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Sie besitzt nämlich die Eigenschaft, wenn ihr bauchiges mit dem Pistill gekröntes Schötchen^besten Klappen oben rundliche Ochrchen haben, sich trocken zusammengezogen, mit ihrewholzig gewordenen Zweigen ein kugelförmiges Nest zu bilden. Wirft man dasselbe in'sMaster, so quillt es wieder auf und dehnt sich aus, welche natürliche Erscheinung vongar Manchen der Wundcrkraft der heiligen Stätten zugeschrieben wurde, auf denen diePflanze wächst.
Die ältesten griechischen Schriftsteller lasten die Rose ursprünglich in Kleinasien , oderselbst auf der Insel Kythere, wo man die Venus besonders verehrte, und ihr die Rosevorzugsweise geweiht war, ursprünglich einheimisch gewesen sein. Erst um die Zeit destrojanischen Krieges wäre sie nach dem Peloponnes und nach Mika verpflanzt worden.Achills Schild war mit Rosen geschmückt, und Rosen waren den Wohlgerüchen beige-mischt, mit denen Hektor's Leichnam von Aphrodite einbalsamirt ward.
Sappho (600 v. Chr.) nannte die Rose zuerst die „Königin der Blumen." —Anakreon läßt sie mythisch entstehen, als Aphrodite dem Meere entstieg; ein Tropfendes Meeresschaumes, der an ihren Gliedern gehangen, sei zur Erde gefallen, und hierder Keim geworden zu einem Nosenstrauche. Weiß wie der Schnee, aus dem sie er-sprosten, war ihre Farbe — vom Blute der Göttin färbte sie sich roth. Als Adonis vom Zahne des Ebers seinen Tod fand, verletzte sich die Göttin, indem sie ihremGeliebten zu Hilfe eilte, den Fuß am Dorne eines Rosenstrauches; einige Blutstropfenseien auf die Rosen gespritzt, welche sofort die Purpurfarbe angenommen hätten. Wenigerpoetisch ist bei den Muhamedanern die Rose aus dem Schweiße ihres Propheten ent-sprossen, weßhalb die Gläubigen sich auch hüten, auf ein Rosenblati zu treten.
Außer der Aphrodite war die Rose in Griechenland dem Dionysos , dem Gotte derNeben und der blühenden Natur geweiht; ferner der Diana von Ephesos, in welcherman die überschwengliche Fruchtbarkeit der Erde verehrte. Hymen, der Gott der Ehe,und Komos, der Gott heiterer Geselligkeit und der Genius des Lebens, trugen Rosen-kränze auf dem Haupte. Auch stellte die antike Kunst den Frieden mit einem Rosensträuße,Kornähren und Oelzwcigen dar, und gab der Höre des Frühlings eine Rose in dieHand. Sie war ferner ein Attribut der Musen und der Charitinen.
Zur damaligen Zeit kannte man nur vier Hauptartcn dieser Blume, wie sie nochjetzt in Griechenland gedeihen: die Hecken- oder Hundsrose, die Hagebutte, die Pimpernell-Rose und die schöne gefüllte hundertblättrige Rose (kosn oontikolin), welche zuerst durchAlexander den Großen nach Europa eingeführt wurde.
Die alten Römer schmückten die Bildsäulen ihrer Götter und berühmten Männermit Rosenkränzen, entweder allein oder mit Veilchen und Myrthenblüthen gemischt. DieThore, durch welche triumphirendc Feldherren einzogen, wurden mit Rosengewinden be-hängen und Rosensträuße warf man ihnen in den Wagen. Die römische Braut trugeinen Kranz von Rosen und Myrthenzweigen unter dem Purpurschleier, und auch dasHaupt der Verstorbenen wurde mit Rosen bedeckt. Demnächst vermischte man die zuAsche verbrannten Gebeine, vor ihrer Beisetzung in der Gcabesurne, mit Wein undRosenblättern, und bestreute den Todtenhügel alljährlich mit Rosen, für deren Pflege oftbedeutende Summen testamentarisch ausgesetzt wurden. Ferner beging man den Geburts-tag der Verstorbenen durch Anpflanzung dreier Rasenstücke und einer gleichen Anzahlvon Myrthen.
Als der Luxus und die Schwclgerei bei den Römern mehr und mehr überhandnahmen, erreichte auch der Roscnluxus seinen Höhepunkt.
Der Speisesaal Nero's war wegen seiner künstlichen Bauart besonders berühmt; dieDecke und ein Theil der Scitenwände drehten sich mittelst eines Maschinenwcrkes um dieTafel her und stellten abwechselnd die verschiedenen Jahreszeiten dar, wobei statt desHagels und Regens ungeheure Rosenmasscn auf die Gäste herabfielen. Zu diesem Zweckeverwendete der Tyrann für ein einziges seiner schwelgerischen Gelage vier MillionenSesterzen (etwa 200,000 Thaler) für Rosen!