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finden den jungen Herrn im Borzimmer, das er zu vermessen scheint. Er schien verlegen,daß man ihn dabei überraschte, schalt über die Nachlässigkeit der Dienerschaft und bat denGoldarbeiter, einen Augenblick zu warten, während er seine Ankunft der Mutter meldenwerde, der er zuerst die Uhr zeigen wolle. Er nahm letztere und trat in den Salonein, dessen Thüre er halb offen ließ, wie auch die eines zweiten Zimmers. „Hier istDeine Uhr, liebe Mutter, einfach, aber geschmackvoll, wie Du sie gewünscht hast!" —„Die ist noch viel zu schön," antwortete eine Frauenstimme, „hast Du nichts für DeineSchwester gekauft?" — „Ja wohl, Mutter, Du magst Dein Urtheil darüber sagen, ichwerde es Dir mit der Rechnung zeigen!" — «Sehr schön, ich sehe wohl, Du Schelm,daß ich einen guten Theil derselben zahlen soll." Der junge Mann kam mit der Uhrzum Goldarbcitcr zurück, der das ganze Gespräch angehört hatte. „Meine Mutter istsehr gut gelaunt, << sagte er, „ich wünsche nur, daß sie meine Wahl genehmigt und be-sonders, daß sie selber bezahlt." Es werden ihm die Schmucksachcn übergeben, und ergeht zur Mutter zurück, die Thür immer halb geöffnet lassend. Die Mutter fand Allessehr schön. „Indessen," bemerkte sie, „wollen wir doch auch den Geschmack DeinerSchwester hören; rufe sie!" — „Aber, liebe Mama, ich wollte ihr ja eine Uebcrraschungbereiten." — „Nein, nein, rufe sie nur!" verlangte die Frauenstimme. Zum zweite»Male herauskommend, sagte der junge Mann zum Goldarbcitcr: „Das ist die Launeeiner alten Frau, ich muß meine Schwester rufen." Darauf ging er zum Vorzimmerhinaus. Eine halbe Stunde vergeht, er kommt nicht zurück; die beiden Goldarbeiterwerden ungeduldig und machen Geräusch, um die Aufmerksamkeit der Mutter auf sich zuziehen; Alles bleibt still. Endlich treten sie in den Salon, den sie ohne Möbel finden,sie gehen durch alle Zimmer, sehen aber keinen Menschen; und doch ist kein Ausgangvorhanden, aus dem die Mutter hätte fortgehen können. Vom Portier erfahren siedarauf, daß der junge Herr soeben fortgegangen sei, die Wohnung habe er noch nicht festgemiethet, weil er sich erst überzeugen wollte, ob er alle seine Möbel nach Wunsch werdeplaciren können; darum sei er seit zwei Tagen beschäftigt, alle Räume zu vermessen.Die beiden Goldarbcitcr hatte der Portier für Tapezierer gehalten, die der junge Mannangeblich erwartete Der Geniestreich des schlauen Gauners war gelungen, der Gold-arbeiter um seine Schmucksachen betrogen. Was aber war aus der Person geworden,welche die Rolle der Mutter gespielt hat? Das Räthsel ist leicht gelöst, der Gaunerverstand die Bauchrcdckunst und hatte vortrefflich die Stimme der alten Dame nachge-macht, welche V. und sein Commis gehört hatten.
Ueber die eigenthümliche leim- oder vielmehr hornühnliche Masse, aus welcher dieeßbaren Nester der indischen S al angan-Schw albe oder Collocalia bestehen, herrsch-ten bisher verschiedene Ansichten. Dr. Bernstein hat nun durch seine anatomischenUntersuchungen nachgewiesen, daß die Speicheldrüsen der Salanganen, besonders dieSlimckulnv iuiIiIinKunloü, zur Zeit des Nestbaues eine enorme Entwickelung zeigen, unddargcthan, daß das Sccret dieser Drüsen einzig und allein den Stoff zum Nestbau liefert,wenn auch die verschiedenen Collocalia-Spccies, unter denen 0. nickitivn und sucipka^ndie verbreitetstcn sind, in etwas abweichender Weise verfahren. Er sagt hierüber: „Wennman zur Zeit des Nestbaues den Schnabel des Vogels öffnet, so erscheinen die Speichel-drüsen als zwei große, zur Seite der Zunge liegende Wülste. Sie scheiden in reichlicherMenge einen dicken, zähen Schleim ab, der sich im vorderen Theile des Mundes, in derNähe der Ausführungs-Gänge der genannten Drüsen, unterhalb der Zunge ansammelt.Dieser Schleim, oder eigentlich Speichel, hat viele Achnlichkcit mit einer concentrirtenLösung von arabischem Gummi und ist, gleich, diesem, so zähe, daß man ihn in ziemlichlangen Fäden aus dem Munde herausziehen kann. An der Luft trocknet er bald emund ist dann in nichts von jenem eigenthümlichen Neststoff verschieden. Auch unter demMikroskop verhält er sich wie dieser. Wenn nun die Vögel mit der Anlage ihres Nestes