Ausgabe 
28 (16.8.1868) 33
 
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sich selbstbewußt Pan Iiri Srp. Von jeher hatte es das Schicksal auf große Männerabgesehen. Auch Pan Srp sollte die Wahrheit dieses Spruches an sich erfahren. Oderwar es etwa nicht blutige Ironie des Fatums, daß er, der Vollblutczeche, seine Diensteeinem deutschen Handlungshause widmen mußte? Herr Großmichel , so hieß der ChefPan Srp's, war Besitzer einer Glashütte zu F. Daß ein Mensch, der Großmichelheißt, nur ein Deutscher sein kann , bedarf keiner Erwähnung. Die Wahrheit zu sagen,huldigte indessen Herr Großmichel in nationaler Beziehung dem vollständigsten Utraguismus,d. h. er nahm Geld ohne Unterschied von Deutschen und Czcchcn, fluchte mit seinemPersonal baldHeiligdonnerwetter", bald/.utrsoen^" und belegte alle nationalenBestrebungen, gleichviel von welcher Seite sie kamen, kurzweg mit dem NamenEseleien".Insoweit hätte Pan Srp also mit seiner Stellung zufrieden sein »können. Was ihn aberwurmte, war, daß alle Briefe des Hauses deutsch geschrieben werden mußten, so daß er,des lieben Brodes wegen, sich gezwungen sah, auch seine Hand zu diesem nationalenFrevel herzugeben. Zu den besonderen Obliegenheiten Pan Srp's gehörte es, dieWaarenkisten mit den betreffenden Aufschriften zu versehen. Es gab ihm jedesmal einenStich ins Herz, wenn er die Worte Micht stürzen",Vorsicht" u. s. w. auf einesolche Kiste schreiben und damit fremden Nationen das demüthigende Geständniß machenmußte, das Land der heiligen Wenzelskrone befinde sich noch immer in den Händen derdeutschen Henker". *

Eines Abends hatte Pan Srp im Wirthshause einen schwungvollen Artikel in seinemLieblingsblatte, denNarodni Listy", gelesen, worin jeder echteviastönöo", d. h.Patriot, beim Andenken Libussa's, Przcmysl's und König Wenzels, durstigen Andenkens,beschworen ward, nur in deralleräußersten Nothwendigkeit" deutsch zu sprechen, undgerade an diesem Tage hatte Pan Srp wieder ein Dutzend Kisten mit deutschen Aufschriftenversehen müssen! Zu schmcrmüthiges Sinnen über das Geschick seines geknechtetenVolkes versunken, kehrte er im Mondscheine nach Hause zurück. Im Hofe standen diezur Absenkung bereiteten Collis. Bon jeder Kiste grinste ihm das WortVorsicht"entgegen. Nur die letzte und größte trug noch keine Aufschrift, wahrscheinlich, Weibdie Leute sie erst nach Schluß der Komptoir-Stunden herbeigeschafft hatten, aber schonstanden Farbentopf und Pinsel, zum schnöden Werke bereit, daneben. Da zuckte dieIdee einer großen nationalen That durch Pan Srp's Gehirn. Er war allein; nur derMond, der Verschwiegene, sah ihm zu. Rasch faßte er den Pinsel, schrieb mit mar-kigen Lettern auf den Deckel der Kiste das WortI'oxor!" und stieg dann stolz hinaufnach seinem Schlafgcmache. Niemand hatte die kühne That gesehen und eine Entdeckungbrauchte er nicht zu befürchten, denn die Kisten wurden ja früh Morgens unter seiner Aufsicht nachdem Bahnhöfe geschafft. Alles ging nach Wunsch.

Pan Srp begleitete am andern Tage die Collis zur Eisenbahn und kehrte hierauf,sich vergnügt die Hände über seinen, den,deutschen Henkern" gespielten Schabernackreibend, nach dem Komptoir zurück. Die Collis aber traten noch an demselben Abendeihre Wanderung nach Hermannstadt im fernen Siebenbürgen an. Der Zufall wollte es,daß der Bahnbcamtc zu Brüun, welcher die Anmeldung der Collis leitete, ein Gesinnungs-genosse Pan Srp's war. Da auch er sich der nationalen That freute, so ward aufseinen Befehl demnationalen Colli" die rücksichtsvollste Behandlung zu Theil. Aberschon in Wien änderte sich die Sache. Der Bodenmeister der Nordbahn, ein Lcrchcnfelder,besah sich eine Weile kopfschüttelnd'den Ankömmling aus Czcchicn.Kruzitürken!" riefer endlich,was ist denn das für eine verfluchte Aufschrift! Da kommt's her, Männer!Wißt's Ihr vielleicht, was das verfluchte Wort bedeutet?" Unter den aufgerufenenPackern, die sich gleichfalls kopfschüttelnd um das Colli versammelten, befand sich zumGlücke ein Abkömmling Libussa's .Pozor" heißt Vorsicht, Pane Bodenmeistcr!" sagteFrantischck, wird sein Glas in Kiste."Na," rief der. Bodenmeistcr unmuthig,das