Ausgabe 
28 (7.6.1868) 23
 
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DieOwl" gibt einen interessanten authentischen Bericht über die Hinrichtungeines japanesischen Officiers in Hiogo. Derselbe hatte einen französischen Soldaten,weil er sich geweigert, dem Gefolge des japanesischen Prinzen Bizen aus dem Wege zu gehen,mit seinem Säbel verwundet. Die französischen Behörden forderten Genugthuung und derOfficicr wurde zum Tode verurtheilt. Die Hinrichtung fand in imposanter Weise desAbends zehn Uhr in einem zu diesem Behufe prächtig erleuchteten Göttertempel statt. DerOfficier war ein Edelmann und bekleidete in der Armee des Prinzen Bizen den Rang einesObersten. Der japanesischen Etiquette gemäß durften bei der Hinrichtung nur Officiere, diemit dem Verurtheilten in gleichem militärischen Range standen, gegenwärtig sein. Es wurdenaber auch Ausländer zugelassen und zwar von jeder fremden Lcgation ein Mitglied. Der De-linquent kniete vor einem kleinen runden Tisch, auf welchem das Familienschwert lag, niederund hielt eine lange Rede, in welcher er seine Unschuld auf das Lebhafteste betheuerte uudvorgab, nur in Gemäßheit des japanesischen Gesetzes und der Landessilten gehandelt zu haben,als er den fremden Soldaten wegen dessen ungebührlichen Benehmens gegen die Suite desPrinzen bestrafte. Hierauf wendete er sich nach allen Seiten des Tempels und begann eininbrünstiges Gebet, während welchem die ihn umgebenden Japanesen mit ihrem Gesicht auf denFußboden lagen. Nur die Ausländer blieben ausrecht stehen. Dann erhob sich der Verurtheilte,

^ ergriff das vor ihm liegende Schwert uud stieß es sich mit einem lebhaften Ausrufe halbFreuden-, halb Angstruf iu den Leib, zu gleicher Zeit seinen Hals ausstreckend, um denTod zu beschleunigen, der auch sofort eintrat. In demselben Augenblick trennte ein hinterihm stehender Freund, ebenfalls ein japanesischcr Oberst, mit einem Schlage das Haupt vomRumpfe, welches zu seinen Füßen rollte. Die anwesenden Beamten legten das Haupt aufeinen goldenen Teller und prä,entirten es den Ausländern zur Jnspection, gleichsam die Frageau dieselben richtend,ob sie nunmehr zufrieden gestellt seien."

(Der König der Aale.) Der Engländer John Jackson, der einige Jahre unterden Fidschi -Insulanern lebte, befand sich eine Zeit laug auf der Insel Van na Leon.Er sah sich das interessante Land nach allen Richtungen hin an, wobei er keinen Ausflugmachte, ohne ein Abenteuer zu erleben. Als er einst Aal, fragten ihn die Insulaner,ob in England die Aale auch einen König hätten? Als Jackson dies verneinte, führte mauibn zu einem kleinen Teich, an dessen Mer ein Tempel erbaut war. In dem Wasser sah ereinen ungeheueren Aal mit großem Kopf, wohl so dick wie ein Schenkel und, den Aussagender Eingeborenen zufolge, zwei Klafter lang. Der Aal war einGeist". Um zu sehen, inwelcher Verehrung er der den Insulanern stehe, legte Jackson seine Flinte auf ihn an; sieaber baten ihn inständig, von jeder Beleidigung des Thieres abzustehen, und fütterten esmit gekochten Brodfrüchten. Der Aal war sehr alt und bereits verschiedene Male mit den*Kindern Gefangener gefüttert worden.

Ans den Hütte«.

Der Mond beleuchtet mit bleichem LichtDie rauchgeschwärzten WändeUnd über das bleiche verhärmte GesichtHält die Mutter die mageren Hände.

Und darunter dem matten Aug' entquilltDes Kummers bitt're Zäbrc,

Das Auge der Seele Spiegelbild,

Entsiegelt des Jammers Schwere.

Des Jammers, der in der Armuth KleidUmfängt des Raumes Ocde,

Wo des Winters düstere SchrcckcnszcitDer Freude Spuren verwehte.

Das Weib, es murmelt vor sich hinIn unverständlicher Weise,

Doch klar wird der Worte geheimer Sinn:

Es regt sich im Winkel leise.

Dort schlafen die Kleinen, die Kinder der NothAllvater im Himmel, wo bliebe,

Wenn Du nicht hilfst, für Morgen ihr Brot!'

So b'etct und weinet die Liebe

I. Arend.

Dru<1, Berlaa und Redaktion des lituarischen Instituts von v,. W. Huttier.