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^ Noch am selben Abend brachte der Bote in einem großmächtigen Schreiben die
Nachricht, daß am andern Tage, am Freitag, einer der Herrn Richter nach -k .. kommenwürde, um die Sache zu untersuchen und dann weiter zu thun, was Rechtens sei.
Noch war von Seiten der Ortsbehörde nach der Magd Laibcls, die dieser an jenemverhängnißvollen Samstag so Plötzlich entlassen, geforscht worden, doch hatte man diePerson nicht in ihrem Heimathsorte gefunden, indessen die Vorsorge getroffen, sie für den^ nun kommenden wichtigen Tag in L... einzubringen.
Somit hatte denn die Ortsbchörde Alles und so gut als nur möglich, vorbereitet,um auf eine baldige Aufklärung des rätselhaften Vorfalls hoffen zu dürfen, sowie irrerfolgreicher Weise den Alp zu bekämpfen und zu bannen, der auf der ganzen Bevöl-kerung von L .. . nun einmal lastete.
So war denn der Freitag herangekommen.
i Auf der Ortsgerichtsstube saß der Beamte, welcher vom Criminalamt gesandt wor-
den war, die Untersuchung der eigenthümlichen Angelegenheit zu leiten, und ihm zurSeite standen die Vorstände der Polizei und des örtlichen Gerichts, sowie die Mitgliederdes Gcmcindcrathcs nütsammt dem Bürgermeister, so viel ihrer der nicht allzugroße Raumnur fassen konnte. Gerber Fritze hatte seine Aussage von dem wandelnden Lichte nocheinmal wiederholt, Meister Andres nochmals berichtet, wie er in der Nacht um eilf Uhrden Laibel bei dem Ziehbrunnen gesehen und wie dieser einen Gegenstand —ganz gewißeines seiner armen Kinder, in den Brunnen geworfen, wobei zu gleicher Zeit der lauteAufschrei erklungen, den er jetzt noch zu hören vermeine, und der ihm noch immer durchMark und Bein gehe.
Der Untcrsuchungs-Nichter, ein ernster Mann gesetzten Alters, hörte die Depositionder beiden Zeugen ruhig mit an und begann dann noch allerlei Fragen zu stellen,welche indessen kein weiteres Resultat ergaben.
Da meldete der Ortsgerichtsdiencr die Ankunft der Magd Laibels.
Auf einen Wink des Richters wurde diese sofort vorgeführt.
' ES war eine Bauerndirne, die über die erste Jugend hinaus zu sein schien. Fest
und bestimmt trat sie auf, und ihre Züge waren erregt, wie der Blick, mit dem sie dieversammelten Herren der Reihe nach anschaute.
Die Vorfragen ergaben, daß sie Hanne heiße, in einem Dorfe etwa vier Stunden^ von T... daheim sei und seit etwa fünf Monaten im Dienste der Laibelfchen Familiegewesen, bis ihr Dienstherr sie am vergangenen Samstag plötzlich entlassen habe, ohnedaß sie wisse, warum. Auf dem Wege hierher nach T... habe sie erfahren, was davorgefallen sein sollte, und wolle sie reden, ohne Scheu, und könne sie auch etwas sagen,das sicher von größter Wichtigkeit sei.
. Doch der Beamte, in gegründeter Vorsicht und der Gewißheit, dennoch Alles zu er-
fahren, was die Person wisse, oder zu wissen vermeine, forderte sie auf, zuerst über ihrenfrüheren Dienstherrn und dessen Verhältniß zu seiner Familie zu berichten, wobei er dieMagd noch mit eindringlichen Worten ermähnte, ja bei der Wahrheit zu bleiben, nv»°das zu sagen, was sie zu verantworten, nöthigenfallS mit einem Eide zu bckräsligcn imStande sei, indem ein allzurasch gesprochenes, oder gar unwahres Wort größtes Unheilanrichten könne, sie selbst schwerster Verantwortung aussetze.
Diese Worte schienen auf die Magd keinen Eindruck zu machen, und ohne daßirgend eine merkliche Veränderung in ihr vorging, erzählte sie in rascher, redseliger Weise,daß Herr Laibel ein häßlicher, finsterer und böser Mann sei, mit dem man nicht habeleben können, und es ihr immer unbegreiflich geschienen, daß seine arme Frau ^— diesonst ganz leidlich gewesen — es so lange bei ihm ausgehalten. Oftmals habe eszwischen Mann und Frau schlimme Auftritte gegeben, doch stets hinter verschlossenenThüren. Dann sei er aufgefahren, habe sogar geschrieen, und das Wort „Geld" habe^ sie bei solchen Anlässen mehrfach vernommen, doch wenig mehr. Aber am vergangenen