Ausgabe 
28 (26.7.1868) 30
 
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Clementina,^)

(Fortsetzung.)

So kam denn der löte August heran. Schon vor Tagesanbruch verließen Catalina«nd ihre Kinder das Dorf, und schlugen die Richtung nach Bilbäo ein.

Catalina und Clemcntina saßen in einem doppelten Rcitsefsel auf einem prächtigenstarken Maulthier. Miguel und seine Brüder, munter und kräftig wie sie waren, gingenzu Fuß und lenkten das Maulthier, sowie den Esel, der die Gepäcke trug.

Schon begann die Sonne ihre Strahlen über die hohen Berge herzusenden, anderen Fuß die heilige Jungfrau von Begonna über der edlen gläubigen Stadt wacht,die voll frommer Verehrung zu ihren Füßen liegt.

Schon ließ sich in dem köstlichen, reich bevölkerten Thale , welches der Jbaizabclbefruchtet, ein weithin rauschendes dumpfes Getöse vernehmen, und dort bei jenem Hügel,wo jetzt ein Trümmerhaufen emporsteigt, befeuchtet von dem Blute des Helden Zumla-cärrcgui, eines der edelsten Opfer unserer traurigen Bürgerkriege, da ertönte damalsfröhliches Glockengeläute, das Geläute der Glocken der heiligen Mutter Gottes vonBegonna

Unsere Wanderer zogen längs der Ufer des Jbaizabcl dahin, bis sie bei einerWendung der Straße Halt machten, an einer Stelle, von welcher aus der Pilger zuerstdie Stadt und das berühmte Heiligthum erblickt.

Diese Stelle nennt manSalve", weil die andächtigen Landleute, wenn sie vondort aus auf ihrem Weg zur Stadt das Heiligthum entdecken, innc halten, um dieMutter Gottes mit dem schönsten und rührendsten der christlichen Gebete zu begrüßen.

Solche liebliche Morgen im Frühling und Sommer verschlafen die Bewohner vonMadrid , weil sie um Mitternacht oder noch später erst zur Ruhe gehen, während dieEinwohner von Bilbäo mit der Sonne oder schon früher erwachen, weil sie um 9 Uhrzu Bette gegangen sind. Daher ist es auch eine ganz gewöhnliche Sache, während derschönen Jahreszeit die vornehmsten und hervorragenden Einwohner von Bilbäo beiSonnenaufgang oder kurz nachher auf den öffentlichen Spaziergängen anzutreffen, denwürzigen Duft der Blumen und die liebliche gesunde Morgenluft genießend. Ganz be-sonders ist dieß der Fall in der schönen Pappelallee und in den reizenden Anlagen desArenal.

Als Catalina mit ihren Kindern in diese Anlagen kam, lustwandelten eine MengeLeute in ihrem köstlichen Schatten.

Auf einmal sahen sie sich einem jungen Manne gegenüber, bei dessen ErscheinenElementina vor Ueberraschung und Freude einen leisen Schrei nicht unterdrücken konnte;-es war Don Juan.

Er näherte sich, um die ländlichen Wanderer zu begrüßen.

Clementina, deren Wangen bei seinem Anblicke sich mit Karmin gefärbt hatten,senkte die Blicke schüchtern zu Boden und traute sich kaum, seinen Gruß zu erwidern.

Catalina fragte ihn gleich, warum er diesmal nicht, wie im vorigen Jahr, zumSanct Antons-Feste in's Dorf gekommen sei.

Ich war während einiger Tage krank, versicherte Don Juan. Und Sie, fragte er,kommen zum Feste der heiligen Jungfrau von Begonna?

Ja, mein Herr; wir kommen, ein Gelübde zu erfüllen, und wollen unsere Clemen-Ima eine Zeit lang im Hause ihres Oheims lassen, um zu sehen, ob sie sich da zer-streut und erholt.

In der That, Clementina sieht nicht ganz wohl aus.

Ach, Sie haben ja voriges Jahr gesehen, wie blühend sie war. Aber schon wenige

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