Ausgabe 
28 (23.8.1868) 34
 
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gewesen und Andres in seinem Hause erzogen worden. Die Freundschaft, welche denadeligen Knaben und den armen bürgerlichen Jungen verbunden, hatte sich nie verläugnet, <

und durch sein ganzes Leben hindurch hatte Andres an dem Herrn Baron eine tüchtigeStütze gehabt. Deßhalb wäre er auch für den Görg durch's Feuer gelaufen. Nachdemder letzte Fürst von X. . . gestorben, hatte sich Herr von Freikamst auf eine Besitzung,etwa zehn Stunden von ! . . . gelegen, zurückgezogen und war Oekonom geworden.Selten kam er nach T. . ., geschah es aber, dann wurde zuerst beim Andres vorge- ^sprachen. Frohe Jugend-Erinnerungen wirkten noch immer mächtig bei dem alten Herrn.

Bin lange nicht bei Dir gewesen, Andres! Komme aber heute in eigenthümlicherAngelegenheit nach X. . . und mit frohem Herzen," so sagte der Herr Baron im Ein-treten, und nachdem er dem alten Paare recht herzlich die Hände gedrückt.

Der Herr Baron kommt aber auch zu guter Stunde, denn was X... heute erlebt,hat es noch nicht erlebt und wird es hoffentlich nicht mehr erleben," so sprach Andres.

Hab' auch etwas erlebt. Andres! und will sogar noch mehr erleben, und Frohesdazu, alter Junge! Euch geht es doch gut?"

Danke! Es ist eine schreckliche Geschichte, Herr Baron . Ein Vater hat seineKinder"

Wiedergefunden?" scherzte der alte Herr, der in bester Laune zu sein schien.-Dann ist es ihm gerade gegangen, wie es mir gehen soll. Denn siehe. Andres, ichsoll heute und hier am Orte meine Kinder, mein liebes Mädel, die Dore, die ich solange habe misten müssen, wiederfinden und an's Herz drücken dürfen."

Ach nein, so ist es nicht, Herr Baron! Der Barbar hat seine eigenen Kinderumgebracht, und sein Weib dazu. Ich hab's gesehen und gehört!"

Heraus war's endlich.

Das ist ja entsetzlich!" entgcgnete Herr von Freikamst, den Andres und die Alteziemlich ungläubig anschauend.

Es ist leider so," rief der ehrliche Tischlermeister mit rechtem Eifer.Die Magdhat am Morgen gehört, wie er ihnen den Tod geschworen und ich hab' am Abend ge- -sehen, wie er eines der Kinder es kann nur ein Kind gewesen sein,, die Frau warzu schwer dazu! hoch empor hob und in den Ziehbrunnen warf. Auch den ent-setzlichen Schrei, den das arme kleine Geschöpf dabei ausgestoßen, hab' ich gehört, undwerde ich ihn zeitlebens nicht vergessen."

Das ist ja eine schreckliche Geschichte! Und gerade mir und meiner Freude mußsie in die Quere kommen! Hat man denn den Kerl gefangen?"

Er ist durchgebrannt, doch ist man auf seiner Spur. Der Telegraph arbeitetnach allen Weltgegenden hin."

Das ist Recht! er darf seinem Richter nicht entfliehen, muß seine Strafe empfan-gen. Aber lassen wir das. Andres, viel Zeit bleibt mir nicht, denn ich muß in dengrünen Baum" und dann weiter. Ich will dem alten Freunde noch sagen, was micheigentlich hergeführt, und dann sollst Du mir noch einige Fragen beantworten."

Sprecht, Herr Baron!"

Du wirst wissen, daß ich mein Mädel, die Dore, verheirathct habe. Es wareine gute Partie, der Mann war ordentlich, brav und recht gut situirt, und die beidenLeutchen hatten sich gerne, und das war die Hauptsache. Wir lebten zufrieden undglücklich zusammen, doch nach einigen Jahren überwarf ich mich mit meinem Schwieger-sohn und dieser verließ mich mit seiner Frau. Von der Zeit an waren wir Feinde.

Ich ich muß es nur gestehen, war nicht ohne Schuld an dem Zerwürfniß. Als der ^

Aeltere, hätte ich auch der Vernünftigere sein und nachgeben müssen, dann wäre wohlAlles wieder auszugleichen gewesen. Sie verließen die Gegend, und ich war allein.

Nicht wußte ich, wohin sie sich gewendet. Hab' viel Kummer ausgestanden während