Ausgabe 
28 (14.6.1868) 24
 
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aus das wildromantische Altmühlthal so ziemlich übersehen konnte. Um das Jahr 767gründete er die ehemalige Bcncdictincrabtci Solnhofen , von welcher er der erste Abt war.Die umwohnenden Heiden wurden bald auf ihn aufmerksam wegen der Wunder, die erwirkte, und ließen sich von ihm taufen. Nach seinem Tode, 794 am 3. December,wurde die Stiftung beträchtlich erweitert und eine Kirche dazu gebaut, welche BischofAltuin von Eichstärt 819 feierlich einweihte. Die ersten Schirmvögtc (Advokaten) warendie Grafen von Truhcndingen und nach deren Aussterben 1460 die Burggrafen zuNürnberg .

Um das Kloster sammelten sich immer mehr Menschen und bauten sich ihre Häuserdaselbst; so entstand allmählig ein Dorf, welches nach dem Kloster Solnhofen Solenhofcn genannt wurde, und jetzt über 600 Einwohner hat. Als der letzte ProbstWilibald Zelter im Jahre 1534 die Angsburgcr Confession annahm, wurde die Abteialsbald säcularifirt und die Kirche für den Protestantismus eingerichtet.

Der Ort gehörte schon eine Zeit lang der preußischen Krone, 1797 zu Pappenheim und 1804 kam es an Kurbahern, und ist jetzt dem Landgerichte Pappenheim zugetheilt.Der Entdecker des berühmten Schiefers soll eick Knabe sein, welcher die Gcisen des Dorfesauf den Bergen hütete, und zwar zu der Zeit, als die Dcnedictiner daselbst noch waren.Die Steine sind also bereits 400 Jahre bekannt; das Hauptaugenmerk und den jetzigenRuf aber erhielten sie erst durch die Erfindung der Lithographie von Alois Scnnefelderin München . Sie wandern in die fernsten Länder der Erde, so, daß der Name Svln-hofen weit und breit bekannt ist und immer mehr wird. Man fertigt auS ihnen:Grabsteine, Fcnstergesimsc, Tischplatten, Ofensteine, Fußboden- und Dachplatten; letzterebesonders haben einen unermeßlichen Abgang; nur die feinsten werden zur Lithographieverwendet. Der größte Bruch wurde im Jahre 1738 eröffnet, ist aber jetzt ganz aus-gebeutet; dagegen ist die ganze Strecke vom Dorfe Mühlhcim bis unterhalb Eichstätt hinab, eine Länge von 7 bis 8 und einer wechselnden Breite von 1 bis 3 Stunden, mitmehr als hundert neuen, theils größeren, theils kleineren Brüchen besetzt. Die senkrechtabfallenden Schuttwälle gleichen einer großen Festung.

Der große Bruch war früher Gemeinde-Eigenthum und die damals MarkgräflichAnsbachische Regierung vertheilte den Platz an die 64 Gemeinde-Berechtigten bcS Dorfesso, daß jeder eine Breite von 12 Fuß erhielt, innerhalb deren er in die Tiefe und vor-wärts, so weit die Formation sich erstreckte, arbeiten durfte. Eine eigene Bcrgordnnngwurde vorgeschrieben, und ein eigenes Bcrggcricht niedergesetzt. Die Hütten, welche jederBesitzer auf seinen Antheil baute, um die gehobenen Steine zu schleifen und zu bear-beiten, geben dem Bruche ein dorfähnliches Ansehen.

Die Schichten des Schiefers liegen zuerst nach der Höhe des Berges aufsteigend,dann aber vollkommen horizontal; zuletzt fallen sie aber nach der entgegengesetzten Rich-tung ab und lassen das Ende der Formation erkennen. Der Marmorschiefcr ist ent-weder blaßgelb, grau, blau oder weiß gefärbt. Er bricht von der Dicke eines Karten-blattes, bis zu der von 6 bis 8 Zollen. Täglich sind in sämmtlichen Brüchen über3000 Menschen thätig, welche über 1500 Ccutner Steine aller Art formen. Der Absatzwird jetzt ein viel bedeutender werden, da durch die bereits begonnene Eisenbahn der Ver-kehr ein sicherer und wohlfeilerer wird.

Etwas Merkwürdiges sind besonders noch die Versteinerungen. Nach demUrtheile Sachverständiger sind sie von höchst eigenthümlicher Art und meist verschiedenvon denen der andern Gebirgsformationcn Europa's . Wenn man eine umfassendereSammlung so vieler origineller Fossilien, wie sie z B. Herr Gcrichtsarzt Doctor Reden-bacher zu Pappenheim hat, sieht, so läßt sich auf eine höchst auffallende Jsolirtheit dieserjedenfalls zur obersten Juragruppe gehörigen Gebilde, so daß dieselben als der eigen-thümliche Niederschlug eines vereinzelten großen Salzwaffcrbeckens zu betrachten sind,schließen.