Ausgabe 
28 (12.7.1868) 28
 
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das Geld, das Du zahlen mußt. Kannst Du es uns dereinst heimzahlen, gut; wo nicht,so bist Du selbst am meisten zu beklagen.

Trotz des feierlichen Ernstes, mit dem Miguel sprach, wußten alle Anwesenden, selbstDominik, nicht recht, ob sie des Knaben Rede für Scherz oder Ernst nehmen sollten.Aber ihr Zweifel dauerte nicht lange, denn Catalina schloß ihren Sohn unter Thränender Rührung und Freude in ihre Arme, indem sie ausrief:

Herzenskind, so möge Dich Gottes Segen geleiten, wie Du dem Beispiel DeinesVaters folgst!

Und, zu Dominik gewendet, fügte sie hinzu:

Ja, Jgnatio ist nicht todt, noch lebt er in seinem Sohne. Betrachte MiguelsAnerbieten als von Jgnatio ausgegangen, und zweifle nicht, daß Catalina es erfüllen wird.

Thränen des Dankes und der Freude waren es, die Dominik jetzt vergoß.

Cascarabias und Aranna hörten schweigend zu.

Aranna, rief plötzlich Cascarabias aus, indem seine Augen feucht wurden, eiaKnabe wie Miguel, soll mich wahrhaftig nicht an Edelmuth übertreffen. Ich für meinTheil mache keinen Anspruch au Dominik wegen des Schadens, den seine Kühe ange-richtet haben.

Zum Henker, kleiner Miguel, sagte nun seinerseits Aranna, was Edelmuth betrifft,mag ich weder hinter Dir, noch hinter irgend Einem der da lebt, zurückbleiben. Auchich verzichte auf jeden Schadcnsanspruch.

(Fortsetzung folgt.)

Schiller über das Papstthum.

Schiller hat sich in einem seiner Aufsätze (Universalhistorische Uebersicht der merk-würdigsten Staatsbcgebcnhciten zu den Zeiten Friedrichs I.) auf eine so denkwürdigeWeise über den Geist des Papstthums und die Charakterfestigkeit der Päpste ausgesprochen,daß es von Interesse ist, diese Stelle unsern Lesern vorzuführen.

Sie lautet:Mau sah Kaiser und Könige, erleuchtete Staatsmänner und unbeug-same Krieger im Drang der Umstände Rechte aufopfern, ihren Grundsätzen untreu werdenund der Nothwendigkeit weichen; so etwas begegnete selten oder nie einem Papste. Auchwenn er im Elend umherirrte, in Italien keinen Fuß breit Landes, keine ihm holdeSeele besaß und von der Barmherzigkeit der Fremdlinge lebte, hielt er standhaft überden Vorrechten seines Stuhls und der Kirche. Wenn jede andere politische Gemeinheitdurch die persönlichen Eigenschaften derer, welchen ihre Verwaltung übertragen ist, zu ge-wissen Zeiten etwas gelitten hat und leidet, so war dies kaum jemals der Fall bei derKirche und ihrem Oberhaupt. So ungleich sich auch die Päpste in Temperament, Denk-art und Fähigkeit sein mochten, so standhaft, so gleichförmig, so unveränderlich war ihrePolitik. Ihre Fähigkeit, ihr Temperament, ihre Denkart schien in ihr Amt gar nichtcinzuflicßcn; ihre Persönlichkeit, möchte man sagen, verfloß in ihrer Würde und die Lei-denschaft erlosch unter der dreifachen Krone. Obgleich mit jedem hinscheidenden Papste dieKette der Thronfolge abriß und mit jedem neuen Papste wieder frisch gekämpft wurdeobgleich kein Thron in der Welt so oft seinen Herrn veränderte, so stürmisch besetzt undso stürmisch verlassen wurde, so war dieses doch der einzige Thron in der christlichenWelt, der seinen Besitzer nie zn verändern schien, weil nur die Päpste starben, aber derGeist, der sie belebte, unsterblich war."

In Belgien cxistirt ein Ort Namens Gheel, dessen Einwohner seit den frühestenZeiten des Mittelaltcrs Geisteskranke in ihre Häuser aufnehmen und Pflegen.Man gewöhnte sich dort nach und nach vollkommen an dieselben; war in ungezwungenerWeise gut und sanft gegen sie und öffnete ihnen den Schooß der Familie; sie speisten