Nr. 31.
2. August 1868.
Es gibt Menschen, denen das Geschick immer den Rosenkranz der Freude zeigt; undnähern sie sich, so drückt sie ihnen eine Dornenkrone aus das zu sehr schlagende Herz. Aberstark wird die Seele daun und muthig: und Muth ist fast so viel werth, als Glück.
A. Lafontaine.
Cleurentina.
(Fortsetzung.)
VII.
Catalina war eines Abends mit ihren häuslichen Arbeiten beschäftigt, als DominiksFrau bei ihr erschien.
Guten Abend, Catalina.
Sie sind so fleißig, wie immer.
Was will man machen, meine Tochter! Mein Mann selig Pflegte zu sagen: wen»ich an der Arbeit schwitze, fehlt mir nicht des Himmels Stütze.
Und wie hatte er Recht, der arme Ignatio! Sehen Sie, wie nun wir durch
Fleiß und Arbeit vorwärts gekommen sind. Gelobt sei Gott ! Es sind jetzt 10 Jahre
her, da wußten wir kaum, wohin wir unsere Häupter legen sollten, und jetzt ernten wirfür das ganze Jahr, haben ein eigenes Paar Ochsen, und Dominik geht schon damitum, sich eine kleine Heerde Schafe und eine gleiche von Ziegen anzuschaffen. Freilich,Ihnen verdanken wir Alles, denn Sie haben uns die hilfreiche Hand gereicht und . . .
Still, still, Frau, und nie mehr in Deinem Leben rede mir davon.
Und da ist es nun eben, wie das Sprichwort sagt: „Dem, der Dir die Hand
reicht, gib dafür Dein Herz."
Laß jetzt Deine Sprichwörter. Wir wollen von etwas Anderem reden. Ist DeinMann schon zurückgekommen?
Wie? — kam er heute Morgen nicht zu Ihnen, um zu fragen, ob Ihnen etwasgefällig sei? Er ist nach BilbLo gegangen.
Eben darum frage ich. Er war bei mir und fragte, ob ich ihm einen Auftragfür Clementina mitzugeben hätte.
Ja, er mußte eben auf irgend eine Weise einen Vorwand bekommen, um sie zubesuchen. Sie können sich nicht vorstellen, wie anhänglich er an das Mädchen ist. Aberwer im Dorfe ist es denn nicht? Sie können wahrhaftig sagen, daß Ihre Tochter nichtmit Gold kann ausgewogen werden.
Mein liebes Kind! Wolle Gott , daß sie mir wieder gesund wird, um bald heimzu kommen. Denn ohne sie komme ich mir vor, wie ohne meinen Schatten, und ebensogeht es ihren Brüdern, namentlich Miguel.
Ach, wenn Sie von Miguel sprechen! Es ist doch kaum zu glauben, was für einarbeitsamer und grundbraver junger Mann er geworden ist!
Wahrlich, das ist er, und man kann gar nicht genug davon sagen. Wenn seinVater, den Gott selig habe, sein Haupt noch einmal erheben könnte, er würde gleichwieder sterben vor Freude, wenn er sehen könnte, wie alle seine Kinder seinem NamenEhre machen und wie sie ihre Mutter beglücken durch ihre Zärtlichkeit, Tugend undArbeitsamkeit. Gelobt seien Gott der Herr und die heiligste Jungfrau, die mir solcheGnade erwiesen haben.