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Buße zahlen. So lang ich den Stab halte, habe ich noch keinen beigetrieben, aber jetztist mir die Geduld ausgegangen, denn ich sehe, daß cS auf andere Art mit Euch nichtbesser geht.
Aber Herr Bürgermeister, gerade in jenem eingezäunten Bezirk ist außer mir fast^ Niemand bethciligt.
Freilich, die zwei, sagte der Bürgermeister, indem er auf zwei Bürger Namens Cas-carabias und Aranna deutete. Glaubst Du, ihnen wird es auch recht sein, wenn ichdulde, daß Du den Haag offen lässest, und dann die Kühe und Schweine hineinkomme«und ihnen den Mais zerstampfen und auffressen? Nichts, nichts, eine» Gulden Buße,und ich will sehen, ob Du Dir die Lehre merkst.
Aber, Herr Bürgermeister, wie kann ich einen Gulden zahlen, wenn ich nicht eine«Groschen baaren Geldes besitze?
Du wirst schon noch einen übrigen Kessel haben, den Dir der Gerichtsdiener pfän-den kann.
Dominik war nahe daran, zu weinen. Kommen Sie, Herr Bürgermeister, sagte derbetheiligte CaScarabiaS, schenken Sie dem armen Dominik für diesmal noch Verzeihung.
Auch ich bitte darum, fügte Aranna bei.
Alles, auch die Nachsicht, zu seiner Zeit; strafe ich ihn einmal, spare ich ihm hun-dert Bußen.
Aber wir zwei sind ja die Einzigen, denen Dominiks Nachlässigkeit Schaden bringe«kann, und wenn nun wir Beide für ihn bitten.
Wohlan denn, sagte der endlich Erweichte, für dieses einzige Mal sei eS vergebe«.
Aber Euch, die Ihr die Honigsüßen spielt, geschieht es recht, wenn die Mucken an.Euch kommen.
Der Bürgermeister wendete sich zu einer andern Gruppe, bei welcher die übrige»» Mitglieder der Gemeindebehörde sich befanden, nachdem er von Dominik und seinen zweiFürbittern wiederholte Dankcsbezeugungen empfangen hatte.
In diesem Augenblick kam Catalina mit ihrem Sohn Miguel, den Schmerz derTrauer im Antlitz wie im Anzug ausgedrückt, auf ihrem Kirchwcge vorüber.
Ein paar Buben spielten um Nüsse. Miguel war immer ein so herzhafter Spielergewesen, daß er das Spiel nicht aufgab, bis er entweder selbst alle seine Nüsse ver-loren, oder seinen Mitspielern alle abgewonnen hatte. Die Buben meinten wohl, Zer-streuung sei das beste Mittel gegen Betrübniß, und riefen ihrem Kameraden zu: KommMiguel, mach' auch Eines mit!
Spielet nur Ihr, die Ihr noch Knaben seid, sagte Miguel ernst, und verschwand,mit seiner Mutter in der Kirchenthüre.
Wenige Augenblicke nachher ertönte das Zusammenläuten, und Alles trat in die Kirche.
Das Dorf war wie ausgestorben, denn Alles war in der Kirche mit Ausnahme vonhöchstens einem Dutzend Frauen, die schon vor Sonnenaufgang zur Frühmesse in einanderes nahegelegenes Dorf gegangen waren und jetzt in ihren Häusern das Essen bereiteten.
Diesen Umstand wollten ein paar Kühe nicht unbenützt lassen, welche bisher auseiner nahen Anhöhe geweidet hatten. Sobald die Leute in der Kirche waren, sagten siebei sich: „jetzt sind wir Meister", kamen gemüthlich nach der Ebene herab, schlichen durchden von Dominik offen gelassenen Hag in den eingezäunten Raum, und machten sich» hinter den Mais des Cascarabias und Aranna, so daß bald wenig mehr davon z«sehen war.
Das Gebühren dieser Thiere hatte Dominik zu verantworten, denn ihm hatte sieein wohlhabender Nachbar aus halben Gewinn in Verstellung gegeben, und sie dachtenwohl, ihr jetziger Besitzer werde den Hag eigens für sie offen gelassen haben. „Fressenj, wir ihm den Mais, so kommt ihm unsere Wohlgenährtheit zu Statten, und wenn erv