antwortete selbst mit großer Inbrunst auf die Sterbegebete. „Glauben Sie, daß ichheute sterben werde?" fragte er nachher. „Wahrscheinlich, mein Lieber." „Ach wie gut,ach wie gut!" Nach einer kleinen Pause hob er wieder an: „Soll ich wohl noch denganzen Tag zu leiden haben?" Die barmherzige Schwester antwortete: „Das zählt jastatt des Fcgfeucrs." „Ja, Sie haben Recht." Darauf begann er zu schlummern; manglaubte, es sei für immer, aber er schlug wieder die Augen auf und sagte: „Der liebeGott will mich noch nicht, meine Seele mag noch nicht fort." Wiederum siel er insanften Schlaf; ein seliges Lächeln umspielte seine Lippen, ein Widerschein des ewigenFriedens leuchtete auf seinem Antlitz; wiederholt machte er das hl. Kreuzzeichen. „Washabt Ihr, Bracke, was macht Ihr?" fragte die Schwester.
„Ach Schwester, ich meinte, ich sei im Himmel; laßt mich doch, daß ich schnellerhinkomme!" Der Geistliche trat nun zu ihm hin: „Bracke, hört mich einmal an.Man sagt, die letzte Stunde sei voll des Schreckens und der Angst im Angesichteder Ewigkeit, empfindet Ihr so etwas?" „O nein, Herr Pastor, ich bin sehr ruhig,sehr glücklich, ich habe gar keine Furcht, ich verlange nach dem Tode."
Nun gaben ihm die Umstehenden allerlei Auftrüge für den Himmel. „Ihr vergehtuns nicht beim lieben Gott, nicht?" „Nein, Schwester." „Ihr bittet mir eine Gnadeaus bei der hl. Mutter Gottes?" „Ja, Schwester." So hatte der Eine dieses, derAndere jenes, einem Jeden antwortete er mit der größten Freundlichkeit.
Gegen 11 Uhr schien der letzte Augenblick gekommen, er gab kein Lebenszeichenmehr. Der Krankenwärter Bechet legte sich über ihn und rief mehrmals: „Bracke, Leo!"Endlich schlug er die Augen auf und sagte: „Bechet, Bechet, was hast Du gethan?Ich war am Sterben, ich war auf dem Weg zum Himmel, und Du hast mich auf-gehalten!" Oefters wiederholte er noch die Worte: „Ach, Herr Pastor, macht, daßich fort komme in den Himmel, meine Seele will nicht fort; und dann wandte er sichwieder zum Krankenwärter und sagte wehmüthig: „Bechet, Bechet, Du hast mich aufge-halten." „Ihr verzeiht ihm?" fragte der Geistliche. „O ja, von ganzem Herzen."Das waren die letzten Worte. Ein Zuavenlieutenant, der am Bette stand, küßte denSterbenden auf die Stirne; er sah ihn mit einem so leuchtenden Blick und so himmlischenLächeln an, daß den Augen des Offiziers die Thränen entstürzten. Das waren dieletzten Lebenszeichen. Um 1'/^ Uhr schlummerte er Hinübel: ohne die geringsteZuckung.
Es war eine Stimme unter den Anwesenden: Bracke ist im Himmel. Die Schwestern,die Krankenwärter, die Umstehenden, Alle weinten Freudenthräncn. Jeder wünschte anseiner Stelle zu sein.
So starb der christliche Streiter, der zur Anerkennung für sein echt soldatischesWesen und zum Lohn für seine Tapferkeit erst jüngst war befördert worden, getroffenvon der mörderischen Kugel eines Garibaldianers. Wenn Garibaldi ebenfalls auf demSchlachtfelde von Mentana den Tod gefunden hätte, mit wem — ohne dem GerichteGottes vorgreifen zu wollen — mit wem hättest Du hinübergehen mögen, mit demfrommen Vertheidiger oder dem räuberischen Feinde des heiligen Vaters, mit demsimplen Zuavcnunteroffizier oder dem berühmten Räubcrgencral?
Das nationale Frachtgut.
(Eine Humoreske aus Czechien.)
Pan Jiri Srp, zu deutsch Herr Georg Sichel, zählte sich mit Stolz zur Nationder Czechoslavcn. Klebte ihm auch theilweise der Schandfleck deutscher Abstammung an,denn sein Vater, Kanzleidiener des k. k. Steueramtes zu A. nannte und schrieb sichkurzwcg Sichel — so hatte doch der Sohn den Offenbarungen des czcchischen DreigestirnesPalacky , Brauner und Rieger gelauscht, trug stolz Czamara und Ziskastock, und nannte