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nur noch steht dem Herrn Supplicanten offen: Der brüte Weg an den König! Schlägtauch dieses fehl, so weiß ich ihm leinen Rath mehr, und hat eS dann bei dem Decimasein Bewenden."
(Fortsetzung folgt.)
Ueber das Erdbeben auf der Westküste von Südamerika
liegen jetzt eine Menge Berichte von verschiedenen Punkten vor, die leider bestätigen, daßdie ersten telegraphischen Mittheilungen nicht übertrieben waren. Das Erdbeben selbsthat sich, den vorliegenden Berichten nach zu schließen, auf Ecuador uud Peru beschränkt,allein die Zerstörungen, welche das aufgetriebene Meer verursachte, reichten bis über halbChili, so daß man die Ausdehnung der furchtbaren Naturerscheinung von Nord nachSüd auf mindestens 46 — 48 Breitegrade veranschlagen kann. Nach Berichten ausValparaiso vom 17. August wurde der blühende Hafenort Talcahuano am 14tenvon drei Erdstößen berührt; bei dem zweiten wurde die See hoch emporgehoben undüber die Stadt hinwcggetriebcn. Die Einwohner hatten sich auf die benachbarten Hügelgeflüchtet, sie fanden bei ihrer Rückkehr die halbe Stadt weggeschwemmt, die andere Hälftevon den Wellen unbrauchbar gemacht. Der Schaden wird auf 300,000 Dollars ange-schlagen, 4 Menschen verloren das Leben. In Toms ereignete sich dasselbe; da aberdieser Ort höher liegt, so war der Schaden nicht so groß. Auch Valparaiso erfuhreine übcrfluthcnde See, doch ohne wesentliche Zerstörung, dagegen litt der Hafen Con-stitucion sehr, alle Schiffe wurden an und auf die Küste getrieben, die Stadt selbst bliebleidlich verschont.
Schreiben aus Lima vom 22. und 28. August bestätigen die Angaben der bishermitgetheilten Berichte, vor Allem die furchtbare Mccrfluth, die auf der ganzen Westküstevon Südamerika mehr Verwüstung angerichtet hat, als das Erdbeben selbst, denn alleHafenorte in einer Küstcnausdehnung von 1200 geographischen Meilen sind mehr oderweniger zerstört oder unbrauchbar gemacht und, wie ein Briefsteller, allerdings in über-mäßiger Entmuthigung, sagt, alle Kultur, die in dreihundert Jahren geschaffen, liegt fürein halbes Jahrtausend vernichtet. Das Entsetzen über diese Katastrophe wird vor neuerAnfiedlung eine Zeit lang zurückschrecken, aber der Mensch, den die Lavaströme desVesuv und Aetna so wenig von der Fortsetzung des Anbaues abhielten, wie die Damm-brüche an den niederländischen und friesischen Küsten, wird sein Werk nicht aufgeben, undin Jahrzehnten zu ersetzen wissen, was in seinen Anfängen Jahrhunderte erforderte. —Die Flotte der Vereinigten Staaten notirt als verloren das Magazinschiff Fredonia mit6 Kanonen; der Näderdampfer Wateree mit 14 Kanonen und die peruanische Dampf-Corvette „Amerika" wurden aus's Land geworfen; der amerikanische Kauffahrcr RosaRivera, das englische Schiff Chanarcillo und die französische Barke Eduards gingen imHafen von Arica zu Grunde.
Die Stadt Arequip a (40,000 Einwohner) ist nicht mehr, Arica , der bedeutsamsteHafenort von Peru , deßgleichen. Jenes, aus Granit und Lavablöcken gebaut, fiel unterden wiederholten Erdstößen, dieses wurde von den Mcerwogen hinwcggespült, die sich zuBergeshöhe erhoben, und auf halbe Wegstunde dann über das Land der Küste herein-brachen. Moqucgua, Jguiquc, Sama, Locumba, Nasca, Jlo, Chala, Mcxillones,Pisagua und eine Menge kleinerer Städte, zahlreiche Dörfer, Pflanzungen und Fabrikenwurden in Ruinen gelegt, so daß alles, was nicht thatsächlich niedergeworfen ist, abge-brochen werden muß, um zu neuer Wohnung und neuem Betriebe zu dienen. Verschontblieben Cuzco und Puno und alle größeren Jndianerstätten. Der Verlust an Menschen-leben läßt sich noch nicht genau feststellen, doch schätzt man denselben auf der ganze»Unglücksstälte über 30,000 Personen, und den Verlust und Schaden an Eigenthum auf