Ausgabe 
28 (16.8.1868) 33
 
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Samstag habe sie etwas gehört, was sie damals kaum beachtet, nunmehr aber ganz gutverstehe, und das den schlechten Menschen als Mörder seiner eigenen Familie entlarve.

Die Zeugin, welche immer eifriger gesprochen und den Augenblick kaum erwarten zukönnen schien, wo sie an den Hauptpunkt ihrer Aussage angelangt, wurde nun von demRichter unterbrochen und nochmals aufgefordert, der Wichtigkeit ihrer nunmehrigen Depo-sition eingedenk zu sein und nur die Wahrheit, die volle Wahrheit zu sprechen.

Ihr könnt deßhalb ganz ruhig sein, Herr Richter," cutgegnetc die Magd.Ichwill Euch nur erzählen, was am vergangenen Samstag in dem Hause vorgefallen istso viel ich nämlich davon weiß und was ich gehört und kein Wort weniger, nochmehr. Das ist Alles überflüssig, denn was ich gehört, ist genug, um den Mörderan den Galgen zu bringen! Herr, du mein Gott, die arme Frau! die armenKinder!"

Lautlose Stille herrschte in dem Raume, und der Richter war nicht weniger gespannt-auf die inhaltschweren Aussagen der Magd, wie die übrigen Anwesenden. Doch amgespanntesten von Allen war wohl Meister Andres, dessen Augen förmlich funkelten und-dessen Lippen sichtbar vor Aufregung zitterten.

Zum Reden aufgefordert, sprach dann Hanne.

Am Samstag in der Frühe war wieder Spektakel zwischen Mann und Frau, undes drehte sich wieder um Geld, das konnte ich in der Küche hören, und auch daß diearme Frau weinte und schluchzte. Immer wüthender wurde der schlechte Mensch, bisendlich auch die armen Kinder zu weinen anfingen. Ich spürte einen gehörigen Zornfn mir und war schon entschlossen, den Dienst zu kündigen und heimzugehen, denn dasmochte ich nicht mehr mitanhören noch ansehen. Ich rumorte in meinem Aergcr in derKüche mit Töpfen und Kasserolen, bis der Laibcl oben die Thüre aufmachte und mitwüthender Stimme mir zuschrie: ich solle mich aus der Küche und zum Teufel scheeren,worauf der Spektakel in der Stube wieder von Neuem losging. Ich that denn auch,was er mir geheißen, denn ich wollte nicht weiter horchen, ich mochte es nicht; die Hän-del der Beiden gingen mich nichts an, und ich hätte mich auch noch mehr geärgert, wennich gehört, wie der Mann das arme Weib maltraitirte. Ich ging also aus der Küchefort und in die Schlafkammcr, um diese in Ordnung zu bringen. Da hantirte ich denneine Weile; die Betten hatte ich gemacht, gelüftet und abgestäubt, als ich plötzlich Geräuschin der Stube vernahm. Ich stand in einer Ecke und in der Nähe eines Bettes; wieich aufschaue, sehe ich den Herrn, der mittlerweile eingetreten, wie er mit feuerrothemGesicht, glühenden Augen in.der Stube auf- und abgeht, leise vor sich hinspricht unddabei mit den Händen in der Luft hcrumflankirt. Ich ducke mich erschrocken hinter dieBettlade und verhalte mich mäuschenstill, denn er sah gerade aus, als ob er mich hätteumbringen können, wenn ich ihm jetzt in den Weg gekommen wäre. Das dauerte einekleine Weile, dann wurden seine Reden lauter und er sagte! Ja, Ihr Herren, waser da gesagt, das habe ich deutlich mit diesen meinen Ohren gehört und kann eS mithundert und tausend Eiden beschwören."

Dabei blickte die Sprecherin mit triumphirender Miene den Richter an, der demBericht mit steigendem Interesse gefolgt und sich sagen mußte, daß er hier abgesehenvon dem Widerwillen, den die Person schon längere Zeit gegen ihren Herrn hegen mochte

nur Wahrheit höre. Er war so gespannt auf das, was nun folgen würde, daß erganz vergaß, die Magd zum Weiterreden aufzufordern, und so fuhr denn diese nach einerkleinen Pause, welche die Erwartung der klebrigen auf's Höchste steigerte, fort:

Laut und mit seiner bösen, wüthenden Stimme ich hab' die Worte nicht ver-gessen, und höre sie noch" sagte er:Ich muß ein Ende machen heute nochsie ruiniren mich! Ich muß sie mir vom Halse schaffen, auf eine oder die andere Weise.

Der Satan mag sie holen!" Das klang mir damals schon schrecklich, ohne daßich wußte, was es eigentlich zu bedeuten habe heute aber! O du mein Gott! ich