Ausgabe 
28 (23.8.1868) 34
 
Einzelbild herunterladen

267

Nun hob er die Sitzung auf, um sich nach den gehabten Mühen durch ein gute?Mittagsessen an der Wirthstafel des ersten Gasthofes von X. . ., zumgrünen Baum"geheißen, zu stärken, wohin ihn ein großer Theil der Anwesenden begleitete, und allw»es am selben Mittag laut und erregt genug Erging, wozu übrigens auch hinlänglicheUrsache und genügsamer Stoff vorhanden war.

Daß in den übrigen Häusern der Stadt der tragische Vorfall und das, was manbis jetzt darüber in Erfahrung gebracht, in jeder möglichen Weise, mit allen nur erdenk-lichen Vermuthungen und Beurtheilungen nicht weniger aufgeregt besprochen und abge-handelt wurde, wird ein Jeder sich wohl zur Genüge vorstellen können.

lll.

Neue Aufklärungen.

Der Mensch denkt und Gott lenkt!

Der Herr Untersuchungs-Richter, sowie die übrigen Notabilitäten der guten StadtT. . . saßen im grünen Baum, aßen und tranken gut und unterhielten sich noch bester,nicht anders vermeinend, als solches Vergnügen in aller Behaglichkeit bis drei Uhr, derStunde der Eröffnung des Laibel'schen Hauses, genießen zu können. Just so, oderähnlich stand es in den übrigen Bürgerhäusern der Stadt und auch beim TischlermeisterAndres. Doch dieses allgemeine, wenn auch ziemlich erregte Stillleben sollte eine Plötz-liche, gewaltsame Unterbrechung erleiden, und zwar durch Meister Andres, der abermalseine Rolle in dem düstern Drama zu spielen berufen war.

Das aber kam also.

Als der ehrsame Tischlermeister daheim angelangt, von seiner in fieberhafter Auf-regung sich befindenden Alten mit wahrer Sehnsucht erwartet, wollte sich der hartgeplagteund wirklich angegriffene Mann an den sauber gedeckten Tisch setzen und einen LöffelSuppe zur Stärknng seines Leibes genießen. Aber die Alte ließ besagten Löffel vorerst,nicht zu seinem,Munde kommen, denn Andres mußte erzählen, was sich auf dem OrtS-gericht begeben. Alles und haarklein. Nachdem er dieser Pflicht so vollständig und aus-führlich als möglich genügt und endlich seine Mahlzeit beginnen wollte, da klopfte esziemlich stark wider das Fenster der Stube, und als Andres erstaunt sich umwandte,erblickte er etwas, das ihm vor Ueberraschung den schon glücklich erhobenen Löffel aber-mals vorn Munde nahm und sogar aus der Hand gleiten ließ und ihn mit einem RuLvon seinem Stuhle cmportrieb.

Des Tischlers Haus lag am Ende der Stadt ! . . . und schon an der Landstraße,welche nach der Hauptstadt des Landes führte. Auf der Straße nun sah Andres eineetwas altfränkische Reisebirutsche, welche ziemlich nahe an die Fenster des Hauses hcran-gcfahren war, und in ihr einen alten Herrn mit grauem Kopf und freundlich lächelnder»Zügen, welcher von seinem Sitze aus und mit dem goldenen Knopfe seines langenspanischen Rohres zu wiederholten Malen wider die Scheiben klopfte.

Ist der Andres daheim?" rief nun der Fremde.

Herr Gott, der Baron !" schrie hierauf Meister Andres, von seinem Stuhle auf-fahrend und wie der Wind zur Hausthüre eilend.

Draußen begrüßte der Fremde, derHerr Baron," den Meister auf das herzlichste,desgleichen auch die Alte, welche ihrem Andres nach und zur Thüre geeilt war. Er stiegsogar aus der alten Birutsche, dem Kutscher die Weisung gebend, voraus in dengrünenBaum" zu fahren und ein Zimmer für ihn Herrichten zu lasten. Dann trat der Fremde,ein Mann von etwa sechzig Jahren, behäbiger Gestalt und mit frischen, vor Freude schierstrahlenden Zügen, mit dem alten Ehepaare in die Stube.

Der Herr Baron Görg von Freikamp und Meister Andres waren gute Freunde.Der Vater des Ersteren war der letzte Oberjägcrmeistcr des letzten Fürsten von T . . .