Ausgabe 
28 (26.7.1868) 30
 
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Hcliogabal, der Prasser aller Prasser, dessen Sprichwort war:Es gibt keine"delikatere Brühe, als die Seltenheit," und der demgemäß nur Pasteten von Hahncn-kämmcn, Pfauenzungcn, Nachtigallen-, Papageien- und Fasancnköpfcn auf seine Tafelkommen ließ, der den Unsinn so weit trieb, daß er für einen Phönix, von dem er gehört,daß er nur einmal in der Welt existire, viele tausend Mark Goldes bot, machte denwahnwitzig ungeheuerlichsten Gebrauch von den Rosen. Er ließ dieselben von der Saal-decke herab in solchen Unmassen niederfallen, daß viele der Schmausenden in den Blumcn-hügeln erstickten! Er badete sich nur in Rosenwein, und ließ sogar die Reservoirs deröffentlichen Schwimmbäder mit Wein füllen, der durch Rosen parfümiri war. (Forts, f.)

(Eine Heldenthat der Königsberg er Feuerwehr.) Aus Königsbergvorn 8. Juli wird von der Königsberger Hartung'schcn Zeitung berichtet: Heute, etwa umIV 2 Uhr stand plötzlich das große Gebäude Tragheimcr, Kirchenstraße Nr. 1, in hellen Flammen.Gegen zwanzig Familien, welche in diesem Hause wohnten, eilten unter Jammer und Weh-klagen auf die Straße, während die schnell herbeigekoimnene Feuerwehr ihre Thätigkeit zuentwickeln begann. Da erscholl der Ruf, es seien oben in der brennenden Dach-Etagenoch mehrere Personen, denen die Rettung durch die brennende Treppe und fürchterlichenRauch unmöglich gemacht werde, und in der That erblickte man einen Arm aus einem etwaneun Zoll im Durchmesser haltenden Loche in der Mauer, der nach Rettung zu winken schien.Von keiner Seite war ein Zugang möglich, hier war keine Sekunde Zeit zu verlieren;der Branddirector ergreift eine Leiter und will den Rettungsversuch selbst wagen, woranihn indeß drei seiner hcldcnmüthigen Feuermänner verhindern, während Feuermaun Stcnzel,ohne sich zu besinnen, das kühne Werk beginnt. Mit großer Sicherheit steigt er mit einerLeiter an der Vorderfronte des vierstöckigen Hauses in die Höhe nach der Ocsfnuug zu, wonoch (immer der Menschenarm sich bewegt; er hat den obersten Stock erreicht und ist etwanur noch eine halbe Leiterlänge von dem Unglücklichen entfernt, als er zu seinem Schreckengewahrt, daß er die Leiter nicht nochmals anlegen könne, da an dem Dache kein Gegenstandist. an welchem dieselbe eingehakt werden kann. Ein schnelles Verständigen mit den ihmgefolgten beiden Kameraden ließ ihn nun ein Werk ausführen, das an Kühnheit und Un-erschrockenheit alles bis jetzt Geschehene überstieg. Die Leiter wurde von den beiden Männerngehalten, während Stenzel sie besteigt, und da er immer noch etwa 4 Fuß von der beschriebenenOeffnung entfernt war, sich auf die beiden spitzen Leiterbäume stellt und so in dieser grauscn-erregenden Stellung mit seiner Axt die Oeffnung in der Mauer zu erweitern beginnt. Dochdie leckenden Flammen zischen immer näher, der Unglückliche im Innern brüllt nach Rettung,

und Stenzel verdoppelt seine Kräfte. Er reicht seine Axt demselben durch das Loch und rüst

ihm zu, mitzuhelfen, während er sich eine andere Axt reichen läßt und rüstig das Locherweitert. Und alles dies auf den beiden Enden der Leiter stehend, ohne jede ander Haltung

oder Stütze. Das Publicum wagt keinen Laut, es hält ein Jeder den Athem inne, während

die Aufregung dicke Schweißtropfen von den Gesichtern rinnen läßt. Da erschallt erst einleiser allgemeiner Ruf, er wird stärker, Alles drängt näher, um eine kaum geahnte Mög-lichkeit von dem braven Feuermanne möglich gemacht zu sehen; ein Freudenschrei und ein end-loser Jubel verkündet, daß der Unglückliche aus dem erweiterten Loche mit hundertfacherLebensgefahr herausgezogen und von seinen Rettern heruntergetragen wurde. Leider solltees den unsäglichen Mühen der Feuerwehr nicht gelingen, die noch oben befindlichen beidenanderen Menschen aus den Flammen zu retten. Es gelang der Feuerwehr auch, das imhöchsten Grade gefährliche Feuer nur auf dieses Eine brennende Gebäude zu beschränke».

Charade.

(Aus zwei einsilbigen Wörtern.)

Das Erste köstlich ist zu trinken,

Doch trinkt man's nur für theures Geld,

Das Zweite wird stets untersinken,

Auch wenn es in das Erste fällt.

Das Ganze zu der Kranken HeilDie Apotheke bietet feil.

Auflösung der Charade in Nro . 28:

D a ch st u h l.

Druck, Merlan und Redaktion de» literarischen Institut» von vr. M. Huttler,