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fehlt unS gerade noch, daß wir anch noch böhmisch lernen sollen, hier bei der Eisenbahn! Paßt'Sauf, Leute, daß Ihr mir Nichts zerbrecht!"
In Pest wiederholte sich die Szene des allgemeinen Kopfschüttelnd „^riebbgckls,"fluchte der lange Gabor, der Bodciimcistcr, ein Vollblutmagyar vom reinsten Wasser.„Was ist das verfluchtes Wort, was kann der Mensch nit lesen!" Der Zufall wollte,daß auch hier ein Przemyslidc zur Hand war, welcher über die räthselhafte InschriftAufschluß gab. Die Entdeckung, daß das Wort böhmisch sei, war aber für den langenGabor zu viel. Die Zornesader auf seiner Stirne schwoll, kdbnckla böhmisches Schwab!"fluckte er. „Warum schreibt nicht verfluchtes böhmisches Schwab magyarisch, wenn nichtwill schreiben deutsch! Da, schwuppi." Bei dem Worte „Schwupp" gab er dem Collieinen Tritt, daß .es Unterst zu obcrst über den Perron hinabkollerte. Ein langgehaltenerKlageton aus dem Innern der Kiste war die Antwort auf die schnöde Behandlung. Derlange Gabor und seine Genossen aber brachen in ein lautes Gelächter aus, in welches der ent-artete Bürger des czechischcn Reiches gleichfalls einstimmte.
Davon, wie es dem „nationalen Colli" in Temesvar und weiter hinab bis zumOrte seiner Bestimmung, unter den Wallachen, Szlklern und Sachsen ergangen, schweigtdie Geschichte, Herr Großmichel aber erhielt etwa vier Wochen nach Pan Srp'S nationalerThat folgenden Bries von seinem Geschäftsfreunde aus Hcrmaunstadt: „Die uns mitIhrem Werthen vom . . . fakturirten Colli Nr. 1 bis 11 sind uns heute bestens zu-gegangen. .Wir bedauern indessen, Ihnen die unangenehme Mittheilung machen zumüssen, daß Colli Nr. 12, obwohl äußerlich unbeschädigt, nur gänzlich zerbrocheneWaare enthielt. Wie bei der^sonst guten Verpackung dieses Malheur sich ereignen konnte,ist uns unbegreiflich. Wahrscheinlich ist es dem Umstände bcizumcssen, daß die Kistestatt der allgemein gebräuchlichen Aufschrift „Vorsicht" das gänzlich unverständliche Wort„Pozor" zeigt. Da wir keine Schuld an dem Unglücke tragen, so versteht cS sich,daß wir die Kiste zu Ihrer Disposition stellen müssen. Wir bitten Sie also den fakturirtenBetrag rc."
Welches Gesicht Herr Großmichel beim Lesen dieses Schreibens machte, kann sichder freundliche Leser denken, ohne seiner Phantasie Zwang anzuthun. „Das hat keinanderer Mensch gethan, als der Srp!" schrie er wüthend von seinem Sitze aufspringendund zur Thüre seines Kabinets eilend. „Srp! Srp! Kommen Sie einmal herein!"Nichts Gutes ahnend, näherte sich der Gerufene. „Hier, lesen Sie!" rief HerrGroßmichel, indem er seinem Gehilfen den verhängnisvollen Brief unter die Nase hielt.Leichcnblässe überzog Pan Srp's Gesicht. Er versuchte etwas von „nationalerGleichberechtigung" zu stammeln. „Hören Sie, Herr, oder wenn Sie lieber wollen,Pan Srp!" sagte Herr Großmichel. „Sie wissen, daß ich mich um Euren nationalenSchwindel nicht kümmere. Meinetwegen können Sie zwei Czamaras übereinanderanziehen und mit drei Ziskastöckcn herumlaufen! Wenn aber das Geschäft unter IhrenVerrücktheiten leidet, dann geht das Ding. über den Spaß! Ich könnte mich wegendes Schadens an Sie halten; da ich aber weiß, daß. Sie nichts haben, so schenke ichIhnen den Ersatz. Sie vcrlaßen jedoch von diesem Augenblick an mein Kompioir! Ichempfehle mich Ihnen ! I'oroucimsL!" Pan Iiri Srp wankte stumm hinaus, und Groß-Czcchicnzählte einen nationalen Märtyrer mehr.
Frage: Was für Ähnlichkeit hat der 30jährige Krieg mit dem von 1866 ?
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Antwort: oasguH asg 'sahvH 08 jnv suiZ aoE 'snvmh 08 jnv usöuib sqiZA
Druck, Verlas »nd Redaktion des literartlcheu Instituts von vr. M. Huttler.