«» vr. M. HuMer.