238
Gegenwart und Liebe die ganze Welt nur eine furchtbare Wüste für ihn sei. Kommenwir nach Begonna, schloß er, und habe ich erst meine dortigen Interessen sicher gestellt,welche in die größte Gefahr kämen, wenn meine Ankunft auch nur einen einzigen Tagweiter hinausgeschoben würde, so soll die Kirche unsere Liebe heiligen, und nach kurzerZeit kehren wir glücklich und geehrt nach Deiner Heimath zurück, um den Segen DeinerMutter zu erbitten.
Mit solcher Kunst, mit so blendendem Schein von Aufrichtigkeit und Wahrheitmachte Juan diese Erklärungen, daß das arme Mädchen, besten Herz wie alle liebendenHerzen, nach Nichts begieriger verlangte, als nach einem Vorwand, um zu glauben undzu vergeben, seinem Entführer glaubte und vergab.
Clementina und Juan stiegen in einem der ersten Gasthöfe in Begonna ab.
Zwei Tage nach ihrer Ankunft weinte Clementina trostlos; sie hielt sich des Segen-«nd der Verzeihung ihrer Mutter nicht mehr würdig.
Nach zwei weiteren Tagen wartete sie auf Juan Stunde um Stunde, einen ganzenDag; er kam nicht wieder.
(Fortsetzung folgt.)
Zur Geschichte der Rose.
Welcher Epoche der Weltgeschichte der Geburtstag der Rose angehört, wer ver-möchte es zu behaupten?! Schon zweitausend Jahre vor Christi Geburt existirten dieberühmten Gärten von Babylon und jedenfalls duftete schon in ihnen die edelste derBlumen, der Liebling der Frauen und Dichter, das Symbol der Liebe und Schönheit;benn Persien , das Nachbarland, war schon im graucsten Alterthum durch seine Rosenbekannt.
Auch in China und Cochinchina wurde die Königin der Blumen seit den ältestenZeiten kultivirt. Confuzius selbst feierte ihre Schönheit in seinen Gedichten und in derBibliothek des chinesischen Kaisers, welche aus etwa 18,000 Bänden und Handschriftenbesteht, handeln 1600 über Blumenzucht, von ihnen über 600 speciell von der Rosen-zucht. Trotzdem kennen die Bewohner des himmlischen Reiches nur zweierlei Nosenarten:die weiße und die Moosrosc; und auch diese wachsen auf kaum fußhohen Sträuchern,während die Blume nur den Umfang einer Wallnuß erreicht. Aber diese Rosen werdennamentlich in den weitläufigen kaiserlichen Gärten in so ungeheurer Menge kultivirt, daßdie daraus gewonnene Essenz einen jährlichen Ertrag von über 30,000 Thalern gewährt.Nur die kaiserliche Familie und die Angesehensten des Reiches dürfen sich indeß dieserParfumerie bedienen, für jeden Andern ist ihr Gebrauch auf das Strengste untersagt.
Nebenbei bilden die mit Rosenblättern gefüllten „Kräutcrsäckchen" bei den Chineseneinen Talismann gegen die bösen Geister, welche in den Häusern ihr Unwesen treiben,Krankheiten und böse Träume erzeugen. Ein ähnlicher Aberglaube herrscht bei denSiamesen, welche den guten Genius unter einem Rosenstrauche entstehen lasten, währendder böse Geist unter einer Cypreste zur Welt komme. Wer neben einem von dem Con-fuzius geliebten Rosenstrauche eine Cypreste pflanzen wollte, würde sich nur Unglück undeinen frühzeitigen Tod heraufbeschwören, während Glück und langes Leben Demjenigenzu Theil wird, der Rosen im Ueberfluß hegte.
In gleich hoher Weise wurde die Rose von den übrigen Völkern des Alterthum-geehrt. „Lastet uns Kränze tragen von jungen Rosen, ehe sie verwelken," heißt eS imBuche der Weisheit. Und „Gehorchet mir, ihr heiligen Kinder, und wachset wie dieRose, am Büchlein gcpflanzet," sagt Jesus Sirach . Ferner spricht die Bibel von derRose von Saron und von Dem, „der die Wüste blühen läßt wie eine Rose."
Die sogenannte Rose von Jerichow (eine nicht zutreffende Benennung, weil diesePflanze hauptsächlich in Arabiens Sandwüsten gedeiht) genoß eine abergläubische Verehrung.