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möchte weinen, verzweifeln, daß ich es nicht gleich angezeigt! — Welch' ein Unglück hätteich verhüten können! Ach, der liebe Gott wird es mir armen Person nicht zu schweranrechnen; ich hab's ja nicht gewußt, wem es gegolten! — Die armen — armen Kinder!*Die Thränen traten ihr in die Augen und ihre Stimme drohte in einem Schluchzenzu ersticken, und manchen Anwesenden ging es ebenso. Meister Andres, Gevatter Heubachund auch der derbe Gerber Fritze zitterten vor Erregung mit der Hanne förmlich um dieWette, und die übrigen amts- und gcmeindcräthlichen Personen waren nicht bester daran.Nur der UntcrsuchungS-Richter war diesmal kalt geblieben, und mit größter Ruhe, stren-gem Ernste forderte er die Magd auf, ihre Zeugenaussage zu Ende zu bringen.
Hanne sprach dann weiter:
„Das hat er gesagt, so wahr mir Gott helfe! — Es wurde mir, wie gesagt,Angst und bange, ohne recht zu wissen, warum, und ich konnte einen leisen Schrei nichtunterdrücken. Das war mein Unglück. Den Schrei hören, sich umwenden, mich sehenund auf mich losstürzen, war Eins. Ich glaubte, nun ginge es mir an's Leben, dennein Paar geladene Pistolen hingen über seinem Bette, hinter dem ich mich niedergeduckt.Doch er that mir nichts; nur fuhr er mich wie ein Wüthender an. Was ich damache, was ich wolle? und so weiter. — Er ließ mich gar nicht zur Antwort kommen.*— Ich habe ihn belauschen, verrathen wollen, so schrie er, das solle mir theuer zustehen kommen und ich mich zuni Teufel scheercn, gleich auf der Stelle. — Lieber heutewie morgen! hätte ich dem Wütherich gerne zugerufen, und noch mehr dazu, aber ichverschluckte, was ich auf dem Herzen und schon auf der Zunge hatte, und machte, daßich aus der Kammer kam. Am Mittag zahlte mir die Frau mit rorhgewcinten Augenmeinen vollen Lohn aus — ein braves Weib war sie, die arme Person, das muß manihr lasten! Unser Herrgott habe sie selig! — Ich schnürte mein Bündel und nach demEsten verließ ich das Unglückshans und ging heim. Ihn hab' ich nicht mehr wieder-gesehen, und sie auch nicht — und die armen Kinderchen auch nicht! — O, du meinGott, die arnien Würmchen! So früh haben sie sterben müssen und durch den eigenenBatcr! — Es ist schändlich — himmelschreiend!" —
Und in ein bitteres Weinen und Schluchzen brach die arme Person aus, das einenStein Hütte erweichen können, und in das verschiedene Anwesende mehr oder minder ver-schämt und ohne es zu wollen — unwiderstehlich mit einstimmen mußten.
(Fortsetzung folgt.)
Wie ein christlicher Held stirbt.
„Die letzte Blume des blutgcdrängten Feldes Mentana ist entblättert, der letzte derschwerverwundeten Helden der päpstlichen Zuavcn hat ausgelittten, der Sergeant LeoBrake aus Laerne, in der Nähe von Gent . Er starb den schönsten, ruhigsten,heiligsten Tod, den ich je gesehen" — sagte die Oberin zum hl. Geist in Rom, die ihngepflegt hatte. Sein Hingang ist nicht nur äußerst erbaulich, sondern auch von besonderemInteresse für Diejenigen, welche sich, wie ich, oft die Fragen vorlegten, ob nicht die Seelen,die scheinbar sanft hinüber schlummern, doch innerlich immerhin ihren harten Todeskampfdurchzukämpfen haben? Nun wie es Leute gibt, die laut denken, so kann man sagen,Leo Brake ist laut gestorben, wir können also von ihm uns erbauen und belehren lasten.
Wenn man den Patienten fragte: „Wie geht's Brake?" antwortete er stets: „Nichtallzu schlimm." Am Morgen seines Sterbetages erwiederte er: „Nicht sehr gut." I»der That hatten seine Kräfte plöfflich sehr abgenommen, so daß man den Hospitals -geistlichen, Hcn. Paeps, davon in Kenntniß setzte. „Nun wie gch'ts heute?" fragtedieser. „Nicht sehr gut, Herr Pastor!" „Wollt Ihr nicht die heiligen Sakramentezur Stärkung empfangen, lieber Freund?" „Gewiß, sehr gern, herzlich gern." ESwar 7 Uhr Morgens. Brake empfing die Sterbesakramente mit rührender Andacht: er