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Thränen brach aus ihren Augen, und sie mußte sich auf ihren edlen, großmüthigenBruder stützen, um nicht erdrückt von dem Gewichte ihrer Qual, zu Boden zu stürzen.
Langsam setzten sie hierauf ihre Wanderung fort, während Clementina in Thränenzerfloß, Miguel dagegen alle Schätze der Bruderliebe, die sein weiches Herz bewahrte,getreulich anwendete, um die Schwester zu trösten.
Es war Sonntag.
Der Pfarrer des Dorfes, welcher die Uebung hatte, seinen Beichtkindern vor demMeßopfer eine Stelle der heiligen Schrift vorzulesen und zu erklären, hatte heute dieevangelische Erzählung von der Ehebrecherin gelesen.
Wer unter Euch von Sünde rein ist, der werfe den ersten Stein auf sie! hatteder Priester mit Jesu Worte» gesagt.
Tausend edle Sclbstvorwürfc und großmüthige Vorsätze erwachten bei diesen Wor-ten in den Herzen seiner Zuhörer; Vorwürfe, daß man nicht vergeben habe, Vorsätze,daß man vergeben wolle.
Miguel und seine Schwester beschleunigten ihre Schritte, als sie sich dem Dorfenäherten, um dieses noch zu durchwandet», so lange es wie ausgestorben war, das heißt,bevor die Leute anS der Kirche kämen.
Sie betraten den Kirchplatz; in der That war noch Alles öde und still.
Aber da öffnete sich plötzlich die Kirchenthürc, und fast die gesammlc Einwohner-schaft bevölkerte den Platz.
War Clemcntina's Schuld groß gewesen, so war auch die Sühne schwer, welche indiesem Augenblick über sie erging. Denn wir würden ob ihrem Scclenschmcrz erschrecken,wenn es uns vergönnt wäre, in die Tiefen ihres zerrissenen Herzens zu schauen.
Ein Jubelruf und keine Schmähung empfing den gefallenen und in der Schule desUnglücks wieder aufgerichteten Engel.
Nur Mitleiden und Liebe fand Clementina bei den Bewohnern ihres Dorfes.
Alles dachte, daß sie sehr unglücklich, Niemand dachte, daß sie schuldig war; undauch dem Gerechtesten fiel es nicht ein, den ersten Stein auf sie zu werfen.
Selig sind, die da weinen, selig, die vergeben.
P e t r o l e o,n a n i e.
Mit Wachslicht, Sonncnkcrzcn,Mit all' dem ist's herum,
Es brennen alle HerzenNur für's Petroleum.
Das Kett des UngeheuersIst nichts mehr, und dahinDie Poesie des FeuersAm traulichen Kamin.
Sie, die auch uns're GliederMit ihrer Kohle wärmt,
In jedem MagazineSicht Alles sich nur umNach Lampen für CamphincUnd für Petroleum.
Denn aus derselben Grube,Drin sie das Gold bewahrt,
Wo sonst, vom Mohn befeuchtet,Die Lampe still gebrannt.
Wird jetzt die Nacht erleuchtetVon Pluto's cig'ner Hand.
Schenkt sie das Licht der Stube,Wo man den Kreuzer spart.
Die groß und kleinen KinderErfreut der neue Stern,
Nur leider die CylinderZerbricht es gar so gern.