Ausgabe 
28 (23.8.1868) 34
 
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die nöthig, um die Spur des Mannes, der eines so furchtbaren Verbrechens beschuldigt,zu verfolgen."

Beifällig nickte der Herr Untcrsuchungs-Richter dem Herrn Jnspector zu, und dieerregten Mienen der übrigen Anwesenden erhielten einen gewissen freudigen Ausdruck,denn es war bereits etwas in der Sache geschehen und durch einen der Ihrigen geschehen.

Ich erkundigte mich sogleich an der Kasse, wohin Laibel ein Billet genommen,"so fuhr der Zeuge dann fort,und da fand sich denn, daß er eines zweiter Classe bisV. . ., dem nächsten Kreuzungspunkte unserer Bahn gelöst. Wissend, daß der HerrRichter heute dahier anlangen würde, bin ich am Vormittag nach V . . . gefahren, umdort Erkundigungen über Laibel einzuziehen. Der Courierzug langte, von N . . .kommend, am vorigen Sonntag Morgen dort um drei Uhr an, um nach zehn MinutenAufenthalt weiter zu fahren. Der von Süden kommende Zug war wie gewöhnlich eineViertelstunde früher angekommen und fuhr um halb vier Uhr, genau nach dem Reglement,ab. Laibels Billet lautete nur bis V. . . Hier mußte er also ausgcstiegcn sein, ent-weder ein anderes Billet gelöst haben, oder zu Wagen oder zu Fuß weitergegangen sein.Mir hierüber Gewißheit zu verschaffen, war nun allerdings nicht leicht. Ich vertrautedem Director der Station die ganze Angelegenheit, und nüt seiner Hülfe wurde denn ander Kasse endlich, und so zu sagen unumstößlich festgestellt, daß damals eine Persönlich-keit auf die meine Beschreibung Laibels paßte, weder zu jener Stunde, noch später amTage sich am Schalter gezeigt, um ein Billet nach einer der vier Richtungen zu kaufen.Nun wurden die übrigen Bediensteten der Station, die wenigen Fuhrleute und Kutscherermittelt, welche um die betreffende Stunde sich in der Nähe der Bahn befunden. Daswar bald gethan, denn viele Fiaker gibt es in V. . . nicht, und diese wenigen haltenstets an der Station. Keiner von ihnen hatte einen Mann von dem Aussehen Laibelsgefahren noch gesehen. Kein Schaffner oder Packknecht wollte etwas von ihm wissen.Trotz aller Mühe war keine Spur von dem Flüchtlinge aufzufinden, er schien förmlichin der Erde verschwunden zu sein. Zwar waren mehrere Reisende ausgcsticgen, dochwaren dies meistens bekannte Personen, und der Verbleib der Uebrigen konnte sichernachgewiesen werden. Einer der Leute meinte zwar, bemerkt zu haben, wie ein Mann,der den Zug verlassen, rasch in der Richtung nach den nahen Bergen davongeeilt und inder Dämmerung verschwunden sei. Doch paßte die Beschreibung nicht auf Laibel, unddann war der Zeuge auch zweifelhaft, ob er den Betreffenden nicht bald darauf wieder-gesehen, der dann wohl mit demselben Zuge weitergefahren sein konnte. Nichts weiterwar herauszubringen. Der Bahndirector aber, dem die Angelegenheit wichtig genugschien, hat sofort den Telegraph in Bewegung gesetzt und das Signalement Laibels, dasich ihni gegeben, nach allen Richtungen hingesandt. Sobald irgend eine Antwort anlan-gen, überhaupt sich etwas ergeben wird, das Auskunft über den Verbleib Laibels zu er-theilen vermag, will er hierher an mich, oder direct an das Ortsgcricht berichten."

Also endete der Bahn-Jnspector seine Dcposition, und wenn sein Handeln auch keingünstigeres Resultat gehabt, so gab seine Mittheilung dem Verdacht doch einen weiterenHalt von nicht geringer Bedeutung. Der Untersuchungsrichter dankte dem Beamten fürseine Aussage, seinen Eifer, und erklärte dann mit fester Stimme, daß Alles, was erbisher vernommen, den Verdacht eines begangenen Verbrechens wohl zu rechtfertigenvermöge, es demnach Pflicht der Behörde sei, das Haus, den Ort der That, zu unter-suchen. Er fordere also den anwesenden Ortsvorstand auf, dafür zu sorgen, daß heuteNachmittag, nach Tisch, etwa um drei Uhr, ein Schlosser mit den nöthigen Werkzeugenbei dem Laibel'schen Hause zur Hand sei, um die Thüren im Namen des Gesetzes zuöffnen. Ferner lud er verschiedene der anwesenden Herren ein, solcher Untersuchung alsZeugen beizuwohnen, wie er auch sämmtliche Personen, welche bis jetzt etwas über diedüstere Angelegenheit ausgesagt, aufforderte, zur angegebenen Stunde sich bei dem be-treffenden Hause einzufindcn.