Ausgabe 
28 (9.8.1868) 32
 
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* Sonntag waren Hans, Thüre» und Fensterläden verschlossen, und heule, Mittwoch, sindsie es noch, und keine Seele ist in dein Gebäude zu spüren."

Ah! nicht möglich?!"

Anfangs hat man in unserer stillen Straße nicht daraus geachtet, dann aber wurdedie Sache mir und meinem Nachbar, dem Gerber Fritze, bedenklich. Ta hab' ich'ö denn

^ heule früh dem Polizciamt mitgetheilt und auch, was ich und der Fritze dachten undvermutheten, wie es eben unsere Bürgerpflicht war. Nach darauf erfolgten langen De-batten zwischen der Polizei und dem Ortsgcricht, an denen sich sogar der Gemcindcrathbethciligte, ist man denn §u dem sehr vernünftigen Resultat gelangt, bis morgen zuwarten und dann eine Anzeige beim Criminalgericht. zu machen."

Und davon hab' ich nichts gewußt, bis jetzt nichts erfahren?" schrie Meister Andresförmlich aus.

Das kommt daher, Alter, weil Du die ewige Lampe vernachlässigst, daheim sitzestund Dir schauerliche Geschichten vorlesen läßt, während die allerschönsten und schrecklichstenvor Deiner Nase und in Wirklichkeit passiven."

Hast Recht, Hcnbach," rief wieder der Meister, indem er zugleich mit ziemlicherEnergie auf den Tisch schlug.Wer das hätte denken können!"

So haben wir auch gerufen in unserer Gasse. ES ist etwa ein halbes Jahr-

her, seit der Laibel in unsere Stadt und i» das alte Hans gezogen, das er gekauft.

Mit seiner Frau und den zwei Kindern lebte er soweit still und ruhig für sich. UmNiemand kümmerte er sich; die Frau sah man selten, und die Kinder gingen nicht einmalin die Schule. Wenn er sie nicht selbst unterrichtet, so ließ er sie wild heranwachsen.Und warum auch die armen Würmchen mit Schule und Lernen plagen" platzte der

Gevatter endlich herauswenn daS Ungeheuer sie doch auS der Wett zu schaffen

> gedachte!"

A ah!"

*Er soll die Kinder wirklich-?"

Und seine arme Frau dazu! Ich hab's dem Manne gleich angesehen, er machteeinem Jeden, der sich ihm nähern wollte, ein so finsteres Gesicht. Es mußte so kommen,es war fast vorauszusehen."

Und am vergangene» Samstag soll es geschehen sein?" fragte Andres mit eigen-thümlichem Tone.

'An jenem Tage hat man die Frau mit den zwei Kindern noch in der Gasse

gesehen; sie gingen spazieren, nach der Landstraße hin, die »ach V... führt. Durchden kleinen Pfad, der hinter den Gärten herläuft, werden sie wohl, und wie schon oft,heimgekehrt sein. Er der Laibel, benutzte nur den schmalen Weg, um auszugehen.Die Magd hat er am Morgen fortgejagt sie wohnt drei Stunden von hier und istbereits für morgen anhcr und auf das Ortsgcricht citirt worden. Eine Frau unsererGasse, die ihr begegnet und von der Person erfahren, daß der Laibel sie Knall und Fallund ohne Ursache fortgeschickt, hat dies angezeigt. Seit der Zeit nun sind Alle, er,die Frau und die Kinder spurlos verschwunden."

Nicht möglich! Entsetzlich!" hauchte die Alte in kleinen Pansen, währendMeister Andres in stummer, doch nicht geringer Spannung dasaß und kein Auge vondem Sprecher abwandte und ihn gleichsam aufzufordern schien, weiter zu berichten.

>Der Fritze, der am selben Abend etwas spät aus der ewigen Lampe heimkehrteund durch unsere ganze Gaffe mußte, hat nun etwas Sonderbares, Verdächtiges in demalten Hause gesehen, und das hat uns denn besonders mich, auf den Gedanken ge-bracht, darin bestärkt, daß etwas Außergewöhnliches, Schlimmes Schreckliches in derWohnung passirt sein müsse."

Was hat er gesehen, Heubach ? Erzählt! Macht es doch nicht, wie so viele