Ausgabe 
28 (21.6.1868) 25
 
Einzelbild herunterladen

200

hatten, während die Leine der Harpune gleichzeitig als weiteres Sicherungsmittel einigeMale um einen Roveinnagel 1) geschlungen war.d

to, eguploir

Die Brustwehr der Fallreepstreppe wurde ausgehoben, ein startes Tau als Winde-Teine von der obersten Mastspige herunter gelassen, und ein Dußend stämmig er Matrosenhißten ihn an Bord. Die Leber ward wie gewöhnlich herausgetrennt und zu Thranausgeschmolzen. Man hat mich versichert, daß man schon oft 130 Gall onen Thranvon einem einzigen Hai gewonnen habe. Wir kosteten das Fleisch, welches wie grobfasesriges Ochsenfleisch aussah, aber ungefähr den Geschmack von Schildkröten fleisch hatte,welches man nach Art der Wilden roh auf der Kohlengluth geröstet. Die äußerste Längedes Hai betrug 18 Fuß und 1 Zoll, der größte Durchmesser 6 Fuß 4 Zoll, die Höhedes obern Flügels der Schwanzflosse 3 Fuß 7 Zoll, die Höhe des untern Flügels2 Fuß. Weitere Beobachtungen vermochte ich kaum zu machen, weil der Maat in seinemEifer, das Verdeck frei zu machen, den Cadaver bald hatte über Bord werfenlaffen.sid dris ilind

11

Man hat übrigens noch größere Haifische gefangen; einer, welchen die Mannschaftder St. Helena " in der Tafelbai erlegte, soll volle 27 Fuß, und ein anderer, welchenFischer vor einigen Jahren in derselben Bucht harpunirten und am Strande zeigten,soll nahezu 30 Fuß in der Länge gehabt haben.

3ch erinnere mich noch, daß eines Tages im Meerbusen von Capentaria, an derNordküste von Australien , während einer Nacht einer unserer stärksten Haken, den wirhatten über Bord hängen lassen in der Hoffnung, Grundhaie zu fangen, gerade gebogenund abgebrochen worden war. An einem windstillen Tage arbeitete ich gerade aneinerZeichnung auf dem Verdeck, als ich durch ein Geschrei aufgeschreckt wurde. Die Leutesprangen in's Tafelwerk hinauf und als ich der Richtung ihrer Blicke folgte, erblickte ichein solch gewaltiges, monströses Geschöpf, daß ich es anfangs für einen echten Walfischhielt, bis seine vertical stehende Schwanzflosse und sein allgemeines Aussehen mich über-zeugten, daß es ein Hai war. Seine breite flache Nase, beinahe derjenigen einer Barbeähnlich, mußte eine Breite von mindestens 6-7 Fuß, seine ganze Länge weit mehrals 20 Fuß betragen haben, und sein wirklicher gewaltiger Umfang erschien noch größerdurch Umstand, daß um ihn her ganze Schwärme kleinerer Haie, von acht Fuß undmehr, sowie ganze Schaaren von Remoren oder Saugfischen von mehr als drei FußLänge und von unzähligen Lootfenfischen lustig herumtummelten. Alsbald wurden unseregrößten und stärksten Hafen beködert und über Bord geworfen, unsere Büchsen geladenund schußfertig gemacht, um auf die Haie zu feuern, sobald sie angebissen haben würden;allein das riesige Meeresungethüm schwamm gemächlich von unserm Stern hinweg und wirverloren es hinnen Kurzeni aus dem Gesichte.

An einem kleinern Hai von etwa 10 Fuß Länge, welcher in der Walfischbai gefangenworden war, hatte ich Gelegenheit, das Maul und Gebiß genau zu untersuchen undmir namentlich die fünf Reihen dicht beisammen stehender scharfer und sägenartig angeord-neter Zähne zu betrachten, die auf einer tnorpeligen, beweglichen Leiste stehen, welche derHai nach Belieben aufrichten oder umklappen kann, als ob sie in einem Charnier liefe.Diese Zahnreihen sind gewöhnlich umgelegt und nach rückwärts gekehrt, richten sich aberin dem Augenblicke auf, wo der Hai seine Beute ergreift. Ich habe das Spiel dieferZahnleisten, ihr willkürliches Auf- und Zurückklappen ganz deutlich an jenem verendendenHai beobachtet, welchen wir in der Bucht von Angra Pequena gefangen hatten, wie ichoben erzählt. Es sah förmlich aus, als ob die Zahnleisten seines Gebi sses sich gleichzeitigmit seinem Athem und unter dem Druck seines Schnaubens vorwärts und zurück bewegten, während aus dem starren Fischauge ein düsterer Ingrimm glotte. po dig

1) Koveinnägel heißen die Zapfen, waran das laufende Takelwerk befestigt wird.Drud, Verlag und Redaktion des literarischen Juftituts von Dr. M. Huttler.