wenn sich nicht der Wind erhoben, den Meeresspiegel gekräuselt und hicdurch die Bedingungenfür glückliche Verfolgung erschwert hätte. Diese beiden Haie wurden von den FischernKnochenhai genannt, weil die Knochen noch so weich und knorpelartig sind, daß man miteinem scharfen Messer die Rückenwirbel rein durchschneiden kann; sie waren auf demRücken und an den Seiten dunkelgrau oder schieferfarben, am Bauche aber wie gewöhnlichweiß. Die auffallendste Eigenthümlichkeit aber, welche ich niemals zuvor an einem Haibemerkt hatte, war, daß der Hintere Theil des Körpers sich nicht wie gewöhnlich raschverjüngte, sondern sich mehr in die Breite ausdehnte, dagegen an Dicke verhältnißmäßigabnahm. Der Schwanz war einen vollen Fuß breit und nur vier Zoll dick, — eine ganzvortreffliche Anordnung, um dem Schwanz die größtmögliche Kraft zur Austheilungeines Schlages nach der Seite zu geben, ohne daß das Wasser demselben erheblichenWiderstand entgegensetzte. Ich habe nur beim Delphin und Meerschwein eine ähnlicheAnordnung bemerkt; aber bei diesen Mecressäugcthicren sind die beiden Flügel derSchwanzflosse horizontal angebracht, der Schlag daher vertikal und die Dicke des Körpersam Schwänze weit größer als die Breite. Die Fischer zeigten mir auch eine merkwürdigeErscheinung beim Hai: wenn man ihn nämlich auf der Seite unter der Bauchflofseberührt, so wird dadurch eine krampfhafte Bewegung derselben hervorgebracht, selbst wenndas Leben in dem Hai schon so weit erloschen ist, daß keine noch so rohe Behandlung anirgend einem andern Theil des Körpers noch das geringste Lebenszeichen hervorruft.Der größte Hai, welcher damals gefangen wurde, maß zwölf Fuß und drei Zoll in derLänge, der andere blieb nur um einige Zolle hinter jenem zurück, und später ward nochein größerer gctödtet, dessen Maßverhältnisse ich jedoch vergessen habe. Der aus denHaifischlcbern gewonnene Thran wird mit 30 Pfd. Stcrl. per Tonne bezahlt, und dieFischer erklärten, der Fang der Haie verlohne sich weit besser als die regelrechte Fischerei.Die Leber des einen Hai füllte einen großen Korb, und zwei sehr stämmige Namagnasvermochten ihn kaum fortzuschleppen. Der Magen enthielt einen Steinbrasscn von3 — 4 Fuß Länge, der nur ein einziges Mal in der Mitte entzwei gebissen war.Die Haut desselben war schon theilwcise verdaut; aber der Fisch selbst erschien noch ganzfrisch, als ich ihn a ifschnitt. Ich nahm eine Anzahl Schmarotzerthiere vom flachen Theildes Körpers nahe beim Schwänze hinweg, da, wo die eigene breite, abgeplattete Gestaltjener Kruster sie in den Stand setzte, sich fest an den Hai anzusetzen, ohne Gefahr zulaufen, wieder weggespült zu werden.
Als ich im November 1864 in dem Barkschiff „Gute Hoffnung" auf der Heimfahrtbegriffen war und wir in der felsichten Bucht von Angra Pequena lagen, beobachtete manin geringer Entfernung von nnS einen Hai von derselben Art. Der Maat sprang sogleich mit einigen Freiwilligen in's Boot, sie verfolgten und harpunirten den Hai, warenaber in Ermangelung von andern Waffen außer Stande, denselben umzubringen oderdas gewaltig zuckende und um sich schlagende Geschöpf zu sichern, welches bei den gewaltigen,heftigen Anstrengungen, welche es machte, um sich loszureißen, sowohl die Sicherheit desBootes als das Leben der an Bord desselben Befindlichen in hohem Grade gefährdete.Kapitän Scheel ließ sogleich das Quarterboot aussetzen und ruderte dem andern zu Hisse,und nach mehreren vergeblichen Versuchen gelang es endlich dem Oberfischcr Lodewhk Dantedem Hai eine zweite Harpune in den Unterkiefer zu schleudern, während der Maat derCrcatur gleichzeitig eine Tauschlinge um den Schwanz warf. Das Mecresungcthüm erschien,nun, an drei Stellen seines Körpers festgemacht, ganz hilflos; wir streckten es zwischenden beiden Booten aus und zogen eS im Schlepptau nach dem Schiffe hin, während esmit ohnmächtiger Wuth zu uns heraufglotzte, seine milchweißen Kinnladen aufriß unduns in denselben fünf Reihen kleiner, scharfer, sägcnartig gestellter Zähne wies. Schonbeim Anblick des Hai durchrieselte es mich eiskalt, als ich ihn auf kaum anderthalb FußEntfernung an dem kurzen Eisen der Harpune hielt, die wir ihm in die Kinnlade geworfen