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^ Tage nachher fing sie au, traurig, traurig zu werden, und aus dieser Traurigkeit h»x-die Arme seither ihr Köpfchen nicht mehr in ine Höhe gebracht.
Das bedaure ich unendlich.
Catalina und ihre Tochter dankten, Letztere mit einem leisen Anflug von Ironie,den Don Juan recht wohl bemerkte.
, Miguel hatte unterdessen die Thiere untergebracht und kam wieder zu den Seinige».
Catalina verabschiedete sich von Don Juan.
Er ging noch einige Schritte neben Clementina her und sagte leise zu ihr:
Ich bin Ihnen noch den Beweis schuldig, daß ich Sie nicht vergessen habe, obgleichich Ihre Heimath nicht wieder besuchte. Jeden Morgen um 6 Uhr höre ich die Messeauf Begonna; dort können wir uns sehen, wenn Sie mich anhören wollen, ehe Siemich verurtheilcn.
Ich werde kommen, wenn ich kann, erwiderte Clementina, und verließ Don Juan,indem sie sich den Ihrigen wieder anschloß.
Zwei Stunden später lagen Catalina und ihre Kinder auf den Knieen vor demAltare der heiligen Jungfrau von Begonna.
Reiche Thränenströme benetzten Clementina's Wangen. Mein Gott, wer kann dieGedanken und Hoffnungen des armen Mädchens ermessen, das mit seinem liebeverwun-deten Herzen unter den erbarmenreichen Schutz der Mutter Gottes sich flüchtete!
Nachdem sie die Messe gehört und im Gebet ihre Herzen aufgeschlossen hatten,durchwandeltc Catalina mit den Ihrigen die Fluren, welche das Heiligthum umgeben.
Eine fröhliche, lärmende, glückliche Menge wogte aller Orten; aber vergeblichsuchten Clementina's Augen den Gegenstand, um dessen willen sie so oft thränenheißgeworden waren.
Der Abend kam, und der heilige Hügel ward nochmals besucht. Die Menschen--menge und das allgemeine Lebe« war noch größer, aber auch jetzt war Clementina's» ängstliches Suchen vergeblich.
Des folgenden Tages kehrte Catalina vor Sonnenaufgang nach ihrem Dorf zurück,und ließ ihre Tochter in Bilbäo.
VI.
Das Heiligthum von Begonna steht auf einem die Stadt Bilbäo beherr-schenden Hügel.
An dem einen Ende der Stadt beginnt bei einem freien Platz, den schöne Gebäude,namentlich das prachtvolle der höheren Lehranstalt von Biscaya zieren, ein weit hinaufsich ziehender Stasfclwcg. Derselbe endigt auf dem Gipfel des Hügels Mallona. Diesenkrönt ein Friedhof, wo die Blüthe der baskischen Jugend ruht, hingcopfert in der furcht-baren Belagerung von 1836, welche Stadt und Land mit Trauer, aber auch mit Ruhmbedeckte.
Oft bin ich als Kind, wenn ich mit meiner Mutter beten ging, in diesen Gottes-acker gekommen, bin mit der Gleichgiltigkeit der Kindheit unter seinen Nosengebüschenumhergestreift, die ich kaum schön zu nennen wage, da sie die Opfer deS bloßen TodeSverhüllen.
Mehr als zwanzig Jahre später, als ich überall die Erinnerungen meiner Kindheitaufsuchte, um mit ihnen mein Herz zu erfrischen, das weit vom heimathlichen Thale inden Qualen des Lebens zusammengeschnürt worden war, wollte ich wieder diese düstere* Stätte betreten.
Mich begleitete ein Freund, der, glücklicher als ich, die Stätte seiner Geburt, dasUfer des Jbaizabcl nie verlassen hatte. Als er mich jedoch auf den Kirchhof zugehensah, blieb er stehen, und sagte:
Du suchst auf diesem Friedhof nur Erinnerungen an Deine Kindheit; Du magst